MünnerstadtDie provisorische Verkehrslenkung an der Pyramide mag vielen Autofahrern verwirrend vorkommen. Doch sie erfüllt nach Angaben von Florian Heuring (Verkehrssachbearbeiter der Polizeiinspektion Bad Kissingen) ihren Zweck. Unfallfrei ist die Kreuzung noch nicht geworden, doch die Schwere habe abgenommen, ist ein erstes Resümee, das Florian Heuring zieht.

Die Kreuzung an der B287/Staatsstraße 2245 hinter Münnerstadt in Richtung Schweinfurt ist eine sogenannte Unfallhäufungsstelle. Baulastträger, das staatliche Bauamt Schweinfurt, sowie die Polizei haben ein besonderes Auge auf diese Kreuzung. Für solche Gefahrenstellen gibt es eine Verkehrskommission, die nach Lösungen sucht, die Verkehrssicherheit an neuralgischen Punkten durch gezielte Maßnahmen zu verbessern.

Nach einem tödlichen Verkehrsunfall im vergangenen Jahr war man sich schließlich einig, dass an der Pyramide eine Geschwindigkeitsbegrenzung alleine nicht mehr ausreichend ist. Es gab nach Angaben der Behörden eine massive Häufung von Linksabbiegerunfällen, deren Ursachen in einer Fehleinschätzung der Verkehrsverhältnisse lag. Ein Schritt war, die lange Rechtsabbiegerspur von Münnerstadt kommend zu sperren. Rechts- und Linksabbieger haben jeweils eine kurze, eng beieinander liegende Abbiegemöglichkeit in die B 287 Richtung Nüdlingen. Wichtigste Neuerung deshalb: Die Vorfahrtsregelung wurde geändert. Die Linksabbieger aus Richtung Schweinfurt sind seitdem nicht mehr vorfahrtsberechtigt. Jetzt gilt an der Kreuzung die klassische Regelung: Rechtsabbieger vor Linksabbieger. Das aber haben viele Autofahrer noch nicht verinnerlicht.

Es gibt zwar ein Schild, das auf die geänderte Vorfahrtssituation hinweist, doch immer wieder kommt es vor, dass der Verkehr auf den Spuren für Links- und Rechtsabbieger völlig stoppt, weil Fahrzeuglenker scheinbar unsicher sind, wer eigentlich Vorfahrt hat, erzählen eine Autofahrerin und ein Autofahrer unabhängig voneinander. Die Polizei geht davon aus, dass manche Verkehrsteilnehmer noch die alten Regelungen im Kopf haben und sich erst auf die neue Situation einstellen müssen.

Die neue Verkehrsführung wird dem Autofahrer durch eine optische Lenkung deutlich gemacht. Leitschwellen grenzen den gesamten Kreuzungsbereich ein und heben den Fahrbahnverlauf nochmals optisch hervor. Auf den ersten Blick wirkt aber gerade diese Optik auf viele eher verwirrend, meinen Autofahrer, wenn sie auf die Situation angesprochen werden. Auch bei der Polizei kommen wegen der Leitschwellen immer wieder Nachfragen, wann diese wieder weggenommen werden, erklärt Florian Heuring.

Langer Beobachtungszeitraum

Es klingt paradox: Doch verwirrend bedeutet in diesem Fall sicherer, meint der Verkehrsfachmann der Polizei. Denn die Erfahrung zeige: "Die Verkehrsteilnehmer sind aufmerksamer". Eine ähnliche Erfahrung hat man schon vor Jahren an der Kreuzung bei Eltingshausen gemacht, berichtet er weiter.

Dort wurde den von Rottershausen beziehungsweise von Eltingshausen kommenden Autofahrern, die auf die Staatsstraße abbiegen wollen, durch einen Zaun die freie Sicht genommen. Der Sichtschutz sei ein Erfolg. Dadurch sind die Autofahrer zu mehr Aufmerksamkeit gezwungen und müssen stoppen, ehe sie in die Kreuzung einfahren. Die Kreuzung sei jetzt sicherer.

Das Provisorium an der Pyramidenkreuzung wird den Autofahrern auf jeden Fall noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Die Verkehrskommission will die Situation an der Kreuzung weiterhin beobachten. Die positiven Erfahrungen mit der provisorischen Lösung nach dem ersten halben Jahr geben noch keine verlässliche Aussage, erläutert Heuring. Ende 2022 sei es möglich, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen. Sind solche konkreten Maßnahmen bei Unfallhäufungsstellen wie der Pyramide vorgenommen worden, wird sich das Monitoring in der Regel über rund drei Jahre erstrecken, informiert Florian Heuring. Erst dann gebe es eine echte Aussagekraft.

Erkenntnisse aus der Unfallforschung

Die Leitschwellen an der Pyramide sind zwar offiziell ein Provisorium, aber trotzdem werden sie erst einmal ein Dauerzustand sein. Das bestätigt auch der Straßen-Sachgebietsleiter für den Raum Bad Kissingen am staatlichen Bauamt Schweinfurt, Konstantin Arnold. Diesen Knotenpunkt einmal umzubauen, stehe zwar auf der Agenda, meint der Fachmann, allerdings gehe das nicht auf die Schnelle. Er erinnert an die nötige Planungsphase. "Das Provisorium wird uns noch ein paar Jahre erhalten bleiben", stellt er fest. Die verwendeten Instrumente zur Verkehrsführung orientieren sich nach Angaben des Fachmanns an den Erkenntnissen aus der Unfallforschung. Auch Sicht von Konstantin Arnold haben sich die Veränderungen bewährt. "Ich habe den Eindruck, dass die Kreuzung sicherer geworden ist".