Es sind wirklich andere Zeiten. Die jüngste Stadtratssitzung zog Bürgermeister Michael Kastl (CSU) ohne Verwaltungsmitarbeiter durch und übernahm auch gleich das Protokoll. Am Ende des öffentlichen Teils verteidigte er sein Vorhaben, den Haushalt für 2021 noch in diesem Jahr beschließen zu lassen. Das will er zwar nicht auf Biegen und Brechen durchsetzen, er sieht aber keinen Grund, warum dies nicht gelingen sollte. Einige Stadträte sind da allerdings skeptisch.

Krankheit, Urlaub, Quarantäne - in letzter Zeit war die Münnerstädter Verwaltung mehrfach stark ausgedünnt. Er wolle vermeiden, dass die Mitarbeiter noch mehr Überstunden in den Stadtratssitzungen anhäufen, sagte der Bürgermeister, zu Beginn der jüngsten Sitzung. Er verwies dabei auf den zeitaufwendigen nichtöffentlichen Teil: In dem bewarben sich mehrere Büros für Übernahme des Integrierten Städtischen Entwicklungskonzeptes (ISEK) und des Gemeindeentwicklungskonzeptes (GEK).

"Das ist ein Versuch, ob wir das auch so hinbekommen, oder zunächst reduzieren", sagte der Bürgermeister. Die Mitarbeiter sollten besser als Sachbearbeiter tätig sein, als in der Stadtratssitzung Überstunden anzuhäufen.

Bedenken gegen Sitzung

Unter dem Tagesordnungspunkt "Mitteilungen und Anfragen" sagte der Bürgermeister, es gebe Bedenken, dass die Sitzung am 21. Dezember wegen des Lockdown und der damit verbundenen Ausgangssperre nicht stattfinden kann. Er teilte dem Gremium mit, dass sich die Stadträte nach einer Sitzung auch nach 21 Uhr draußen bewegen können, wenn sie sich auf den Heimweg machen. "Mir ist es wichtig, dass wir den den Haushalt beschließen können", sagte er. Und: "Niemand weiß, wie es im Januar aussieht."

Johannes Wolf (Grüne) zeigte sich skeptisch. Er würde den Haushalt nicht so schnell, sondern lieber im nächsten Jahr beschließen, sagte er. Es gebe noch viele Fragen und Anträge , die zu klären seien. Das würde sehr viel Zeit bei der Stadtratssitzung brauchen.

Er könne zu allen Anträgen etwas sagen, meinte der Bürgermeister. "Aus meiner Sicht, können wir den Haushalt beschließen." Das werde sich zwar auch nicht gegen eine Verschiebung sperren, aber er sieht keinen Grund, den Beschluss nicht zu fällen. Die Beantwortung der Fragen werde auch gar nicht so lange dauern.

Mehrere Anträge der Fraktion Freie Wähler

Mehrere Anträge hat beispielsweise die Fraktion Freie Wähler gestellt. Fraktionssprecher und 2. Bürgermeister Andreas Trägner ist zuversichtlich, dass diese Sachverhalte geklärt werden. Es sei nichts Weltbewegendes "Diese Nachfragen sind jedenfalls kein Grund, den Haushalt nicht zu beschließen", sagte er. Es sei ja auch bei der Haushaltsklausur alles transparent dargelegt worden.

Den ganzen Tag Gespräche geführt

Am Mittwoch ist bei der Stadtverwaltung ein Antrag der Fraktion Grüne eingegangen, nachdem die Sitzung am kommenden Montag wegen der Corona-Lage nicht stattfinden sollte. Später schloss sich die Fraktion Forum aktiv an. "Ich habe den ganzen Tag Gespräche geführt", sagte das Stadtoberhaupt am späten Nachmittag. Er könne zwar die Einhaltung der Hygieneregeln sicherstellen, aber es gebe zu viele Bedenken quer durch die Fraktionen. Deshalb habe er sich entschlossen, die Sitzung ausfallen zu lassen.

Er könne die Einhaltung der Hygieneregeln zwar sicherstellen, viele Stadträte hätten aber Angst, über die Feiertage in Quarantäne zu müssen, falls wieder ein Stadtrat positiv getestet wird. "Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht", so der Bürgermeister.