Das 1985 entstandene Requiem des Engländers John Rutter scheint wie geschaffen für eine Aufführung in St. Maria Magdalena. Peter Rottmann, seines Zeichens Regional-Kantor und Kantor der katholischen Stadtpfarrkirche, hat wirklich einen guten Griff getan, als er dieses außergewöhnliche Werk auswählte und damit nach einjähriger Pause die Reihe der schon zur Tradition gewordenen Passionskonzerte fortführte.
Als gelungene Einstimmung auf das folgende Requiem erklang allerdings das ebenso einprägsame wie anrührende "Dona nobis pacem" (Gib uns Frieden) für Chor und Orgel des 1946 als Pfarrerssohn geborenen lettischen Komponisten Peteris Vasks. Er lebt in Riga als freischaffender Künstler und zählt heute zu den bekanntesten Komponisten aus den Staaten der zerfallenen Sowjetunion.
"Der spontane Erfolg des 1985 komponierten Requiems, das Rutter dem Andenken seines Vaters widmete (...), kam geradezu einem Wunder gleich", heißt es im Konzertprogramm. Wer allerdings am Sonntag in Münnerstadt mit dabei war, der wundert sich nicht so sehr über den Erfolg (allein in Amerika 500 Aufführungen in den ersten sechs Monaten nach der Veröffentlichung).
Rutter hat hier ein Werk geschaffen, das nur teilweise mit anderen Requiems vergleichbar ist. Er hat es in sieben Abschnitte eingeteilt und dabei auch selbst ausgewählte Textpassagen aus dem etwa 350 Jahre alten "Book of common Prayer" (eine Gottesdienstordnung und Sammlung von Gebeten der anglikanischen Kirche) eingefügt und andere Teile weggelassen.

Spiritual- und Jazz-Elemente

Zu einem Requiem gehört eine meditative getragene Grundhaltung, die Rutter durchaus nicht verlässt und die auch beim Konzert in Münnerstadt von Peter Rottmann gut herausgearbeitet wurde. Schließlich ist ein Requiem eine Totenmesse und wurde früher nur bei Begräbnissen aufgeführt.
Doch es war auch leicht herauszuhören, dass Rutter an einigen Stellen Spiritual- und Jazz-Elemente mit eingefügt hat. Dafür ist er gelegentlich kritisiert worden - nach Meinung vieler völlig zu Unrecht. Erstens hat er das unaufdringlich genug getan, zweitens passen solche Elemente sehr gut in ein modernes Requiem.
Schon der Abschnitt "Requiem aeternam" (Herr, gib ihnen die ewige Ruhe) stimmte die Zuhörer gut auf Rutters Werk ein. Es folgte "Out oft the Deep" (Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir). Besonders eindrucksvoll zur Geltung kamen das "Pie Jesu" (Gütiger Jesus, Herr, gib ihnen Ruhe, ewige Ruhe) und "Sanctus" (Heilig, heilig, heilig). Es folgten "Agnus dei" (Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt), "The Lord ist my Shepard" (Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen) und schließlich "Lux aeterna" (Ich hörte eine Stimme vom Himmel zu mir sagen: Selig sind die Toten, die im Herrn sterben).
Als nach exakt einer Stunde die letzten Töne der Sänger und Musiker verklungen waren, setzte das Geläut der katholischen Stadtpfarrkirche ein. Erst als die Glocken wieder schwiegen, spendeten die Zuhörer minutenlangen Beifall und bedankten sich damit für ein Passionskonzert, das auf die Wochen vor Ostern einstimmte. Die Mitwirkenden mit Peter Rottmann an der Spitze hatten den langen Beifall wirklich verdient. Einzelne von ihnen herauszugreifen, wäre sicher verfehlt. Nur eines: Schön wäre es, wenn die Tradition der Passionskonzerte weitergeführt würde.