Am 5. Mai war der "europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung" unter dem Motto "deine Stimme für Inklusion - mach mit ". Er sollte ein Aufruf an alle Menschen sein, Missstände aufzudecken, Barrieren sichtbar zu machen und Behinderte dabei zu unterstützen, sich für ihre Rechte einzusetzen. Deshalb veranstaltete die Offene Behindertenarbeit des Dominikus-Ringeisen-Werks eine Postkartenaktion.

Behinderte waren aufgefordert, ihre Sorgen und Probleme zu Papier zu bringen. Ob sie nun am Stock gehen, auf einen Rollator oder einen Rollstuhl angewiesen sind, holpriges und im Laufe von Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten glatt geschliffenes und buckliges Pflaster hindert Behinderte und Gebrechliche am Fortkommen und lässt es für sie manchmal sogar gefährlich werden. Besonders heikel wird es, wenn die Straßen und Gassen nass sind.

Probleme haben auch blinde und stark sehbehinderte Menschen sowie Mütter und Väter mit Kinderwägen. Insbesondere östlich der Veit-Stoß-Straße gibt es mehrere besonders heikle Stellen wie zum Beispiel zwischen dem Schloss und dem Heimatspielhaus.

An vielen Stellen in der Stadt, zum Beispiel in der Veit-Stoß-Straße, sind die Bordsteine für Gehbehinderte, Rollator- und Rollstuhlfahrer zu hoch. An manchen Stellen sind auch die Gehwege sehr schmal.

Immerhin hat sich an einigen Stellen einiges zum Positiven geändert. Der Bereich um den Stenayer Platz und die Klosterkirche ist für Behinderte viel besser als früher begeh- und befahrbar.

Auf Probleme aufmerksam machen

Die Offene Behindertenarbeit des Dominikus-Ringeisen-Werks startete, um auf diese Probleme aufmerksam zu machen, anlässlich des europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung eine Postkartenaktion.

Die Behinderten sollten ihre Forderungen und Probleme aufschreiben und bis zum 3. Mai der offenen Behindertenarbeit gegenüber dem Rathaus zurückschicken.

Am 5. Mai übergab dann Alexander Schmidt, der Leiter der offenen Behindertenarbeit, die eingegangenen Karten an Bürgermeister Michael Kastl (CSU). Zwar gingen nur sieben Karten ein, aber sie zeigen die Probleme auf, die die Behinderten haben.

Rampen aus Legosteinen gewünscht

"Legorampen für Behinderte" wünscht sich einer. Das sind Rampen aus Legosteinen für Rollstuhlfahrer, Bauanleitungen und zahlreiche Beispiele aus anderen Städten finden sich im Internet.

Besonders viel ist einem weiteren Karten-Schreiber eingefallen: der Bahnhof sollte barrierefreier gestaltet werden, in der Altstadt ist eine bessere Beleuchtung nötig, in der Innenstadt sollten die Pflastersteine weg, barrierefreie Streifen sollten angelegt werden, die Ampelanlage sollte für Behinderte geeignet hergerichtet werden, die Bordsteinkanten müssten abgeflacht werden, der Bau von Rampen zu Geschäften und Gaststätten sollte bezuschusst werden.

"Ich wünsche mir, dass die Behinderten nicht ausgelacht werden" steht auf einer Karte und auf einer anderen "Lieber Herr Bürgermeister, denken Sie an uns, wenn Sie Beschlüsse im Stadtrat fassen".

Mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Schließlich heißt es "ich wünsche mir, dass Menschen mit Behinderung mehr Chancen auf dem freien Arbeitsmarkt haben".

Sanierung der Innenstadt

Bei der Übergabe der Karten auf der Treppe vor dem Rathaus betonte Bürgermeister Kastl, dass er diese aufgezeigten Probleme auch erkennt und dass sie berücksichtigt werden sollen, wenn Teile der Innenstadt saniert werden.

Er könnte sich auch vorstellen, dass Alexander Schmidt, der Leiter der offenen Behindertenarbeit, in der Lenkungsgruppe für die Stadtsanierung mitarbeitet.

Kommentar von Dieter Britz

Es spielt keine Rolle, ob nun sieben oder 700 Karten bei der Postkartenaktion der Offenen Behindertenarbeit des Dominikus-Ringeisen-Werks zurückgeschickt wurden, die Probleme bleiben die gleichen. Zu hohe Bordsteine, an manchen Stellen zu enge Gehwege, holprige und rutschige Pflastersteine machen allen Rollstuhl- und Rollatorfahrern und allen, die am Stock gehen müssen, das Leben schwer.

Derlei Probleme gibt es natürlich nicht nur in der Altstadt von Münnerstadt. Aber hier bündeln sie sich - das ist die Kehrseite einer Altstadt mit viel, viel zum Teil uraltem Pflaster.

Wie dieses Problem gelöst werden kann? Besagtes Pflaster gehört nun einmal zum Charakter einer Altstadt. Aber es sollte trotzdem möglich sein, sichere Geh- und Fahrstreifen anzulegen. Und in der Veit-Stoß-Straße sind die Gehwege auf lange Strecken viel zu hoch über den Fahrbahnen. Diese Probleme betreffen gerade in Münnerstadt sehr viele Menschen. Viele von ihnen leben in den beiden Senioreneinrichtungen und noch mehr in der Stadt selbst.

Diejenigen, die es jetzt nicht betrifft, die gesunde Beine haben und fit sind, sollten daran denken, dass sie auch alt und gebrechlich werden oder sogar von einer Sekunde auf die andere auf einen Rollstuhl angewiesen sein können. Dann sind sie alle froh, wenn ihr Münnerstadt behindertengerecht ist. Angesichts der Pläne, die Bürgermeister Kastl bei der Übergabe der Karten kurz anriss, besteht die Chance dazu.