Endlich wieder Kultur, endlich wieder Schauspiel, endlich wieder Fränkisches Theater Schloss Maßbach. Dafür nehmen Schauspieler, Theaterleitung und auch Publikum einiges auf sich. Im November 2020, während der Proben, wurden die Theater wegen der Corona-Pandemie geschlossen.

Auf der Bühne gelten bis heute Abstandsregelungen und weitere Auflagen. Weil das Stück "Nach Paris" von Dialogen lebt, die perfekt sitzen müssen, eine Herausforderung. Hinzu kommt: Die Freunde der "Maßbacher" dürfen kalte Füße beim Anstehen für den Corona-Schnelltest nicht stören. 2G plus trennt eben die Spreu vom Weizen, aber die unterfränkische Landesbühne hat ihre treuen Fans, auch wenn man statt kuscheligem "Intimen Theater" in der Lauertalhalle und da auf Abstand und mit Mundschutz sitzen muss. Dafür erwartet den Besucher ein ansprechend gestaltetes Theaterambiente, und er erlebt eine lebendige Komödie in einer fantasievollen Inszenierung.

Die Spannung war groß, bei den Akteuren wie beim Publikum. Theaterleiterin Anne Maar hatte sich keinen Selbstläufer aus der Kategorie "Das kommt immer an" ausgesucht, sondern mit "Nach Paris" eine feinfühlige Komödie von Samuel Benchetrit, einem 1973 in Paris geborenen Multitalent als Regisseur, Drehbuchautor, Schauspieler und Schriftsteller auf den Spielplan gesetzt, die der damals 28-jährige Autor 2001 auf die Bühne brachte. Als der Abend nach 90 Minuten fesselnden Minuten zu Ende ging, gab es langen Beifall, warme Anerkennung für das Gesamterlebnis. Dafür gesorgt hatten die schauspielerische Glanzleistung, das drei-Ebenen-Bühnenbild von Anita Rask-Nielsen, die wandelbaren Kostüme, die Daniela Zepper vom anfänglichen Einheitsgrau zu immer neuen, farbigen Lichtblicken steigerte, die einfallsreiche Dramaturgie samt Schattenspielen von Sebastian Worch und die fesselnde Inszenierung von Susanne Pfeiffer.

Auf einem Bahnsteig warten eine Frau, ein älterer und ein junger Mann auf den Zug nach Paris. Der hat Verspätung. Man hat Zeit zum Reden. Drei zufällig aufeinandertreffende Seelen, die warten müssen. Auf das, was das Schicksal mit ihnen vorhat. Es passiert wenig, die Szenerie bleibt gleich, und doch gibt es Überraschungen zuhauf. Nichts wird so, wie es zu erwarten ist, das Pendel schlägt unerwartet mal auf die heitere, dann wieder auf die melancholische Seite. Nie mit erhobenem Zeigefinger, eher mit Leichtigkeit erzählt. Dafür sorgen Anna Schindlbeck, als kapriziöse Michelle, ihr grantelnder Vater Charles, dem Marc Marchand - wie gewohnt facettenreich - alternde Zynik verpasst. Dazu Alessandro Scheuerer, der als unbeschwert jugendlicher Springinsfeld Vincent die leichte Seite des Lebens spritzig darstellt.

Und da ist dann noch die Lautsprecherstimme von Susanne Pfeiffer. Unsichtbar, aber eindringlich präsent, entwirrt sie den Handlungsstrang und hält doch den letzten Faden zum heiter-traurigen, höchst überraschenden Ende in der Hand, den das sich gefunden habende junge Paar - ideenreicher Regie-Schlussakkord - mit dünnem Seil als Stern und Blume wirkungsvoll an die Wand des Bühnenbildes dekoriert.

Die Komödie wird noch bis zum 9. Januar in der Lauertalhalle gespielt. Karten gibt es unter Tel.: 09735/235.