Puh! War das anstrengend. Für Mäc Härder, der sich zu den edlen fränkischen Kabarett-Schlappmäulern zählen darf und für das Publikum. Das musste in schneller Abfolge ein Feuerwerk verbaler fränkischer Feinheiten und Gemeinheiten verdauen. Das Ganze am Sonntag Spätnachmittag in der Alten Aula im Rahmen der spätsommerlichen Kleinkunsttage.

Mäc Härder stammt aus Wollbach, Rhön-Grabfeld, und lebt seit vielen Jahren im Bamberger Raum. Die Aula-Bühne ist ihm nicht unbekannt, war er in den Neunziger Jahren doch schon mit der fränkischen Kabarett-Legende "Totales Bamberger Cabarett (TBC)" auf den lokalen Brettern gestanden. Inzwischen reiht sich Soloprogramm an Soloprogramm und seine Angst am unweigerlich kommenden Rentnerdasein in einigen Jahren war eine der Schlusspointen bei seiner Münnerstädter Show: "Wir haben nicht gegoogelt, wir haben überlegt!"

Diejenigen im Publikum, denen das Tieffränkische in ihrer Umgebung fehlt, taten sich bei den Wortklaubereien dialektischer Pyramiden in den Spitzfindigkeiten etwas schwer. Mäc Härder ließ die letzten 30 Jahre ohne und mit den neuen Medien Revue passieren. Für Constantin in der ersten Reihe, hatte er meist Mitleid übrig, denn dieser hat die vermeintlich schöne Zeit mit einer gelben Telefonzelle in jedem Dorf nicht mehr erlebt. Sehr anschaulich vermittelte er die Erinnerung an den Ge- und Missbrauch: "Wir hatten zum Telefonieren ein ganzes Gebäude!" Und dass man laut sprechen musste, gehörte auch damals zur Telefoniekultur, damit die Außenstehenden auch alles mitbekamen, ebenso wie ein Gespräch im Zigarettendunst des Vorhersprechenden.

Die Charaktereigenschaften des Wurzelfranken und die regionalen Besonderheiten sind bei Mäc Härder eine unerschöpfliche Fundgrube. Ob Autobiografisches aus "meiner" Rhön oder dem oberfränkischen Bamberg, Mäc Härder findet Hintergründe: "Des kriech´ mer hi!" , soviel Optimismus mache ihn schon stutzig, denn das sei schon zu viel der Euphorie.

Wie die katholische Geistlichkeit mit dem iPhone 10 umgeht oder dem Samsung 11 lebt der Kabarettist an vermeintlich persönlichen Beispielen genüsslich aus. Zwischendurch mal ein Schlenzer wie: "Die katholische Kirche ist die SPD unter den Religionen - vom Weihrauch zum Mißbrauch!".

Einsamkeit braucht Mäc Härder nicht zu fürchten. Einmal ist sein Bewegungsdrang bühnenfüllend, zum anderen findet er durch seine Jonglierkunst immer wieder Sparringspartner, mit denen er ein Gefecht austrägt, redend und gleichzeitig jonglierend. Diesmal waren es die drei Flaschen Trump, Putin und Erdogan die erst einer "autokratischen" Linie in der Luft folgen und dann auch mal gerne aus der Flugbahn tanzen. Dabei schont sich Mäc Härder nicht, ab und zu fliegt so eine Flasche (Kunststoff) schon mal an den Kopf: "Weil Autokraten gern mal draufhauen!".

Das ungeheure Tempo seiner Sprachwitze nahm er im zweiten Teil der Show zwecks des besseren Verständnisses beim Publikum etwas herunter, zumindest versuchte er es.

Die Gäste erfahren von den Töchtern und den leidigen Debatten unter anderem. über den Generationenvertrag: "Du zahlst, damit ich später mal Rente bekomme. Papa, dann stell dich mal nicht auf Luxus ein!" Die Wirklichkeit ist halt immer präsent. "Papa, wenn Du Probleme brauchst, ich bin immer für Dich da!"

Dass Kabarettisten sich dem Corona-Thema annehmen ist auch für den Fast-Berufschullehrer Ehrensache. Dabei verblüfft der Lokalkolorit, dass der Krisenmodus in Münnerstadt alles "blitzeBlank" geschaffen hat, obwohl "der" seit Mai nicht mehr im Amt ist. Die "Blankton" Ära sei zu Ende. (Plankton = griechisch "das Herumirrende")