Das Sommerrefektorium der Abtei in Maria Bildhausen erstrahlt im Kontrast zum umgebenden Grün. Die Stimme von Katrin Edelmann legt sich eindringlich über den Talgrund. Es knirscht der Kies auf dem Flanierweg bei der Einstimmung mit einem Glas Wein, und die ersten Orgeltakte von Peter Rottmann reißen die Konzertbesucher aus den Alltagsritualen.
Wir sind im zweiten Jahr der Konzertreihe "Klassik im Grünen", mit der die Kloster-Akademie Maria Bildhausen eine neue Tür in ihrem Kunst- und Kulturangebot aufgestoßen hat und weiter mit neuem Leben erfüllen will. Auch wenn diesmal mehrere Stühle im Pavillon leer bleiben, der Hörgenuss ist dank der ausgezeichneten Akustik ungeschmälert.
Für Katrin Edelmann, die Mezzosopranistin, war der Auftritt dort eine Premiere, für Peter Rottmann an der Truhenorgel nicht, zumal er als künstlerischer Leiter das Konzertprojekt begleitet.
Der Abend "der schönen Gesänge" war den Komponisten des Barock gewidmet, als würden die heimkehren in ihren kleinen "Palast der Sinne" im weitläufigen Klosterareal. Während sich Peter Rottmann als Solist mit Stücken von Franz-Xaver Schnizer (1740-1785), Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Domenico Zipoli (1756-1791) und Johann Kaspar Ferdinand Fischer (1670-1746) den Optimismus der Zeit musikalisch ausmalte, war er ein einfühlsamer Begleiter der Gesangsdarbietung der gebürtigen Meiningerin Katrin Edelmann. Die Altistin verstand es vorzüglich mit einigen Liebeserklärungen in Italienisch (deutsche Übersetzung im Programm) und Deutsch das romantische Umfeld des Konzertabends zu vervollkommnen.
Wer eignet sich besser als beispielsweise die Italiener Alessandro Scarlatti (1659-1725) oder Antonio Caldara (1671-1763). Deren Gefühlsausbrüche im Text, verbunden mit der klaren Stimme Katrin Edelmanns hinterließen Spuren von Glückseligkeit. Man kann im Grün des Klosters nur dahinschmelzen, wenn man italienisch zu hören bekommt: "...Der vergoldete Strahl schmückt jeden Halm; er malt die Sterne des Himmels auf die Wiese."
Der Deutsch-Brite Georg Friedrich Händel (1685-1759) schaffte es mit vier Arien aus seiner Vertonung von neun Gedichten des Hamburger Dichters Barthold Heinrich Brockes (1680-1747) in das ausgewogene Programm. Keine Liebesbezeugungen, doch intime und gefühlvolle, manchmal oberflächlich klingende Moralvorstellungen verdichten sich durch das Timbre der Tonkünstlerin zu einem mächtigen Ganzen.
Katrin Edelmann lässt am Ende des Programms natürlich auch Zweifel an der Macht der Liebe mit einem Lied des Italieners Giovanni Paisiello (1740-1816) spüren, in dem es unter anderem heißt: ..."Mitleid, Mitleid, Mitleid! Die Liebe ist ein Ding, das mich verzweifeln lässt."
Drei Zugaben, trotz schwierig werdender Lichtverhältnisse gönnten die beiden Künstler noch dem sehr dankbaren Publikum.
Die Konzertreihe wird am Freitag, 4. August mit "Jazz im Grünen" fortgesetzt. Gast ist die Jazz-Big-Band Schweinfurt.