Platz für eine barrierefreie Zahnarztpraxis im Erdgeschoss und sechs Wohnungen im Obergeschoss? Wer den heutigen Nordflügel des ehemaligen Jugendhauses am Dicken Turm, die "Arche", betrachtet, kann sich kaum vorstellen, dass das alles in einen Neubau passen soll, der nach dem Abriss der "Arche" errichtet wird. Des Rätsels Lösung: Der Neubau entlang der Straße wird viel größer. Dafür wird auch die alte Natursteinmauer verlängert, auf der die "Arche" aufsitzt. So schließt sich eine Baulücke, die nach dem Abriss der Klosterbrauerei mit Abfüllanlage und dem Neubau eines Traktes des betreuten Wohnens entstanden ist. Die Stadt Münnerstadt begrüßt das Vorhaben der Carl-von-Heß-Sozialstiftung, die vorgesehene Photovoltaikanlage auf dem Dach des Neubaus hat im Stadtrat eine prinzipielle Diskussion über derartige Energiegewinnung in der Altstadt ausgelöst.

Gebäude wird 34 Meter lang

Den ersatzlosen Abbruch der "Arche" hatte die Stiftung bereits beantragt, jetzt allerdings ist ein zweigeschossiger Ersatzbau mit einer Länge von knapp 34 Metern vorgesehen. Neben der Zahnarztpraxis im Erdgeschoss sollen fünf Wohnungen für eine Person und eine Wohnung für zwei Personen im Obergeschoss entstehen. Auf dem Dach soll eine Photovoltaikanlage entstehen.

Weil sich das Gebäude im Geltungsbereich der Gestaltungssatzung befindet, hat der Sanierungsbeauftragte der Stadt, Alexander Albert, eine Stellungnahme abgegeben. Danach entspricht der Neubau den Vorgaben der Gestaltungssatzung. "Die städtebauliche Einfügung des Baukörpers schließt die Raumkante zum Straßenraum hin ab und nimmt die räumlichen Strukturen der vorhergehenden Bebauung wieder auf", so Architekt Alexander Albert. Bezüglich der Photovoltaikanlage seien die Vorgaben des gerade entstehenden Solarkatasters zu beachten.

Bei der jüngsten Stadtratssitzung stellte Bürgermeister Michael Kastl (CSU) das Projekt kurz vor. Rosina Eckert (Forum Aktiv) fragte nach, ob in der Einverständniserklärung der Stadt aufgenommen werden kann, dass die Natursteinmauer wieder verlängert wird. Das sei möglich, hieß es.

Freifläche wird geschlossen

Zwei wesentliche Elemente sah Leo Pfennig (Freie Wähler). Er begrüßte, dass die beim letzten Umbau entstandene Freifläche wieder geschlossen wird. Das spiele aus städtebaulicher Sicht eine entscheidende Rolle. Zur geplanten PV-Anlage meinte er, dass ihm die Erhaltung der Dachlandschaft in der Altstadt sehr wichtig sei. Auf Flächen, die im Kataster kartiert sind, sollte man Photovoltaik zulassen. Das müsse in enger Abstimmung mit den Denkmalämtern geschehen.

"Ein Punkt, wo Druck im Kessel ist", sagte der Bürgermeister dazu. Denn auch die Sparkasse möchte auf ihrem Gebäude in der Altstadt eine PV-Anlage errichten. Mit Verweis auf einen Beschluss des Ministerrates, dass der Klimaschutz Vorrang hat, meinte der Bürgermeister, dass man Dachflächenphotovoltaik auch im Ensemble zulassen sollte. Aber da seien die Denkmalbehörden gefragt.

Diskussion um Photovoltaik

Bei so einem Gebäude sollte man sich einer Photovoltaikanlage nicht verschließen, sagte Britta Bildhauer (SPD). "Es ist wichtig, dass wir vorankommen." Es habe diesbezüglich schon intensive Gespräche mit dem Landratsamt gegeben, sagte der Bürgermeister zu Photovoltaik in der Altstadt. Klaus Schebler (Neue Wege) mahnte an, dass sich die Stadt in der heutigen Zeit überhaupt nicht mehr Photovoltaik verschließen könne. Aber Michael Kastl stellte klar: Es ist nicht die Stadt, die Untere Denkmalbehörde habe gesagt, was nicht geht.

Der Stadtrat erteilte schließlich dem Vorhaben das gemeindliche Einvernehmen, nur Axel Knauff (SPD) war dagegen. Ihm missfallen die flachen Fenster oberhalb der Natursteinmauer. Diese bezeichnete er als "Schießscharten".