Heute ist es ganz normal: 103 Kinder werden im Münnerstädter Kindergarten betreut, in Brünn sind es 63, in Reichenbach 51 und im Landkindergarten Großwenkheim 24. In den drei Stadtteilen sind Vereine die Träger, in Münnerstadt ist es die katholische Kirchenstiftung. Was heute selbstverständlich ist, war es früher keineswegs. Die Anfänge der so genannten Kinderbewahranstalten gehen in Münnerstadt ins 19. Jahrhundert zurück. Eine tragende Rolle spielte schon damals dabei die katholische Kirche.

Rita und Roman Jonas sind ehrenamtliche Helfer im Münnerstädter Stadtarchiv, wo sie unter anderem alte Zeitungsbände aufarbeiten. Dabei entdecken sie immer wieder interessante Begebenheiten aus ihrer Heimatstadt. So vor 125 Jahren : "Die hiesige Marienanstalt, im Vereine gegründet 1889, eröffnet 1891, blickt auf das verflossene Vereinsjahr mit Dank gegen Gott und alle Wohltäter und Gönner zurück." 1894 betrug das Stiftungsvermögen bereits 42 557 Mark. Laut dem in der Zeitung abgedruckten Protokoll wurden von den Ordensschwestern eine Pensionärin und sechs arme Mädchen verpflegt, wofür die Anstalt allerdings eine Entschädigung in Höhe von 750 Mark erhielt.

Fünf Jahre zuvor, also vor 130 Jahren, war der Verein gegründet worden. Voraus ging dem eine große Anzeige in der Zeitung. "Gleichwie an anderen größeren Orten macht sich auch hier das Bedürfnis immer mehr fühlbar, über die noch nicht schulpflichtigen Kinder eine geregelte Aufsicht zu führen, und deren körperliche und geistige Entwicklung durch passende Spiele und Unterhaltung zu fördern." Es sollte ein gesetzlich anerkannter Verein unter Vorsitz des Pfarrers gegründet werden, um Mittel zu sammeln, um möglichst bald eine Kinderbewahranstalt unter Aufsicht der katholischen Ordensschwestern zu errichten. Männer und Frauen waren dazu "höflichst eingeladen". Unterschrieben hat den Aufruf Stadtpfarrer Pater Vincenz Schneider. Terminiert war die Versammlung auf den 10. Februar 1889.