"Reisefieber" hatten die beiden Zwillingsbrüder ihren Konzertabend betitelt, und dafür hatten sie ihre kleinen Geschichten dabei, die als Zwischenmoderation die Gäste mit auf die Reise nehmen sollten. Nutzte man in der ersten Hälfte ein altes Segelschiff, um einen Törn rund ums Mittelmeer zu erleben, so war es in der zweiten Hälfte ein "fliegender Teppich", der einen zu den Stationen der musikalischen Stilrichtungen brachte. Einerseits war es schön, sich mit diesen Stationen auf melodischen Landesfarben einstellen zu können - andererseits weckte es Erwartungen hinsichtlich des Musikstils, die gelegentlich differierten. Viel schöner war es - wie im Flyer des Duos angekündigt - der außergewöhnlichen Rhythmik, den harmonischen Melodien mit geschlossenen Augen zu lauschen. Und wenn man mal die Augen offen hatte, dann war es ein Genuss, die Verbundenheit der beiden Akteure zu ihren Instrumenten zu bewundern. Rainer Gruber am Akkordeon sowie an der Gitarre und besonders Thomas Gruber am Hackbrett strahlten nicht nur Virtuosität aus, sondern vielmehr eine einzigartige künstlerische Empathie zu vielen Musikstilen.


Wurzeln im Voralpenland

Die musikalischen Wurzeln der Brüder liegen im bayerischen Voralpenland - und diese Wurzeln wurden durch Studium und Auftritte in verschiedenen Ensembles vertieft und verfeinert, wobei ihr Gespür für die Musik und ihre Fähigkeit für das Komponieren die Grundlagen bilden.

Ein zusätzliches Stilmittel ist die innige Verbundenheit von Thomas und Rainer Gruber, die sich nicht nur aus ständigem Üben ergibt: Es müssen Seelenverwandte sein, sonst wäre ein solch fein verwobenes Netz an Musikalität und Rhythmik nicht möglich. Ihre Bandbreite reicht von Klassik bis Jazz, von französischer Chansonette über italienische Renaissance-Musik bis hin zum argentinischen Tango und weiteren Versatzstücken. Und doch kommen Gruber + Gruber immer wieder gern zurück zu ihren Wurzeln, der Volksmusik - mal über den Ländler, mal über die "Stub'n- Musi" und über den niederbayerischen Zwiefachen, einem Wechseltanz aus Walzer und Polka.

Ob gezupft, geschlagen, mal dynamisch, mal leise, mal bildhaft, mal durch sich wiederholende harmonische Melodien, so erzählen die beiden Künstler mit ihrer Musik fantasievolle Geschichten - wie beim Wechsel zwischen "hyperaktiv und maultierfaul" im Märchen von Don Quichote und Rosinante. Tanzende Regentropfen, irgendwo zwischen zartem Frühlingsregen, Blitz, Donner und Wolkenbruch, die sich am Ende in einem See im warmen Sonnenschein wiederfinden. Stürmischer Flamenco, sinnlicher Tango oder verträumte Balladen sind Stilmittel, um zum Beispiel Palermo musikalisch zu beschreiben oder den Aufstieg zum Kilimandscharo melodiös zu beschreiben. Viel Freude hatte das Publikum an einem dynamischen Stück, für das es selbst einen Titel finden durfte: Großstadt-Lärm, Bismarcks Alptraum oder Seehofers Wahlkampfrede waren die Vorschläge. Zwei Zugaben waren der Dank der sympathischen Brüder für den überschäumenden Applaus - und der war der Dank für einen faszinierenden Abend mit der kleinstmöglichen kammermusikalischen Besetzung.