Das Urteil des städtischen Sanierungsberaters Alexander Albert zur Optik des Münnerstädter Marktplatzes fällt hart aus. "Er ist kein Marktplatz, sondern ein Parkplatz". Der Architekt hat im Auftrag der Stadt zwei markante Plätze, den Marktplatz und den Anger, genau unter die Lupe genommen. Er sei mit dem Blick des Gastes durch die Stadt gegangen, erklärt er. Was er zusammen getragen hat, soll nicht als Verriss verstanden werden, sondern als Analyse. Es gebe einige Schwächen. Diese jedoch, so ist er der Überzeugung, lassen sich durch temporäre Eingriffe kaschieren, bis im Falle des Marktplatzes irgendwann eine große Sanierung ansteht.

Es seien kleine, einfache Maßnahmen, mit denen die Situation sowohl am Marktplatz, als auch am Anger verbessert werden kann, erklärte der Sanierungsberater in einer Sitzung des Münnerstädter Stadtrates. Er schlug vor, moderne Stadtmöbel aus Holzmodulen anzuschaffen, die bei Bedarf wieder entfernt werden können. Außerdem gehört eine Begrünung zum Konzept.

Mehr Verkehrssicherheit

Ein weiterer Kritikpunkt am Marktplatz war die teilweise fehlende optische Abtrennung zwischen Außengastronomie und den Parkplätzen. Als Beispiel nannte Alexander Albert die Bereiche rund um die Eisdiele und den Bären. "Dort könnte man sein Weißbier auch auf der Motorhaube abstellen", kommentiert der Fachmann.

Der Planer kritisierte ebenso die unterschiedlichen Banktypen, die entlang der Fassade der sogenannten Schweiz, eines seit Jahren leerstehenden, denkmalgeschützten Gebäudes, stehen. "Die drei Bänke haben wir nicht aufgestellt", erklärte dazu Bürgermeister Michael Kastl. Eine davon sei aber im Stadtbesitz. Wie sie dorthin gekommen ist, wusste Michael Kastl nicht. Für Alexander Albert zeigt das Beispiel: "Es gibt ein Bedürfnis nach Sitzgelegenheiten." Dem will er Rechnung tragen.

Am Anger kritisierte der Sanierungsberater ein ungeordnetes Sammelsurium mit Sitzgelegenheiten, Infotafel, Fahrradständer und Kinderspielgerät im Umgriff des Brunnens. Außerdem sei der Zustand der Bänke schlecht und lade nicht mehr zum Hinsetzen ein.

Auf beiden Plätzen missfallen dem Stadtplaner die Abfallkörbe, die es in unterschiedlichen Farben und Formen gebe. Aufgrund ihres Alters würden sie zudem ungepflegt wirken, selbst wenn sie geleert sind.

Konzept für den Marktplatz

• Parklets sollen den Marktplatz aufwerten. Parklets sind Stadtmöbel, die anstelle von Auto-Stellplätzen neue Aufenthaltsflächen für Menschen schaffen. Zwei eigenständige Parklets sollen am Rathaus entstehen. Geopfert werden dafür insgesamt fünf Stellplätze.Die Parklets sollen so gebaut sein, dass sie leicht auf- und auch wieder abzubauen sind.

• Mit modernen Kübelpflanzen an der Eisdiele und am Gasthaus zum Bären will Alexander Albert eine bessere räumliche Trennung von Außengastronomie und öffentlichem Verkehrsraum erreichen.

• An der Schweiz soll um einen der Bäume ein modern gestaltete Sitzrondell entstehen. Außerdem gibt es den Vorschlag, passend dazu neue Bänke aufzustellen.

• Der Bushaltestelle am Marktplatz fehlt die optische Ruhe. Deshalb sollen die roten Metallflächen des Häuschens in einem Grauton gestrichen werden.

Konzept für den Anger

• Die bisherigen Sitzmöglichkeiten sollen weg. Anstelle der bestehenden Rundbank um eine der Kastanien soll ein modernes Baumrondell entstehen. Im Bild zeigte Albert den Stadträten eine Sitzlandschaft, die sich um den Baum herum ausdehnt. Das vorhandene Kinderspielgerät soll bleiben.

Vorschlag für Marktplatz und Anger

• Einheitliche und neue Abfallkörbe.

"Ich bin Fan dieser Lösung", sagte Bürgermeister Michael Kastl zu den Vorschlägen des Sanierungsberaters für Marktplatz und Anger. Die Stadträte äußerten sich ebenfalls durchweg positiv zu den Ideen und nannten sie gelungen. Derart wohlwollend waren die Diskussionsbeiträge, weil im Bereich des Marktplatzes die Möglichkeit besteht, die Möblierung wieder zu entfernen, sollten die Parkplätze doch benötigt werden. Allerdings glaubt Michael Kastl, dass der Bedarf an Auto-Abstellmöglichkeiten geringer geworden ist. "Man findet immer einen Parkplatz". Stadtrat Matthias Kleren, von Beruf Polizist, geht davon aus, dass die Verkehrssicherheit am Marktplatz durch die Parklets steigt.

Von Britta Bildhauer kam die Bitte, dass es wegen der älter werdenden Bevölkerung Sitzmöglichkeiten mit Rückenlehne gibt. Rosina Eckert wünscht sich pflegeleichte Stadtmöbel, eventuell optisch angelehnt an die des Stenayer Platzes. Johannes Wolf und Christine Martin baten, den Anger in Richtung Heimatspielhaus in die Überlegungen mit einzubeziehen. Leo Pfennig wünschte ähnliches für die Apothekengasse.

Über Kosten wurde noch nicht geredet. Nachdem der Stadtrat einhellig für die Möblierung stimmte, werden erst Angebote eingeholt. Die Möblierung der Innenstadt wird über das Programm "Innenstädte beleben" finanziell gefördert.