"Ich hoffe, das Gerät wird nie gebraucht", betonte Bürgermeister Michael Kastl (CSU). Zusammen mit einer größeren Zahl von Kleinwenkheimer Bürgern war er am Samstag zum Dorfgemeinschaftshaus "Alte Schule" in der Ortsmitte des Stadtteils gekommen. Das Interesse der Gäste galt einem rot lackierten Kasten mit großer Aufschrift SOS und "Defibrillator - durch Öffnung wird automatisch der Notruf ausgelöst - bei Herzstillstand entnehmen". Der Kasten enthält besagten Defibrillator, der bei einem plötzlichen Herzstillstand Leben retten kann.

Jürgen Müller, beim Bad Kissinger Zentrum für Telemedizin (ZTM) als Projektmanager und Standortbetreuer zuständig für die Defibrillatoren, gab den Gästen eine ausführliche Einweisung in die Funktionsweise dieser Geräte, die bei einem plötzlichen Herzstillstand durch Stromschläge Leben retten können. Der eigentliche Defibrillator wird aus dem Blechkasten herausgenommen, schon in diesem Augenblick wird vollautomatisch über eine Handyverbindung Kontakt zur Rettungsleitstelle in Schweinfurt hergestellt. Von dort aus bekommt der Helfer dann von einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter sofort genaue weitere Anweisungen, was er zu tun hat.

Nur Untätigkeit ist ein Fehler

Bei einem Herzstillstand kommt es auf jede Sekunde an, deshalb muss der Defibrillator schnellstens dorthin gebracht werden, wo er gebraucht wird. Wichtig ist, dass die in dem Gerät enthaltenen Elektroden auf die Brust des Patienten geklebt werden (für stark behaarte Männerbrüste enthält das Gerät sogar einen Einwegrasierer). Dann wird der große Auslöseknopf gedrückt und schon fließt Strom durch die Brust. Eine kleinere Taste ist für Kinder bis zu acht Jahren gedacht. Durch den Stromschlag soll das Herz wieder zu schlagen beginnen. "Fehler können Helfer nur machen, indem sie nichts tun", so Jürgen Müller mehrfach und nachdrücklich.

Das Gerät kann sogar feststellen, ob Stromschläge überhaupt erforderlich sind und schaltet sich dann nicht ein. Neben den Stromschlägen sind auch Herzdruckmassage und möglichst Mund-zu-Mund-Beatmung notwendig, bis der Rettungswagen mit professionellen Helfern eintrifft.

Stadt zahlt Hälfte und Wartung

Der Defibrillator in Kleinwenkheim ist gut geschützt unter einem Dach an der alten Schule rund um die Uhr zugänglich. Weitere rund um die Uhr und öffentlich zugängliche Defibrillatoren gibt es in den Stadtteilen Seubrigshausen, Großwenkheim und Burghausen, so Bürgermeister Kastl. Die Stadt hat, wie auch in Kleinwenkheim, die eine Hälfte der Anschaffungskosten in Höhe von 5000 Euro übernommen und bezahlt jetzt auch die monatlichen Gebühren und die Wartung durch das ZTM. Die zweite Hälfte der Kosten wird durch Vereine und Bürgerinitiativen aufgebracht.

Geld gesammelt

Wie es in Kleinwenkheim funktionierte, zeigt ein Hinweisschild über dem Defibrillator: "Herzlichen Dank an alle Spender, die zur Anschaffung dieses Defibrillators beigetragen haben!", heißt es da. Die Feuerwehr des Stadtteils mit Stadtrat und Ortsreferent Oliver Jurk (CSU) an der Spitze hat in den letzten Monaten bei Bürgern, Vereinen und Gewerbetreibenden das notwendige Geld gesammelt, damit der Defibrillator angeschafft werden konnte. In der Kernstadt gibt es nicht einen einzigen rund um die Uhr zugänglichen öffentlichen Defibrillator, so Bürgermeister Kastl. Im Internetlexikon Wikipedia heißt es, dass in der Bundesrepublik rund 26.000 dieser Geräte aufgestellt wurden.