Oberstudiendirektor Rudolf Hoffmann leitet nicht nur eine Schule mit 1600 Schülern, er ist auch Nebenerwerbslandwirt und Herr über 85 Hektar Fläche - und das mit Leib und Seele. Davon konnten sich die Besucher überzeugen, die zum Erzählcafé im Juliusspital gekommen waren.
Genau eine Stunde lang schilderte der gebürtige Rannunger, der auch dort mit seiner Familie lebt, die bisherigen Stationen seines Lebens, die ihn quer durch Bayern führten, bis er 2004 in Bad Kissingen landete. "Zwei Herzen schlagen ach in meiner Brust" , so hatten Eugen Albert und Rudolf Hoffmann in Anlehnung an ein Faust-Zitat den ebenso unterhaltsamen wie auch lehrreichen Nachmittag überaus treffend überschrieben.
"Ich wurde in die Landwirtschaft hinein geboren", erzählte Rudolf Hoffmann, der 1963 in Rannungen zur Welt kam. Der Betrieb seines Vaters war allerdings schon für damalige Verhältnisse zu klein, deshalb arbeitete dieser bei SKF in Schweinfurt und war auch Bürgermeister seiner Heimatgemeinde.

"Was mit Landwirtschaft"

Nach der Grundschule besuchte Rudolf Hoffmann die Internate in Münsterschwarzach und Würzburg bis zum Abitur 1982. Nach der Bundeswehr wollte er "was mit Landwirtschaft" machen. "Gutsverwalter wollte ich werden", schilderte er den aufmerksam zuhörenden Senioren seine beruflichen Pläne. Also studierte er Agrarwissenschaft in Weihenstephan. Doch anfangs bestand das Studium fast nur aus Physik, Chemie, Mathematik. "Mit meinem Altgriechisch und Religion Leistungskurs war ich der Renner", erzählte er schmunzelnd. Er fiel prompt durch die Prüfungen, auch Wiederholungen nutzten nichts. Allerdings befand er sich in guter Gesellschaft, denn 150 von 330 Studenten ging es ähnlich wie ihm. Es habe nicht genügend Studienplätze für höhere Semester gegeben, und so sei halt rigoros ausgesiebt worden.
Wieder die Frage: "Was tun?" Die Landwirtschaft als Berufsziel wollte er noch lange nicht an den Nagel hängen. Also studierte er "mit mehr Ehrgeiz" und auch mit Erfolg auf Berufschullehrer mit Landwirtschaft als erstem und Religion als zweitem Fach. 1990 machte er das Staatsexamen. Heute ist er froh, dass es so kam, denn "als Agraringenieur wäre ich wahrscheinlich im Landwirtschaftsamt gelandet, in der Abteilung ‚Förderung'. Und das ist sehr interessant."
Erste Station als Lehrer war Passau, dann folgte Neumarkt in der Oberpfalz. Über eine Tätigkeit ab dem Jahr 2000 im Kultusministerium in München, wo er zum Studiendirektor befördert wurde, kam er als stellvertretender Schulleiter nach Schweinfurt. Und schließlich wurde er Chef der staatlichen Berufsschule in Bad Kissingen.
Dazwischen kam die Frage: "Wie geht es mit der eigenen Landwirtschaft in Rannungen weiter?" Die erste Erkenntnis war: "Wenn, dann richtig. Raus aus dem Dorf und einen Hof bauen". Er entschied sich fürs Bauen. Und so entstand schließlich am Rand von Rannungen ein neuer Hof. Die Entscheidung war sicher richtig, die Erklärung ist einfach: "Je älter ich werde, desto stärker wird das Landwirtschaftliche in mir". Doch er ergänzt gleich, "ich bin auch sehr gerne Schulleiter". Es stimmt also: "Zwei Herzen schlagen ach in meiner Brust." 85 Hektar bewirtschaftet er, davon sind allerdings rund 50 gepachtet. Seit 2009 hat er auf biologischen Anbau umgestellt. Noch baut er nur Getreide an.
Bis Oberstudiendirektor Rudolf Hoffmann in Pension gehen kann, vergehen noch etliche Jahre. Doch er denkt schon voraus: "Dann will ich ein paar Pferde und Rindviecher auf dem Hof halten."