Valerio Porleri lässt nicht locker: "Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht", ruft er und 16 Mädchen setzen sich in Bewegung. Jede Zahl ein Schritt. In eine Richtung, dann entgegengesetzt, aus einer Reihe werden zwei, daraus ein Kreuz, dann vier Mal vier Reihen. "Rhythmisch! Im Takt bleiben", ruft der italienische Choreograph. Körperspannung ist erforderlich, Ausdruck gefragt, sich selbst erleben, eine Botschaft transportieren: Nur mit bewusstem Gehen.

Im Kurtheater haben Proben für das Education Projekt "Sense" begonnen. Im Vorgespräch erzählt Valerio Porleri, der auch als Tänzer und Choreograph der Bayerischen Staatsoper engagiert ist: "Sense" heißt für mich: Sinn, Gefühl, Wahrnehmung, Verstand, Bedeutung.

Innenwelt soll zur Äußerungsform werden

Die Innenwelt soll zur Äußerungsform werden - das ist die Idee des Projektteams, zu dem auch die Pädagoginnen der Anton-Kliegl-Mittelschule, Ulrike Weilbach und Dagmar Fischer vom Jack-Steinberger-Gymnasium gehören. Sie bereiten die siebten bis neunten Klassen im Unterricht auf das Projekt vor und betreuen es.

Auch dabei, als Klammer zum Kissinger Sommer, ist die Assistentin des Intendanten Alexander Steinbeis, Erna Buscham als viel gefragte Mutmacherin und Kümmerin. Außerdem: Enke Eisenberg, viel beschäftigte junge Musiktheaterregisseurin, die unter anderem die Schlossfestspiele Marburg leitet. Sie ist als vielseitige Librettistin unterwegs und leitet neue Formate wie die Kompositions- und Opernwerkstatt, oder das Musik-Figuren-Theater.

Ihr Körper drückt aus, was sie empfinden

Sie umreißt die Zielsetzung: Wir geben den Jugendlichen viel Raum, sie selbst sollen die Themen vorgeben, ihr Körper drückt aus, was sie empfinden. "Wir proben seit Montag, sind noch in der Findungsphase und wissen nicht, was am Ende herauskommt", sagt sie.

Sie ergänzt: "Die Musik haben wir nach dem Motto des Festivals ausgesucht. Die Klangwelten und Intensionen von Stücken verschiedener tschechischer Komponisten versuchen wir mit dem Körpertheaterstück, das entstehen soll, auszudrücken. Der Körper spricht und gibt Auskunft über die Spielfiguren, den Inhalt des Spiels und die Spielerinnen und Spieler selbst."

Aufführung am 25. Juni

Was auf dem Papier und erstem Blick durchaus abstrakt und leicht verkopft erscheinen mag, wird sichtbar, als die Schülerinnen - bei dieser Probe waren nur Mädchen gefragt - auf der Bühne des Kurtheaters hochkonzentriert Aufstellung nehmen, die Regisseurin die Musik einspielt und dem Beleuchter zuruft: "Jetzt das blaue Licht".

Da werden die Köpfe hochgenommen, straffen sich die Körper, die Wangen sind schon leicht gerötet und ganz bewusst wird geschritten. Schon diese Momentaufnahme verspricht Spannung. Schüler, Eltern und hoffentlich viel Publikum können sich auf die Aufführung am Samstag, 25. Juni um 13 Uhr im Kurtheater freuen.