Münnerstadt
Betreuung

Alle Kindergärten am Limit

Die Kindergärten im Stadtgebiet sind voll belegt. In den Einrichtungen gibt es sogar Wartelisten. Deshalb lässt die Stadt jetzt den Bedarf an Betreuungsplätzen in den nächsten Jahren überprüfen.
Ein Platz im Kindergarten ist auch in der ' Stadt Münnerstadt nicht mehr selbstverständlich.
Ein Platz im Kindergarten ist auch in der ' Stadt Münnerstadt nicht mehr selbstverständlich. Foto: Archiv/Daniela Nöth

Die Nachfrage nach Kindergartenplätzen steigt auch in Münnerstadt. "Wir haben lange Wartelisten", sagt Marc Döhler, der Vorsitzende des Kindergartenvereins St. Josef in Reichenbach. An der Auslastungsgrenze sind auch die Kitas in Münnerstadt, Großwenkheim und Brünn.

Wenn sich nichts ändert, werde man im Kindergartenjahr 2023/2024 einigen Eltern eine Absage erteilen müssen, erklärt Isabell Röß, die Vorsitzende des Kindergartenträgervereins Großwenkheim. Der eingruppige Kindergarten soll zwar bald umgebaut werden, eine Vergrößerung ist in der aktuellen Planung nicht vorgesehen. Derzeit sieht sich der Kindergarten nicht in der Lage, Anfragen aus umliegenden Stadtteilen, beispielsweise aus Seubrigshausen, zu erfüllen. Auch in Brünn ist es so. "Wir sind voll besetzt", sagt die Trägervereinsvorsitzende Kathleen Halbig. In Brünn reicht der Platz knapp für die Kinder aus den Gründungsgemeinden der Kita - das sind Brünn, Althausen, Fridritt, Kleinwenkheim und Wermerichshausen. Gibt es Anfragen aus anderen Stadtteilen, gehe dies nur über eine Warteliste, erläutert Kathleen Halbig.

Schon seit ungefähr 2015 hat sich die Nachfrage nach Kindergartenplätzen in Brünn deutlich erhöht. Seit fünf Jahren habe der Kindergarten eine sogenannte "erhöhte Betriebserlaubnis", was heißt, dass in den Gruppen mehr Kinder betreut werden, als gesetzlich vorgesehen.

In der Münnerstädter Kernstadt verschärft sich die Situation aktuell zusätzlich durch den Zuzug vieler ukrainischer Mütter mit kleinen Kindern. Eine vorrangige Aufnahme gibt es für sie nicht. Der Münnerstädter Träger, die katholische Kirchenstiftung, sieht bei der Kinderbetreuung die Stadt in der Verpflichtung, weil diese eine kommunale Pflichtaufgabe ist. Auch der Trägerverein aus Brünn verweist in Notfällen auf die Stadt. Bislang gibt es in Münnerstadt keine kommunalen Kitas.

Verwaltung ermittelt Bedarf

Wegen der Engpässe in der Kleinkinderbetreuung hatte Bürgermeister Michael Kastl im Juli bereits ein Gespräch mit den Vertretern der Kindergärten. In den nächsten Wochen soll in der Stadtverwaltung eine Übersicht über die Anzahl der Kindergartenplätze und über den prognostizierten Bedarf der kommenden Jahre erstellt werden.

Nach eigener Aussage will Michael Kastl wissen, wie hoch der Bedarf genau ist und ob dieser dauerhaft vorhanden ist. Jetzt sei es wichtig, die Situation darzustellen. Und mit diesem Wissen könne man sich dann die Frage stellen: "Wie geht man damit um?"

Kurzfristig einen Kindergartenplatz in Münnerstadt zu bekommen, funktioniert nicht mehr, das weiß Michael Kastl. Ihm ist aber wichtig zu wissen, wie der Ausblick für die nächsten Jahre ist. Diese Zahlen sind noch nicht bekannt. Bis 12. September sollen sie vorliegen. An diesem Tag soll sich der Stadtrat mit dem Thema befassen.

Eine Frage wird zum Beispiel sein, wer eine Erweiterung oder einen Neubau überhaupt leisten kann. Die Baufrage sieht Kastl aber nicht einmal als das größte Problem. Es sei die Personalknappheit, die er aktuell als die schwierigere Hürde sieht. Verschärft wird der Fachkräftemangel noch durch den Anspruch auf einen Betreuungsplatz für Schulkinder ab 2026. "Momentan bauen alle Horte." Der zusätzliche Bedarf an Fachkräften sei schon hier gewaltig.

Die Personalknappheit bestätigt Marc Döhler. Früher habe es auf jede freie Stelle zahlreiche Bewerbungen gegeben. Heute müsse man froh sein, wenn sich überhaupt zwei oder drei Leute bewerben. Aber auch eine Erweiterung des Reichenbacher Kindergartens unter der Regie des Trägervereins sieht er skeptisch. "Wir machen alles im Ehrenamt. Ich weiß nicht, ob wir nochmals eine Baumaßnahme stemmen könnten." Sein Eindruck aus der gemeinsamen Besprechung von Kindergärten- und Stadtvertretern war eindeutig. Der Bedarf nach Plätzen sei überall da, aber die Umsetzung schwierig. Das Gespräch sei sehr wichtig gewesen, um die Problematik darzustellen.

Auch P. Markus Reis kann sich nicht vorstellen, dass die Kirchenstiftung ihren viergruppigen Kindergarten in Münnerstadt erweitert oder neu baut. Die laufende Sanierung der Stadtpfarrkirche ließe es zeitlich nicht zu, noch eine weitere Baustelle zu eröffnen. Dass besorgte Eltern ihm aktuell die Türe einrennen, um einen Kindergartenplatz zu ergattern, sei momentan jedoch nicht der Fall. Das habe er vor einigen Jahren sehr massiv erlebt, erklärt P. Markus.

Eine Erweiterung des Brünner Kindergartens ist nach Auskunft von Kath-leen Halbig ebenfalls nicht angedacht. Erst 2013 wurde die Einrichtung umgebaut. Alleine die Größe des Grundstücks ließe eine solche Planung nicht mehr zu.

Noch relativ ruhig

Die jungen Eltern wissen um die schwierige Situation. So habe es bereits Anfragen von schwangeren Frauen gegeben, die ihr ungeborenes Kind anmelden wollten, berichtet Kathleen Halbig. Insgesamt seien die Eltern aber noch geduldig, ist ihr Eindruck. Kathleen Halbig wundert sich sogar, dass bislang niemand einen Betreuungsplatz gerichtlich eingeklagt hat.