"Ich hatte nach dem Abi, ehrlich gesagt, keine Lust mehr auf nur Schule. Und in Ferienjobs hatte ich die Erfahrung gemacht, wie gut es tut, wirklich etwas geschafft zu haben." Deshalb macht Johannes Raum aus Pegnitz jetzt im Modellprojekt "Abi und Auto" an der Heinrich-Thein-Berufsschule in Haßfurt eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Zum ersten regulären Blockunterricht wurden 17 junge Männer und eine junge Frau dort unlängst offiziell empfangen.

Die Handwerkskammer und die Kfz-Innung haben das Projekt "Abi und Auto" ins Leben gerufen. Seit drei Jahren gibt es bereits eine Modell-Klasse in Landsberg am Lech. Landrat Rudolf Handwerker (CSU) und Schulleiterin Heidrun Görtler zeigten sich gestern stolz darauf, dass es gelang, das Modellprojekt für Nordbayern nach Haßfurt zu bringen.

Der Weg zum Meister

Mit "Abi und Auto" erhalten Abiturienten im Rahmen der klassischen dualen Ausbildung die Möglichkeit, in zweieinhalb Jahren den Gesellenbrief zu erwerben und den Weg zum Meister zu verkürzen. Das Projekt wendet sich nicht nur an Betriebsnachfolger, sondern sei ein tolles Angebot an Abiturienten, die eine Alternative zum gängigen Studium suchen, sagte der Landrat.

Gerade eine so innovative Branche wie das Kfz-Handwerk brauche qualifizierten Nachwuchs auch für die Führungs- und Organisationsebene. Als Sachaufwandsträger sei der Kreis bemüht, dieses zukunftsweisende Karriereprogramm bestmöglich zu unterstützen. Als Schulleiterin Heidrun Görtler verriet, dass derzeit Verhandlungen laufen, als weiteres Schulungsauto ein Hybrid-Fahrzeug anzuschaffen, ging ein erfreutes Raunen durch die Reihen der Schüler, Lehrer und Gäste.

Aus ganz Franken nach Haßfurt

18 Abiturienten aus allen drei fränkischen Regierungsbezirken meldeten sich für die Fachklasse in Haßfurt an. Begleitet werden sie unter anderem vom Ausbildungsberater der Kfz-Innung Unterfranken, Gottfried Reuß, von Doris Engelhardt, Andrea Sitzmann und Thomas Planer von der Handwerkskammer und vor allem von ihrem Klassenleiter Christoph Lindner und Lehrer Markus Wenz.

Die Mecha troniker-Ausbildung in zweieinhalb Jahren zu absolvieren, ist an sich nicht neu. Schon bisher konnten Auszubildende mit Abitur ihre Ausbildungszeit verkürzen. Doch mussten sie sich einen Teil des Stoffes selbst erarbeiten. "Abi und Auto" bündelt jetzt die "Verkürzer" aus dem gesamten nordbayerischen Raum und bietet den maßgeschneiderten Unterricht.

Johannes Raum freut sich auf die Ausbildung. Die ersten Wochen im Betrieb hat er schon hinter sich - und auch die Organisation für den Blockunterricht in Haßfurt hat er im Griff. Zwei Stunden dauert die Bahnfahrt, deshalb nimmt er sich dann ein Zimmer in Haßfurt.

Beatrice Fuchs hingegen, die einzige Frau in der Runde, kommt täglich mit dem Auto aus Reichenbach bei Münnerstadt. "Ich wollte eigentlich schon immer so was machen", erklärt sie im Gespräch mit unserer Zeitung und dennoch studierte sie zunächst nach dem Abitur zwei Semester Jura.

Damit bestätigte sie eine Beobachtung, die Landrat Handwerker zuvor angesprochen hatte: Abiturienten sind oft zu strikt auf ein anschließendes Studium ausgerichtet und verpassen die Chance auf Berufe, in denen sie mehr Erfüllung finden und praktische Veranlagungen umsetzen können.

"Junge Frau, wissen Sie..."

Für Beatrice Fuchs war es kein Problem, einen Ausbildungsbetrieb zu finden. Weder als Abiturientin, noch als Frau stieß sie auf Vorbehalte. "Wir sind fünf Frauen im Betrieb", erklärte sie. Im Kollegenkreis sei sie anerkannt, dem einen oder anderen Kunden jedoch sei es noch nicht geheuer, eine Frau an sein Auto zu lassen. "Junge Frau, wissen Sie, was Sie da tun", solche Ansagen habe sie schon einige Male zu hören bekommen, erzählte sie gestern lächelnd.

Johannes Raum blitzte bei einigen Meistern erst ab. "Die befürchteten wohl, dass sie in die Ausbildung investieren und ich dann doch in ein Studium gehe", hat er durchaus Verständnis.
Die meisten der Pilotprojekt-"Azubis" jedoch wurden sehr positiv in ihren Betrieben empfangen. Sie haben als klares Ziel den anschließenden Meisterkurs.

Noch während der zweieinhalbjährigen Ausbildung beginnt nämlich die Fortbildung, so dass nach weiteren sechs Monaten die Abschlüsse Technischer Fachwirt (HWK), Geprüfter Kfz-Servicetechniker und die Ausbilder-Eignungsprüfung ermöglicht werden. Das sind schon drei der vier Teile einer Meisterprüfung.