Alexandra Burek ist hochkonzentriert. Mit dem Funkgerät gibt sie ihrem Mitarbeiter Josef Büttner, der einige hundert Meter entfernt steht, präzise Anweisungen: "Fünf Zentimeter nach rechts, zwei Zentimeter höher". Der geschulte Blick der studierten Vermessungsingenieurin fällt dabei durch das vor ihr aufgestellte Tachymeter. Mithilfe des Laserreflektors, das auf dem Lotstab montiert ist, welchen Josef Büttner in der Hand hält, werden auf diese Art und Weise zentimetergenau Entfernungen gemessen. Und das ist wichtig: schließlich ist man gerade dabei, in Windheim ein Grundstück um 1,5 Meter zu vergrößern.
"Die Nachbarn haben dieses Stück abgekauft und nun sind wir dabei, die Grenzen neu festzulegen", erklärt die Ingenieurin vom Vermessungsamt Bad Kissingen. Sie und der Außendienstmitarbeiter Josef Büttner bilden dabei ein Team, im Moment sind sie gerade dabei, einen Vermessungspunkt zu suchen. Dieser besteht aus einem kleinen Tonröhrchen, welches rund 60 Zentimeter tief sitzt und einige hundert Meter vom auszumessenden Grundstück entfernt ist. "Mit diesen Vermessungspunkten orientieren wir uns, anschließend messen wir dann das eigentliche Grundstück aus" erklärt Burek.


GPS kommt nicht zum Einsatz

Dass die Arbeit im Vermessungsamt trotz aller Technik auch schweißtreibend sein kann zeigt sich, als Josef Büttner mit einer Hacke den Boden aufgräbt, um das Tonröhrchen ausfindig zu machen. Bald ist diese Arbeit erledigt und man kann daran gehen, das eigentliche Grundstück zu vermessen. Mithilfe des Laserreflektors, welches den Lichtimpuls des Tachymeters zurückwirft, kann der aufgestellte Laptop zentimetergenau ermitteln, wo die Grenzen entlanglaufen.
Trotzdem ist man als Laie etwas verwundert: "Warum wird hier eigentlich kein GPS verwendet", stellt sich unwillkürlich die Frage. "Die Häuser in der Nähe schatten die Signale ab, so dass wir hier nur auf rund drei Zentimeter genau messen können", weiß die Vermessungsingenieurin zu berichten. Mithilfe des Tachymeters könne man hingegen zentimetergenau vermessen. Auch im Wald, wo das GPS-Signal von Bäumen abgeschattet wird, greift man auf dieses Verfahren zurück. Die Speicherung der neuen Punkte übernimmt der Computer vollautomatisch, seit rund einem Jahr kommt hier das Vermessungsprogramm ALKIS zum Einsatz. "Nachdem die Daten auf dem Laptop aufgenommen wurden, werden sie vom Innendienst weiterbearbeitet und dann in den Datenbestand Bayerns aufgenommen", berichtet die Vermessungsingenieurin.


Zwei Siebener sind mit dabei

Doch ihr Außendienstmitarbeiter Josef Büttner ist bei seiner Arbeit nicht alleine. Bei ihm stehen Winfried Hein und Jürgen Beck, zwei Feldgeschworene aus Windheim. Das Ehrenamt, das sie innehaben ist eines der ältesten noch erhaltenen Ämter der kommunalen Selbstverwaltung. Seit vielen hundert Jahren gibt es die "Siebener", wie die Feldgeschworenen auch genannt werden. Und eigentlich machen sie das, was ihre Vorgänger schon im 13. Jahrhundert machten: sie gewährleisten die Grenzbeaufsichtigung, sind ortskundig, und kennen sich mit den lokalen Gegebenheiten aus.
Den Namen "Siebener" haben sie daher, weil ursprünglich sieben Personen in einem Ort dieses Amt innehatten - somit war dafür gesorgt, dass bei Meinungsverschiedenheiten und der nachfolgenden Abstimmung ein Patt verhindert wurde.
Auch für sie ist dieser Vormittag schweißtreibend: nicht nur, dass sie gemeinsam mit Josef Büttner die Tonröhrchen suchen - sie werden auch die Grenzsteine setzen, die das um 1,5 Meter erweiterte Grundstück kennzeichnen. Dabei geht die Arbeit von Vermessungsamt und Feldgeschworenen Hand in Hand - Konflikte treten keine auf.
"Für uns ist es sehr wichtig, dass es diesen Ehrenamt noch gibt", erklärt auch Alexandra Burek. Hierdurch werde das Vermessungsamt spürbar entlastet und Arbeiten wie das Neusetzen von beispielsweise herausgeackerten Grenzsteinen können die Feldgeschworenen in Eigenregie übernehmen.


Geheime Zeichen

Auch die Steinsetzung der Grundstücksgrenzen übernehmen sie, wobei auch das "Siebenergeheimnis" eine Rolle spielt. Mit geheimen Zeichen und Markierungen, die nur sie kennen und die nur mündlich weitergegeben werden, wird das Umfeld der Grenzsteine versehen.


So wichtig wie früher

Ein heimliches Umsetzen durch den Grundstückeigentümer würde sofort auffallen. "Natürlich ist dies heute nicht mehr so wichtig wie früher - schließlich sind ja alle Grenzsteine auch elektronisch eingemessen", erläutert der Feldgeschworene Winfried Hein. Dennoch halte man an den alten Traditionen fest und auch die alten Werkzeuge, die benötigt werden, wenn Grenzsteine neu gesetzt werden, sind noch im Einsatz. Sie sind zwar einfach, aber dennoch höchst effektiv.
Nach rund zwei Stunden ist die Arbeit dann vollbracht - die neuen Grundstücksgrenzen sind eingemessen und die Grenzsteine neu gesetzt. Nun heißt es nur noch die neu entstandenen Daten zu sichern und schon geht es auf zum nächsten Grundstück.