"Herz sticht", schallt es durch die Gaststube, und gleichzeitig donnert eine Faust auf den Tisch, dass die Gläser klirren. Danach wird "gestochen", "geschossen" und "geschmiert". Es geht um den "Alten" und um "Säue". Man zählt "Laufende" und summiert "Stiche" . Was klingt, wie der Mitschnitt aus einem Mafia-Triller, war eigentlich ganz harmlos; eine Vierergruppe aus betagten Herren saß im Dorfgasthaus beieinander und klopfte eine Runde Schafkopf. So war es Woche für Woche und Tag für Tag. Leider droht diese fränkische Tradition ganz auszusterben.

Immer weniger Kartfreunde finden sich in den Kneipen und Wirtshäusern ein, um für ein paar Stunden einem flotten Vierer zu frönen. Ob im "Gasthaus Krone" oder im "Gemütlichen Eckerl" in Thundorf - in beiden Kneipen erinnern sich die Wirtsleute an frühere Zeiten, als an jedem Samstagnachmittag einige Tische mit Schafkopfern besetzt waren. Die haben dann bis 18 Uhr gekartelt. Dann wurde noch gemeinsam die Sportschau angeschaut, und dann ging es nach Hause. So wiederholte es sich alle Wochen. Auch am Sonntag zum Frühschoppen war immer noch eine Stunde Zeit, um schnell einen Schafkopf zu klopfen. Heute kommt vielleicht noch sporadisch eine Runde dann und wann zusammen. Aber das selbstverständliche Zusammentreffen im Wirtshaus gehört wohl der Vergangenheit an.