Der städtische Wald hat in diesem Sommer extrem stark gelitten. "So etwas habe ich noch nicht erlebt", sagt Förster Jörg Mäckler, der seit mehr als 20 Jahren den Stadtforst verantwortlich bewirtschaftet. Weil es durch den Klimawandel schon schwierig genug ist, junge Bäume groß zu bekommen, will Mäckler keine zusätzlichen Verluste durch Wildverbiss riskieren. Deshalb gebe es im Stadtwald viele Zäune, damit frisch gepflanzte Bäume möglichst ungestört wachsen können.

Spaziergängern fällt auf, dass im Stadtwald immer wieder Zäune Flächen abgrenzen. Mäckler bestätigt: "Die Stadt hat mit die höchste Dichte an Zäunen." Das liegt seiner Auskunft nach daran, dass sich der Wald in Münnerstadt im Umbau befindet. Noch 2017 lag der Nadelholzanteil bei 71 Prozent. In zehn Jahren soll dieser auf nur noch 25 Prozent sinken. Zwei Drittel des Waldes sollen dann ein schützendes und kühlendes Laubdach haben.

Viele Jungpflanzen nicht überlebt

Mit Naturverjüngung alleine, dem natürlichen Heranwachsen eines Laubwaldes, würde dieses Ziel nach Meinung Mäcklers so schnell nicht erreicht. Der Förster hilft nach und lässt gezielt Bäumchen setzen. "Wir bezahlen viel für die Pflanzen, dann sollten sie auch durchkommen", erläuterte er beim Waldgang. Gekauft würden Baumarten, die eine gute Prognose hätten, mit dem Klimawandel klar zu kommen. Doch sie kosten in der Regel auch mehr. Dazu kommen noch die Kosten für den Personaleinsatz beim Pflanzen und in der Pflege. Die Investitionen seien so hoch, dass sich die Stadt nicht leisten könne, dass die Anpflanzungen von Rehen weggefressen werden, erklärte er den Stadträten. "Die frischen Triebe sollen nicht in den Rehmägen landen".

Denn die Zeit drängt, machte Jörg Mäckler deutlich. Damit der Wald erhalten wird, müsste der Umbau zügig vorangehen. Um so dramatischer ist, dass wegen der Trockenheit in diesem Jahr viele der gesetzten Jungpflanzen nicht überlebt haben. Im Anwachsstadium kämen auch sie ohne Wasser nicht zurecht. Es werfe die Forstarbeit stark zurück, stellte Jörg Mäckler fest.

"Bejagung alleine reicht nicht"

Ob sich das Verbiss-Problem durch höhere Abschusszahlen lösen ließe, fragte Stadtrat Leo Pfennig. Jörg Mäckler verneinte dies. Die Abschussvorgaben seien schon erhöht worden, doch letztendlich geht der Förster davon aus, dass nur ein Zaun wirklich schützt. Wenn die gepflanzten Bäumchen einen guten Meter Höhe erreicht haben, könne das Rehwild keinen Schaden mehr anrichten.

Problemfall Buchen

Zu den Trockenschäden meinte Jörg Mäckler, dass sich das wirkliche Ausmaß im Frühjahr 2023 zeigen werde. Dann werde man sehen, welche Pflanzen noch austreiben werden.

Ob die Schäden speziell im Münnerstädter Stadtwald so hoch seien, fragte Arno Schlembach nach. Er hatte den Eindruck, dass die Situation im Staatswald Maria Bildhausen nicht so extrem ist. "Die Schäden im Staatswald sind gigantisch", stellte dazu Jörg Mäckler fest. Kein Wald sei mehr davon ausgenommen. Problem seien aktuell die Buchen. Diese hätten sich als weniger Hitze resistent gezeigt als gedacht.

Um einen Wald wachsen zu lassen, der dem Klimawandel trotzt, werde sich auch die Forstarbeit ändern, meinte Jörg Mäckler. In den letzten Jahren sei der Holzeinschlag wegen des Käferbefalls im Nadelholz deutlich höher gewesen als geplant. Der Holzeinschlag werde zurückgehen, kündigte er an. Und er betonte, dass Holz in erster Linie als Bauholz vermarktet würde. Brennholz sei nur ein Koppelprodukt. Ein Einschlag, um den Menschen mehr Brennholz zur Verfügung zu stellen, sei nicht das Ziel.