"Hat man so etwas schon gesehen: Hühner, die im Gleichschritt gehen?" Reime und Musik über Hennen und Hähne, Maulesel oder Schildkröten in der Kirche - nicht vorstellbar? Den vielen Zuhörern machte es Riesenspaß.


13 Stücke auf der Orgel

Unter dem Motto "Die heitere Königin" lag auf dem Notenpult der "Königin der Instrumente" Camille Saint-Saëns "Karneval der Tiere". Während Peter Rottmann 13 Stücke auf der Orgel interpretierte, rezitierte Nobert Reiter in Gedichtform zwischen den einzelnen Stücken die Geschichte vom "Karneval der Tiere".

Er beschrieb die Akteure, wie Schildkröten, Kängurus oder die Fossilien, die in der Arena zum Gotteslob auftraten. Der "Karneval der Tiere" (Le carnival des animaux) wurde im Januar 1886 in einem kleinen österreichischen Dorf als musikalische Suite für Kammerorchester vom französischen Komponisten Camille Saint-Saëns komponiert. Sie trägt den Untertitel "Grande fantaisie zoologique" und ist heute sein wohl bekanntestes Werk. Er verarbeitete dabei in nur wenigen Tagen frühe Skizzen zum Karneval, welche aus einer Zeit stammten, als er noch als Klavierlehrer tätig war (1861-65).


9. März 1886 uraufgeführt

Als Anlass, das Werk zu dem Zeitpunkt niederzuschreiben, nahm Camille Saint-Saëns ein Konzert, welches der bekannte Cellist Charles Lebouc alljährlich am Fastnachtsdienstag gab. Am 9. März 1886 wurde der "Karneval der Tiere" uraufgeführt, wobei der Komponist selber und Louis Diémer die Klavierparts übernahmen. Das Werk, welches aus 14 kurzen Sätzen mit programmatischen Titeln besteht, mochte er dann aber doch nicht veröffentlichen, da er die Gefahr sah, dass der Karneval der Tiere in der Öffentlichkeit mehr Beachtung finden könnte als etwa seine Opern oder Sinfonien. Zudem fürchtete er um seinen guten Ruf als ernstzunehmender Künstler.


Wunderbare Dynamik

Norbert Reiter, mit guter Aussprache, Betonung und wunderbarer Dynamik, schaffte es, die Geschichte spannend zu erzählen. Dabei waren seine Texte besinnlich, heiter, lustig und hatten dennoch einen gehörigen Tiefgang, der nicht nur die Lachmuskeln bewegte, sondern auch zum Nachdenken anregte. Wie beliebt Camille Saint-Saëns Musik noch heute ist, zeigt die Fernsehserie "Das Traumschiff" bei der immer von James Last intoniert "Der Schwan" aus dem "Karneval der Tiere" erklingt.


Beeindruckend interpretiert

Beeindruckend auch Rottmanns Interpretierungen des "Türkischen Marsches" von Wolfgang Amadeus Mozart, "The Entertainer" vom König des Ragtimes Scott Joplin oder des Walzers "An der schönen blauen Donau" von Johann Strauß. Dabei benutzte er vor allem das klangschöne Zungenregister und erzeugte Klangwelten, die an die Klänge der mechanischen holländischen Straßenorgeln erinnerten. Besonders erfreulich für beide Akteure - es kamen am Sonntagnachmittag mehr Zuhörer in die Stadtpfarrkirche als erwartet. Der Erlös des Konzertes soll der Reparatur des Chorklavieres im Probensaal des Pfarrhauses zugute kommen.