Es gibt immer wieder mal Konzerte, da ist man hinterher wirklich froh, dabei gewesen zu sein, die, kaum sind sie verklungen, sich tief in die Erinnerung einnisten. So wie die "Klostermatinee" mit der Geigerin Veronika Eberle, dem Cellisten Andreas Brantelid und dem Pianisten Shai Wosner im Kloster Maria Bildhausen.
Dabei hatte alles so schön, wie in einer glücklichen Welt begonnen mit Mozarts Klaviertrio A-dur.
Wosner spielte mit wunderbar trockenem Anschlag seine Melodien, die Violine und das Violoncello illustrierten, kommentierten, übernahmen in einem munteren, bisweilen humorvollen Wechselspiel. Dann kamen die Streicher einzeln mit Klavier: Andreas Brantelid mit den wunderbar emotionalen, verspielten "Ein Mädchen oder Weibchen"-Variationen von Beethoven und Veronika Eberle mit dessen G-dur-Sonate op. 30/3. Mit ungebändigtem Staccato machten Wosner und sie das Werk zu einer Kleinoper im Zeitraffer, der sangliche Linien erahnen, aber nicht immer wirklich hören ließ, agogisch höchst spannend, mal tänzerisch, mal mit harschen Ausbrüchen - kurz: quicklebendige Musik.
Und dann kam Schuberts berühmtes Es-dur Trio. Größer hätte der Kontrast, spannender das Musizieren nicht sein können. Und intensiver hätte man dieses Werk nicht spielen können. Da hatten sich drei gefunden, die unbedingt dasselbe wollten: in die Musik hinuntersteigen, in die Abhängigkeiten der Stimmen, in die Befindlichkeiten hinter den Melodien. Ziemlich schonungslos gegen sich selbst, immer hundertprozentig aufeinander orientiert, formten sie, trotz mancher leichthändiger Aufbrechung ein Klima der Ausweglosigkeit, das mit jedem Satz zunahm. Und plötzlich hatte die Musik eine Kraft, die deprimieren konnte.
Als die Musiker sich verbeugten, hatte Andreas Brantelid ganz leere Augen, so sehr hatte er sich verausgabt. Aber die Zuhörer werden nicht anders ausgesehen haben. Noch so einen Satz hätte niemand ausgehalten.