Es kam immer wieder. Vor allem, weil der Durchlass der alten Lauerbrücke in der Meiningerstraße viel zu klein war, staute sich dort regelmäßig die Lauer auf, das Wasser lief in die untere Stadt. Hochwasser hat es schon immer gegeben, weshalb die Gebäude in der unteren Stadt keine Keller haben. Im Jahr 1970 hatte es auch wieder ein "normales" Hochwasser gegeben, im Jahr zuvor allerdings war es so schlimm gewesen, dass der Bundesgrenzschutz die Zentbewohner mit Schlauchbooten in die Stadt beziehungsweise nach Hause bringen musste. Im Deutschordensschloss, das immer mit betroffen war, sind die Hochwasserstände markiert und noch heute sichtbar.

Lauerbrücke war Bundesstraße

Schon lange hatte es den Ruf nach einer Hochwasserfreilegung gegeben. Keine einfache Geschichte, denn damals gab es noch keine Entlastungsstraße, die B 19 verlief mitten durch die Stadt und über die Lauerbrücke, an der sich das Wasser immer staute. Verschiedenste Interessen mussten berücksichtigt werden. "Grünes Licht für Hochwasserfreilegung durch den Bund" lautete dann vor 50 Jahren eine Überschrift in der Zeitung. Staatssekretär Holger Börner aus dem Bundesverkehrsministerium war mit einer wichtigen Botschaft nach Münnerstadt gekommen: "Wir werden alles tun, um das Bauvorhaben zu fördern!"

Es fehlten noch Details

Zu dem Gespräch waren auch Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes und des Straßenbauamtes nach Münnerstadt gekommen. Vom Wasserwirtschaftsamt hieß es damals, dass die Pläne erarbeitet seien, es fehlten aber noch die Details. Erst nach Vorlage bei der Obersten Baubehörde könne man an die Finanzierung herangehen.

Grundsätzlich ging es damals darum, so wurde es bei der Versammlung deutlich, das fast alljährlich auftretende Hochwasser und die daraus resultierenden Schäden zu beseitigen. Dazu sei erst einmal der Ausbau des Lauerbettes im Bereich der Stadt erforderlich. "Ein gravierendes Hindernis für den Wasserabfluss sei ferner die Lauerbrücke im Zuge der B 19 mit der zu geringen Spannweite. Die Brücke müsse also neu gebaut werden", stand damals in der Zeitung. Hinzu käme als Schutzmaßnahme die Errichtung eines Schutzdammes zur oberen Stadt hin.

Der Vertreter des Straßenbauamtes stellte fest, dass zur Erneuerung der Lauerbrücke der Ausbau der B 19 mit der Kreisstraße nach Strahlungen und der Staatsstraße in Richtung Königshofen kommen müsse. Die Brücke müsse also so gestaltet werden, das sie auch zum Ausbau der Kreuzung passt.

Im nächsten Jahr werde im Haushaltsplan die Baumaßnahme B 19 und die Hochwasserfreilegung Münnerstadt besonders beachtet, kündigte Staatssekretär Holger Börner an. Die vorbereitenden Arbeiten durch den Freistaat Bayern müssten aber zuerst abgeschlossen sein. Technisch müsse das Projekt so ausgereift sein, dass nach menschlichem Ermessen "die Sache in Ordnung ist". Der Bund werde seine Zusagen im Rahmen seiner Verpflichtung erfüllen und alles tun, um das Bauvorhaben zu fördern. Der Ausbau der B 19 und die Hochwasserfreilegung gehörten zur Dringlichkeitsstufe I, und sein Ministerium habe das größte Interesse daran, die Maßnahme bald hinter sich zu bringen. "Ich hoffe, dass bald der erste Bagger an die Arbeit gehen kann", sagte Holger Börner.

Guter Wille war da

Münnerstadts damaliger Bürgermeister Alfred Müller stellte mit Befriedigung fest, dass der gute Wille des Bundes vorhanden sei, der Stadt zu helfen. Er überreichte als "Erinnerung an Münnerstadt" einen Prospekt und eine geschichtliche Abhandlung. Eine Schrift mit Bildern vom Hochwasser in Münnerstadt überreichte Oberstudienrat Paul Hohmann, der Vertreter der Hochwassergeschädigten. Es sei eine gute Nachricht, dass der Ausbau der B 19 mit Hochwasserfreilegung die Priorität I habe. Aber: "Schnelle Hilfe ist doppelte Hilfe", betonte Paul Hohmann, und Holger Börner versicherte ihm, dass der Staat schnelle Hilfe anstrebe.

Bei der anschließenden Diskussion kam auch die damals angedachte weite Umgehung Münnerstadts zur Sprache, die dem Staatssekretär aber lediglich als "Gedanke" bekannt war und die wohl nicht zum Tragen komme. Die Bundesstraße führe durch die Stadt, und hier müsse der Hebel angesetzt werden, meinte der Besuch aus Bonn.

Es dauerte noch

Die weite Umgehung kam tatsächlich nicht, 20 Jahre später weihte die Stadt eine eigene Entlastungsstraße ein. Auch mit dem Brückenneubau und der Hochwasserfreilegung ging es nicht ganz so schnell. Der erste Spatenstich fand am 25. Juni 1973 statt. Die Brücke wurde völlig neu errichtet, dazu der gesamte Kreuzungsbereich mit der neuen Brücke für die Kreisstraße nach Strahlungen. Münnerstadt erhielt einen Hochwasserdamm und ist nach Fertigstellung der Arbeiten nicht wieder von solchen Fluten heimgesucht worden.