Ein musikalischer Abend unter dem Motto "Mitten ins Herz" war angekündigt. Und die beiden Münnerstädter Künstler Barbara Moritz und Matthias Klink präsentierten denn auch am Samstag in der Alten Aula ein sehr unterhaltsames und abwechslungsreiches Programm rund um Liebe, Lust und Leidenschaft. Die Spanne reichte von Klassik bis zu Schlagern, von Kurt Tucholsky bis zu Wilhelm Busch und Heinz Erhardt.
Mit dem 7. Satz aus dem "Sommernachtstraum" von Felix Mendelssohn-Bartholdy, dem bekannten Hochzeitsmarsch, eröffneten Barbara Moritz (am Flügel) und Matthias Klink (Violine) den Abend. Die Zuhörer waren akustisch mit dabei, als das Brautpaar in die Kirche einzog und erlebten musikalisch die Hochzeit mit.

Alltagsphilosoph Klink

Doch die beiden Künstler hielten sich mit ernster Klassik nicht lange auf. Klink erwies sich einmal mehr als Alltags-Philosoph mit tiefschürfenden Erkenntnissen. Er hatte natürlich die Lacher auf seiner Seite, als er Kurt Tucholsky zitierte mit der Weisheit: "In der Ehe pflegt bekanntlich einer der Dumme zu sein. Nur wenn zwei Dumme heiraten, das kann mitunter gut gehen."
Bei Heinz Erhardt war Matthias Klink gleich zweimal fündig geworden. Der unvergleichliche Komiker hatte sich die tragische Geschichte von Hero und Leander aus der griechischen Mythologie vorgenommen. Leander wollte durch den Hellespont zu Hero schwimmen und schickte ihr vorher einen Brief, sie möge doch eine Kerze in ihr Fenster stellen, damit er sie finde. Doch der Held ertrank, "weil wie das Schicksal halt so spielt, die Post erst Montag sie erhielt". Später durfte Erhardt dann klagen: "Einsam irr ich durch die Gassen ... Warum hast du mich verlassen? Gestern sprang ich in den Bach. Doch der Bach war viel zu flach!" Auch Eugen Roths Gedicht "Die Antwort" passt gut zu einem Abend, der "mitten ins Herz" treffen soll. So heißt es da "Ein Mensch, der einen herzlos kalten Absagebrief von ihr erhalten ... Erwägt, was er zur Antwort gibt. Mit Hilfe von Gedankensäure füllt er sich Bomben, ungeheure. Beginnt ein Schreiben aufzusetzen, das dieses Weib in tausend Fetzen ... zerreißen muss, wenn es sie trifft... Zum Schlusse aber schreibt er ihr: Ich liebe Dich. Sei gut zu mir!"
Die Oldies "Ach Egon, ich hab ja nur aus Liebe zu dir ein Glas zu viel getrunken" und "Bei dir war es immer so schön, und es fällt mir so unsagbar schwer zu gehn" kannten die allermeisten Zuhörer - und sie waren begeistert. Das Gedicht "Liebesjubel" von Hanns Freiherr von Gumppenberg passte auch gut zu diesem Abend: "Ich ritzt' es gern in alle Rüben ein, ich stampft' es gern in jeden Pflasterstein ... Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben! In alle Marzipane möcht' ich's drücken Und spicken gern in alle Hasenrücken und zuckerzäh auf alle Torten treiben: Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben!"

Makabrer Humor

Georg Kreissler, der Wiener Schriftsteller, Dichter und Komponist, hatte bekanntlich einen sehr makaberen Humor ("Die Wanderniere" oder "Gehn wir Tauben vergiften im Park"). Georg Klink hatte von ihm das zum Abend passende Lied "Ich liebe das Mädchen mit den drei blauen Augen" ausgesucht. Dass sie auch als Sänger sehr gut sind, bewiesen Barbara Moritz und Matthias Klink mit dem Lied "Junggesellen musst du Fallen stellen" aus dem Jahr 1961 von Bibi Johns. Klassiker zum Thema "Mitten ins Herz" sind aber auch "Liebeskummer lohnt sich nicht, my Darling, schade um die Tränen in der Nacht" (Siw Malmquist, 1964) oder "Die Gefühle haben Schweigepflicht" (Andrea Berg, 1993). Die beiden Künstler verabschiedeten sich mit "Herzilein, du musst nicht traurig sein", dem bekannten Song der Wildecker Herzbuben.
Das Publikum verdankt Barbara Moritz und Matthias Klink einen sehr vergnüglichen Abend, und der lang anhaltende Beifall war verdient. Nur hätte man sich bei manchen Stücken eine Ansage gewünscht, denn nicht jeder ist Musikexperte. Und viele Zuhörer meinten auch, ein Phon weniger wäre angenehm gewesen.