Man kann sich dran gewöhnen. Man kann sich wirklich sehr gut dran gewöhnen, an diesen Lärm. Und plötzlich ist man froh, dass Martin Grubinger und sein Percussive Planet Ensemble nicht im Luitpoldpark spielen, sondern im Großen Saal. Denn im Freien würde würde viel zu viel verloren gehen von diesem köstlichen Krach, in alle Himmelsrichtungen.
Im Saal fokussiert die Architektur den Klang.

Es ist im Grunde - aber natürlich auch wieder nicht - vollkommen egal, was Martin Grubinger und seine 16 Kollegen und eine Kollegin spielen. Obwohl man sich natürlich freut auf Stücke wie Joe Zawinuls raffinertes "Birdland" mit seinem Klangzauber, auf Martin Grubingers sen. absolut zupackendes "L. A. Fusion", auf Alfred Pee Wee Ellis' köstliches "Chicken", Michael Camillos Chacha "Once More One" oder das Arrangements von "Send Your Love" von Grubingers Lieblingssänger Sting, dieses Mal allerdings ohne den Bariton Thomas Hampson.

Es ist ziemlich egal, weil es bei dieser Art von Musik ja nicht zu allererst um die Wiederekennung von Melodien geht, die es natürlich auch gibt, nicht zuletzt schon wegen der klangmächtigen, zupackenden Bläsergruppe und ihrer Solisten. Und wenn man sich darauf einlässt, kann auch Percussion höchst melodisch werden.
Was tatsächlich im Vordergrund steht, ist die ständige Überforderung des Zuhörers, denn er hat in diesem Konzert verdammt viel zu tun. Er ist permanent im Hintertreffen, weil er ständig neue Klänge hört, die er erst einmal registrieren muss, um dann zu überlegen, wie sie überhaupt gemacht werden. Gerade im Zusammenwirken von Marimbaphon und Bläsern gibt es unglaubliche Schwingungen. Und dann kann er sie erst lokalisieren.
Er muss staunen über die Präzision, mit der alle in diesem vermeintlichen Chaos zu Werke gehen, mit welcher Pünktlichkeit die Blechbläser ihre gnadenlosen Akkordsalven auf die Perkussionisten abfeuern, wie gut die virtuosen Soli eingebettet werden.

Er muss zugeben, dass es Tausende von Schlagvariationen und Kombinationen gibt, die er noch nie gehört hat. Und er muss lernen, dass "Junk Percussion" der politisch korrekte Name für die altbekannten Topfdeckel, Pfannen, Waschbretter und andere Küchengeräte ist.

Er muss sich wundern, mit welcher körperlicher Fitness sich nicht nur Martin Grubinger, sondern alle zwischen den Anhäufungen von Instrumenten bewegen, wie blitzschnell sie sich umstellen und nie den Kontakt untereinander verlieren. Der einzige, der nie den Platz wechseln musste, war Per Rundberg. Und er konnte sogar für kurze Augenblicke beweisen, dass sein Flügel nicht nur als Ablage für Schlaginstrumente auf der Bühne stand.

Nein, es war eine unglaubliche Erfahrung von Kreativität und Dichte, in der die mitreißende Musik begeisterte, aber genauso die technische Umsetzung. Und natürlich konnte man auch mindestens einen Ohrwurm mit nach Hause nehmen: Joe Zawinuls "Birdland" - auch wenn das mit dem Mitsingen des Publikums bei der Zugabe nicht wirklich gut geklappt hat.