Die Zeit drängt. Eigentlich sollten die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses ein neues Urnenfeld auf dem Münnerstädter Friedhof auf den Weg bringen. Aber so einfach war es dann nicht.

Denn im Vorfeld hatte die Fraktion Forum Aktiv einen Antrag gestellt und einen alternativen Standort zu dem vorgeschlagenen ins Spiel gebracht.

Daraufhin hat Umweltreferent Klaus Schebler (Neue Wege) ebenfalls einen Antrag gestellt. Er bevorzugt die erste Variante und will, dass im noch zu sanierenden Teil des Friedhofs außer Ehepartner von Verstorbenen niemand mehr bestattet werden darf (Wiederbelegungssperre). Leo Pfennig (Freie Wähler) beantragte eine Ortsbesichtigung und wollte wegen der Bedeutung des Themas im Hauptausschuss nur vorberaten und die Entscheidung dem Stadtrat überlassen. Nach längerer Diskussion mit teilweise Rücknahme der Anträge wird dies nun auch so geschehen. Der Stadtrat soll am 22. Februar über die beiden Varianten entscheiden.

Bürgermeister Michael Kastl (CSU) trug zunächst die drei Anträge vor, dann erweiterte Leo Pfennig seinen noch um den Zusatz, dass eine Bürgerbeteiligung analog der zum Jörgentorpark auf den Weg gebracht werden sollte.

Stadtrat soll entscheiden

Er habe selbst darüber nachgedacht, den Stadtrat entscheiden zu lassen, sagte Michael Kastl dazu. Er habe im Grunde auch nichts gegen eine Bürgerbeteiligung, aber da gebe es ja noch die zeitliche Komponente. "Bürgerbeteiligung kostet Zeit", sagte er Die Zeit drängt allerdings, wie er anhand von Zahlen untermauerte. Hatte es in den letzten Jahren im Urnenfeld jeweils zehn bis elf Bestattungen gegeben, so waren es allein im Januar dieses Jahres fünf. In der Urnenwand gibt es jährlich fünf Bestattungen, im Januar waren es drei. Außerdem sind drei Urnen in vorhandene Gräber gekommen. Das bedeute auch viel Arbeit für die Verwaltung, sagte der Bürgermeister. Weil dringender Handlungsbedarf gegeben war, habe man ein zweites Urnenfeld direkt an der Mauer zur Schützenstraße am hinteren Eingangs favorisiert. Die Baukosten belaufen sich auf knapp 5000 Euro, die Arbeiten dauern eine Woche.

Urnenfeld an der Friedhofsmauer?

Bernd Hochrein, zuständig für das Friedhofswesen bei der Stadtverwaltung, machte deutlich, wo das Problem liegt. Es sind kaum noch Urnengräber vorhanden, gleichzeitig soll die Leerstandsquote im noch zu sanierenden Teil des Friedhofs erhöht werden, damit dieser umgestaltet werden kann. Deshalb sei die Wahl für das Urnenfeld auf die Fläche an der Mauer gefallen.

"Wie kommen wir klar?", fragte Michael Kastl. Im Urnenfeld gebe es derzeit einen einzigen freien Platz. Und in der Urnenwand seien es fünf, ergänzte Bernd Hochrein. "Wir müssen unseren Bürgern etwas anbieten", sagte Klaus Schebler. "Eine Bürgerbeteiligung könne man schon machen, aber jetzt geht es darum, dass wir Urnengräber bekommen." Dem wolle er nicht im Wege stehen, zeigt er sich kompromissbereit.

Antrag zurückgenommen

Zunächst stand ja noch der Antrag von Leo Pfennig im Raum, über den entschieden werden musste. Auf die Ortseinsicht und die Bürgerbeteiligung für das zweite Urnenfeld werde er verzichten, wenn im Gegenzug Klaus Schebler seinen Antrag auf Wiederbelegungssperre für den noch zu sanierenden Teil zurückzieht. Daraufhin verzichtete Klaus Schebler darauf, kündigte jedoch an, den Antrag im Frühjahr neu zu stellen. Leo Pfennigs Antrag, den Stadtrat abstimmen zu lassen, wurde einstimmig angenommen.

Rosina Eckert (Forum aktiv) begründete noch einmal ihren Antrag, nachdem das neue Urnenfeld nicht an die Außenmauer, sondern unmittelbar oberhalb des bestehenden Urnenfeldes errichtet werden soll. Das Urnenfeld sei nötig, aber: "Innen statt außen - Verdichten statt ausweiten - gilt auch auf dem Friedhof. Die bisher nicht genutzten Flächen am Rand des Friedhofs können am ehesten zurückgenommen und wie geplant als Parklandschaft ausgewiesen werden. Hier sollten wir deshalb keine neuen Gräberfelder schaffen." Auch was die Gestaltung und die bestehenden Thujahecken angeht, sind sie und Friedhofsreferent Klaus Schebler unterschiedlicher Meinung. Die Belegungssperre hält sie für rechtlich fragwürdig.

Ein Spagat

Als etwas unglücklich bezeichnete Michael Kastl die Situation, sprach von einem regelrechten Spagat. Einerseits werden dringend Urnengräber gebraucht, andererseits soll die Umgestaltung dieses Bereichs erst in ein Paar Jahren stattfinden. Natürlich sei das eine Art Vorentscheidung, sagte Leo Pfennig dazu. Am Ende des Umgestaltungsprozesses solle ein schöner Park stehen. Er sei ja auch dankbar für die Vorschläge, sagte Michael Kastl, aber es habe halt "Feuer unter dem Dach" angesichts der rasant steigenden Urnenbestattungen gegeben.

Bernd Hochrein machte deutlich, dass es ihm mehr oder weniger egal sei, wohin das neue Urnenfeld kommt. Hauptsache es gibt wieder Möglichkeiten zur Urnenbestattung. Rosina Eckert argumentierte weiter für ihre Variante, Klaus Schebler begründete, warum er eine Belegungssperre will. Leo Pfennig bezeichnete diese Forderung als sehr unsensibel.

Oliver Jurk (CSU) würde sich auch eine Bürgerbeteiligung wünschen, aber ihm gefiel die neue Verzögerung um drei Wochen bis zur nächsten Stadtratssitzung nicht. "Ich hoffe, dass das gut geht", sagt er.

Optimismus angesagt

"Das ist ja die Quadratur des Kreises", meinte der Bürgermeister dazu. Einerseits werden dringend Urnengräber gebraucht, andererseits wolle man die Bevölkerung einbinden. Er zeigte sich optimistisch, dass es nicht so schnell wieder zu so vielen Sterbefällen kommt. Nun sollen die beiden möglichen Standorte des Urnenfeldes an der Außenmauer und oberhalb des bestehenden Feldes gleichberechtigt als Vorschläge in den Stadtrat kommen. Das Gremium soll dann die Entscheidung treffen.