Seit bald fünf Jahren gibt es in Großwenkheim keine Hausarztpraxis mehr. Wer den Doktor braucht, fährt in der Regel nach Münnerstadt zu einer dort niedergelassenen Praxen. Denn die meisten Bürger und Bürgerinnen des Ortes haben dort ihren neuen Hausarzt oder ihre Hausärztin gefunden. Gerade viele ältere Großwenkheimer vermissen immer noch den Doktor im Dorf. Bei der digitalen Bürgerbeteiligung kam deshalb der Wunsch, die Stadt möge versuchen, wieder eine Praxis im Ort zu installieren. Doch ist dieser Wunsch tatsächlich realistisch?

Drei Arztpraxen in der Stadt

Bürgermeister Michael Kastl glaubt, dass dies eher nicht der Fall ist. Er versteht den Wunsch, kann sich aber nicht vorstellen, dass sich im Dorf wieder ein Arzt niederlassen wird. Für Michael Kastl gibt es eine ganz andere Priorität: "Mir ist wichtig, dass der Arztstandort Münnerstadt dauerhaft erhalten bleibt". Derzeit gibt es in der Stadt drei Arztpraxen mit sechs praktizierenden Ärzten. Diesen Stand zu halten, ist das Ziel des Bürgermeisters.

Kastl weiß, dass es vor fünf Jahren viele Bemühungen gegeben habe, einen Nachfolger für den in Ruhestand gegangenen langjährigen Dorfarzt zu bekommen. Allerdings erfolglos. Der Großwenkheimer Ortsreferent Arno Schlembach bestätigt, dass auch über die landespolitische Schiene versucht worden sei, die damalige Praxis mit einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin weiterführen zu können. Es habe sich leider niemand gefunden.

Arno Schlembach glaubt, dass hauptsächlich die älteren Bürger im Dorf "den schnellen Gang in die Praxis vermissen". Das gelte vor allem für diejenigen, die keinen Führerschein haben. Sie konnten sonst zu Fuß in die Sprechstunde gehen, ohne sich zuvor um eine Fahrtmöglichkeit bemühen zu müssen. "Es war einfach unkomplizierter", meint Arno Schlembach.

Zehn Kilometer müssen die Großwenkheimer fahren, um in Münnerstadt zum Arzt zu kommen. Vom Wohnort des Bürgermeisters - in Seubrigshausen - sind es zwölf Kilometer. Der Bürgermeister und der Ortsreferent haben jedoch das Gefühl, dass sich die meisten Menschen an die Situation gewöhnt haben. Man müsse sich jetzt aber besser organisieren als früher, sagt Schlembach. Aber letztendlich funktioniere es. "Man kommt gut klar". Aber als Großwenkheimer hätte er natürlich auch nichts dagegen, wenn ein/e Doktor/in im Dorf wäre, ergänzt er.

Beim Blick in den Versorgungsatlas der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern wird deutlich, dass die beiden Kommunapolitiker die Situation realistisch einschätzen. In diesem Atlas, der auf der Homepage der KVB einsehbar ist, wird ersichtlich, dass für den Raum Bad Kissingen - zudem gehört Münnerstadt mit seinen Stadtteilen - keine Mangelversorgung an Ärzten herrscht. Das heißt auch, dass es derzeit keine ausgeschriebene Arztstelle gibt , so die KVB-Pressestelle zu den Atlasdaten. Somit ist es schlecht bestellt um den Wunsch, nach einer Praxis für Großwenkheim zu finden.

Sprechstunden angeregt

Während bei der Bürgerbeteiligung von Großwenkheimer Seite aus der Wunsch nach einer eigenen Arztpraxis genannt wurde, kam aus Wermerichshausen die Anregung, eine wöchentliche Sprechstunde eines niedergelassenen Arztes einzurichten. Ob dies eine realisierbare Alternative ist, wagt Bürgermeister Michael Kastl ebenfalls zu bezweifeln. Er kann sich vorstellen, dass es für die niedergelassenen Ärzte mit einem zu hohen Aufwand verbunden wäre, solche Außensprechstunden anzubieten.

Michael Kastl sieht auf dem Land vielmehr Chancen in der Telemedizin. Für ihn ist es denkbar, dass sich die virtuelle Sprechstunde in einem bestimmten Umfang irgendwann umsetzen lässt.