Das dürfte selbst manch CSU-Mitglied überraschen: Am Sonntag, 10. Januar, feiert der CSU-Ortsverband sein 75-jähriges Bestehen. Eigentlich. Denn einerseits darf derzeit sowieso nicht gefeiert werden, andererseits liegt der tatsächliche Gründungstag im Dunkeln. Der erste schriftliche Nachweis stammt vom 10. Januar 1946, und deshalb gilt dieses Datum als Gründungstag. Zumindest im Jahr 1996 feierten die Ortsverbandsmitglieder anlässlich dieses Tages ihren 50. Geburtstag. Als Gast kam unter anderem der damalige CSU-Generalsekretär, Dr. Bernd Protzner. Heuer wird es sehr viel ruhiger werden. Aber nicht ganz still. "Wir wollen eine Bank oder ein Spielgerät spenden", sagt der Vorsitzende des CSU-Ortsverbandes, Thorsten Harnus. Und gefeiert werden soll auch noch, wahrscheinlich aber nicht in diesem Jahr.

Gründungstag nicht bekannt

Es wird davon ausgegangen, dass sich der Münnerstädter Ortsverband bereits im November 1945 gegründet hat, aber belegen lässt sich das nicht. Selbst im bestens sortierten Stadtarchiv finden sich wenig Dokumente über die frühen Jahre. Belegt ist allerdings, dass am 10. Januar 1946 um 19.40 Uhr im Rathaus ein Wahlvorschlag des CSU-Ortsverbandes für die anstehende Kommunalwahl abgegeben wurde. August Reuther trat als Bürgermeisterkandidat der CSU an, 14 Münnerstädter wollten für die Christsozialen in den Stadtrat. August Reuther schaffte es tatsächlich auf Anhieb auf den Bürgermeisterstuhl und acht Kandidaten in den Stadtrat.

1946 standen große Aufgaben an. Ein Teil der Stadt lag in Schutt und Asche, es mussten immer mehr Vertriebene untergebracht werden. Es gab auch Versorgungsengpässe. Bereits zwei Jahre später gab es wieder Kommunalwahlen, bei denen Hans Magold als Sieger hervorging. Die CSU stellte nun nicht mehr den Bürgermeister und das sollte auch von 1956 bis 1972 so bleiben, als Alfred Müller das Amt des Stadtoberhaupts inne hatte.

24 Jahre Bürgermeister

Und dann kam Ferdinand Betzer. 24 Jahre lang lenkte der CSU-Bürgermeister die Geschicke der Stadt, bis er 1996 nicht mehr antrat, und Eugen Albert das Bürgermeisteramt für die Freien Wähler eroberte. 2008 holte sich Helmut Blank den Chefsessel für die CSU zurück, und nun ist mit Michael Kastl erneut ein Christsozialer Bürgermeister von Münnerstadt. In all den Jahren stellte die CSU stets die stärkste Fraktion im Stadtrat.

Die Mitgliederzahlen waren starken Schwankungen unterworfen. Waren es in den 1950er Jahren über 100, so sank die Zahl in den 1980er Jahren auf weit unter 80. Zwischenzeitlich waren es wieder über 90, derzeit zählt der Ortsverband 84 Mitglieder. Das stärkste Wahlergebnis bei den Kommunalwahl hatte die Partei im Jahr 1946 mit knapp 80 Prozent.

Bei den letzten Kommunalwahlen im März letzten Jahres hatte die CSU in Münnerstadt zwar bei den Stadträten mit 36 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis seit der Gründung der Partei, dafür schaffte es aber Michael Kastl, sich gleich im ersten Wahlgang gegen drei Mitbewerber als Bürgermeister durchzusetzen.

75 Jahre CSU-Ortsverband Münnerstadt, die Geschichte hat viele Facetten. Mit Eduard Lintner hat der Ortsverband einen ehemaligen Bundestagsabgeordneten und Staatssekretär in seinen Reihen, der zu den dienstältesten Bundespolitikern überhaupt zählte. 33 Jahre lang war er im Bundestag tätig. Rekordhalter im Münnerstädter Stadtrat dürfte Norbert Reiter sein, der im Jahr 2014 nach 36 Jahren im Gremium nicht mehr kandidierte.

Bei einer offiziellen 75-Jahrfeier wären wohl viele alte Geschichten vom Ortsverband erzählt worden, der ja nicht nur aus Politik besteht. Das geht nun eben nicht. "Wir haben andere Sorgen", sagt Vorsitzender Thorsten Harnus. Der Vorstand muss bald eine Mitgliederversammlung organisieren, bei der unter anderem Neuwahlen anstehen. Nicht leicht in Zeiten von Corona. Als kleinen Ausgleich wollen die Mitglieder anlässlich des Jubiläums eine Sitzbank oder ein Spielgerät der Allgemeinheit spenden und einen prominenten Gast dazu einladen.

Und gefeiert werden soll auch noch. "Aber wahrscheinlich erst im nächsten Jahr." Weil die Frauen-Union im letzten Jahr auch ein Jubiläum hatte, dass sie nicht feiern konnte, wird es möglicherweise ein gemeinsames Fest geben.