Die Linde zwischen dem Maßbacher Rathaus und dem Kirchplatz wird nicht gefällt. Vor dem Verwaltungsgericht Würzburg ist eine Klage des Marktes Maßbach gescheitert. Das Landratsamt hatte im Januar eine Sicherstellung des Baumes angeordnet, nachdem bekannt geworden war, dass die Linde einem Parkplatz weichen soll. Der Gemeinderat hatte mehrheitlich beschlossen, dagegen zu klagen.

Seit Monaten schon schwelte dieser Streit um die Maßbacher Linde. Uneins sind sich nicht nur Markt und die Landkreisbehörde, vielmehr gehen die Meinungen darüber auch in der Bevölkerung auseinander. Nun scheint ein Ende dieser Debatte erreicht zu sein, wenn der Markt Maßbach nicht Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Gerichts einlegen sollte.

Bürgermeister Johannes Wegner kann mit dem Urteil und dem Erhalt der Linde gut leben. "Ich finde das richtig so", betonte er auf Anfrage nach der Urteilsverkündung, stellte aber klar, dass dies seine ganz persönliche Meinung ist. Nichtsdestotrotz hat er während der Verhandlung die gegenteilige Position des Marktes Maßbach vertreten. "Komisch sei das schon, bestätigt er. "Aber ich weiß sehr wohl zu unterscheiden, was ich tun muss" . Er habe in seiner Amtszeit immer wieder solche Fälle gehabt. Er habe damit keine Probleme, den Standpunkt der Gemeinde zu vertreten, der nicht seiner ist.

Ganz Persönlich gesehen, bilden die Linde und die Kirche für Johannes Wegner ein ansprechendes Ensemble. Als die Markthalle an dieser Stelle gescheitert war, sei er traurig gewesen.Jetzt solle der Baum auch stehen bleiben. Wegner hofft, dass der Marktgemeinderat das Urteil so akzeptiert. Er weiß nicht, ob es Sinn mache, wegen eines Parkplatzes weiter zu klagen. An Stelle des Baumes wäre nach der Fällung ein Autostellplatz entstanden. Bleibt die Linde nun endgültig stehen, ist damit die Sanierung des Rathausplatzes abgeschlossen.

Alle Voraussetzungen sind erfüllt

Nach kurzer Verhandlung wies die 4. Kammer die Klage der Gemeinde ab. "Die Linde erfüllt die Voraussetzungen für ein Naturdenkmal, das Landratsamt hat die richtigen Rechtsgrundlagen zugrunde gelegt", stellte der Vorsitzende Richter Hubert Strobel fest. Und fügte hinzu: "Wir haben uns gefragt, ob ein einziger Stellplatz es wirklich wert war, dieses Verfahren durchzuführen." Akzeptiert der Markt Maßbach das Urteil, wird aus der vorläufigen Sicherstellung ein dauerhafter Bestandschutz des Baumes. Der Baum erfülle die Voraussetzungen für ein Naturdenkmal, fühlt sich Thomas Schönwald vom Landratsamt durch das Urteil bestätigt. Nachdem der Markt Maßbach den Baum fällen wollte, sei es Pflicht der Behörde gewesen, eine Sicherstellung zu verordnen, zumal Gutachten bestätigt hätten, dass keine Gefahr vom Baum ausgehe, so Schönwald.

Dass der mindestens 110 Jahre alte Baum mit Seilen gesichert sei, deutet nach Aussage Johannes Wegners nicht auf eine mangelnde Standsicherheit hin. Das Gutachten habe ergeben, dass der Baum mehrfach standsicher sei. Die Seilverankerungen habe man vor allem deshalb angebracht, um dem Sicherheitsbedürfnis der Anwohner entgegenzukommen. Die Anwohner haben die Diskussionen seit Monaten verfolgt. Sie wollten sich sich nicht weiter zu dem Thema äußern. Doch ganz glücklich sind sie mit der Linde vor der Haustüre nicht. Jetzt im Herbst verstopft das Laub immer wieder die Dachrinne ihres Hauses.

Der Markt Maßbach hat verloren, muss damit die Kosten des Verfahrens tragen. Für solche Fälle hat die Kommune aber eine Rechtschutzversicherung, die diese Kosten trägt.Im Markt Maßbach gibt es aktuell drei ausgewiesene Naturdenkmäler: Es sind die Tanzbuche im Genossenschaftswald, die Mardereiche im Staatsforst und der Baumgang im Maßbacher Friedhof mit 22 Linden und einer Kastanie.Bald kommt noch die Linde hinzu.