Im Henneberg-Museum in Münnerstadt laufen die Vorbereitungen seit Wochen auf Hochtouren: Am Sonntag, 5. März, soll die neue Sonderausstellung eröffnet werden. "Der Fokus liegt bei dieser Ausstellung auf der Entwicklung von Waffen und Ausrüstung zur Zeit der Einigungskriege", erläutert Museumsleiter Björn Hein. "Auf die Idee für die Ausstellung sind wir beim ,Jubiläum' des "Deutschen Krieges" von 1866 im vergangenen Jahr gekommen", sagt er. Gemeinsam mit Kreisheimatpfleger Christian Neugebauer, aus dessen Sammlungsfundus die Objekte stammen, überlegten sich beide, den Faden fortzuspinnen und die größere Entwicklung des 19. Jahrhunderts in den Blick zu nehmen. "Man muss die Geschichte immer als einen Entwicklungsstrang begreifen - nur punktuell Entwicklungen zu sehen verdeckt den Blick für das Wesentliche", so die Meinung des Museumsleiters.
"Mit dem Ausstellungstitel ,So schnell schießen die Preußen nicht...' wollten wir auch andeuten, dass sich Sprichwörter aus der Zeit auch im heutigen Sprachgebrauch noch finden, was zeigt, wie ubiquitär das Militärwesen auch in der Bevölkerung war", erläutert Hein. "Mich freut es ganz besonders, dass wir dabei auf die Expertise von Christian Neugebauer zurückgreifen können, der sich seit Jahrzehnten mit dieser Zeit beschäftigt und ein engagierter Sammler von militärhistorischen Objekten ist, die zum größten Teil erstmals bei uns zu sehen sind", freut sich der Museumsleiter.


Ein emsiger Sammler

"Ich beschäftige mich schon seit meiner Schulzeit mit Heimatgeschichte", sagt Christian Neugebauer, der seit 2012 Kreisheimatpfleger für den Altlandkreis Bad Kissingen ist. Außerdem ist er emsiger Sammler, eine Passion, die er bereits im frühen Kindesalter für sich entdeckte. Der 56-jährige aus Großenbrach beschäftigt sich seit langem mit der Militärgeschichte der letzten 250 Jahre. "Vor allem interessiert mich hier die technische Entwicklung", so Neugebauer, der selbst Soldat war und über Auslandseinsatzerfahrung verfügt. "Uns geht es in der Ausstellung nicht einfach darum, irgendetwas zu zeigen, sondern es ist wichtig, dass die Geschichte des Objekts wissenschaftlich erforscht ist und die Angaben dazu ausführlich recherchiert sind", so Neugebauer. Um hierzu Informationen zu erhalten, verfügt er zuhause über eine umfangreiche Bibliothek, aus deren Fundus er schöpfen kann. "Mich hat auch schon einmal ein Doktorand besucht, der über die Waffentechnik der Einigungskriege promovieren wollte. Als er die zahlreichen oft historischen Bücher sah, war er doch recht erstaunt, ob der Vielzahl", sagt Neugebauer mit einem Schmunzeln. Für die Ausstellung hat der Kreisheimatpfleger für jedes einzelne Objekt nachgeforscht, wann es angefertigt wurde und auch - sofern möglich - in welchem Konflikt es zum Einsatz kam. So kann der Besucher interessante Entwicklungen nachverfolgen: wie haben sich beispielsweise die Waffen im Laufe der Zeit entwickelt und welche Sackgassen gab es hier - beispielsweise das Zündnadelgewehr. Oder wie die Kopfbedeckungen sich im Laufe der Zeit veränderten.


Schicksal der Menschen

"Uns ging es bei der Konzeptionierung der Ausstellung allerdings nicht nur darum, den Krieg zu zeigen. Wir wollen auch den Menschen hinter der Waffe ein Gesicht verleihen", ist dem Museumsleiter wichtig. "Beim Aufbau denkt man auch immer wieder daran: welche Person hat diese oder jene Waffe geführt. Wie war sein Schicksal", pflichtet Neugebauer bei. Besonders bei den Gegenständen, die im Konflikt 1866 in Bad Kissingen zum Einsatz kamen, stellen die beiden sich diese Frage häufig. Objekte wie beispielsweise eine Kaffeemühle oder das Essgeschirr eines Soldaten weisen außerdem darauf hin, dass es auch in Kriegen ein Alltagsleben gab und dass das Schicksal des einzelnen nicht einfach untergehen darf. "Überlegt man, dass ein Soldat vielleicht kurz vor seinem Tod noch einmal von diesem Essgeschirr gegessen hat, so bekommt der Krieg eine ganz andere Dimension", sagt Christian Neugebauer nachdenklich. Und auch hierauf soll die Ausstellung aufmerksam machen: dass hinter den Kriegen immer das Schicksal von Menschen steht, sei es das von den Soldaten oderihren Familien daheim.
Die Ausstellung in Münnerstadt zu kuratieren war für Neugebauer selbstverständlich: "Zum einen war ich hier Klosterschüler und habe schon allein deshalb eine ganz besondere Verbindung zur Stadt. Zum anderen haben Björn Hein und ich bereits beim Tag des Offenen Denkmals und anderen Veranstaltungen eng zusammengearbeitet und lagen dabei immer auf einer Wellenlänge". Seit mittlerweile drei Wochen baut man auf, sie wird zudem durch zahlreiche alte Stiche und Informationen über die Einigungskriege bereichert. "Mir ist außerdem wichtig, dass im Henneberg-Museum Ausstellungen gezeigt werden, die so nirgendwo anders zu sehen sind. Auch wenn das sehr viel Mühe macht - es ist die Anstrengung wert", sagt Museumsleiter Björn Hein. Auch bei der Ausstellung sind Objekte zu sehen, die einzigartig sind. Beispielsweise ein 160 Jahre alter Straußenfederbusch, der einst den Helm eines Offiziers der Chevaulegers zierte oder der Rock eines Generalleutnants der Art, wie ihn General Zoller im Krieg von 1866 trug . "Wichtig war uns, dass nur Originale zu sehen sind", so Neugebauer.

Ausstellung
Ausstellungseröffnung ist am 5. März um 15 Uhr im Henneberg-Museum in Münnerstadt. Hierzu sind alle Interessierte herzlich eingeladen. Die Ausstellung kann bis zum 20. April besucht werden.
Öffnungszeiten sind Dienstag - Freitag 10 - 16 Uhr, Samstag 10 - 14 Uhr und Sonntag 13 - 17 Uhr. Auf Anfrage werden auch Sonderführungen angeboten. Infos unter 09733/787482.