Passt das Wetter, steht der Rhön ein goldener Herbst bevor. Das lockt Wanderer und Radfahrer aus Nah und Fern nach draußen, etwa in die Schwarzen Berge. Allerdings stößt dort - wie der Redaktion zugetragen wurde - so mancher Tourist an seine Grenzen. Grund dafür ist die Beschilderung der Wanderwege. Während unübersichtliche Wegweiser für die meisten Ortskundigen kein Problem darstellen, lassen sie Touristen schlimmstenfalls im Regen stehen.

Am Lösershag bei Oberbach endet der Basaltweg, der dort den ehemaligen Vulkan umrundet, bei einer Testwanderung im Nichts. Auf der Homepage der Rhön GmbH, die für die touristische Vermarktung der Region zuständig ist, findet sich der Rundweg als komplett begehbarer Pfad. Klaus Spitzl, Geschäftsführer des Naturparks, sagt: "Es gibt mehrere Möglichkeiten: Entweder sind die Schilder irreführend, oder dem Verfall preisgegeben oder aber mutwillig entfernt worden. Wir versuchen immer wieder, das auf Vordermann zu kriegen. Dafür finden auch Begehungen statt.Wir versuchen, die Beschilderung gut zu machen, so dass man sie versteht."

Wandern in der Rhön: Pfeilorgie auf dem Feuerberg

Kritik an den Wegweisern in der Rhön gebe es selten. "Wir erhalten in den hiesigen Info-Einrichtungen nicht oben genannte Kritik, sondern Lob für die gute Beschilderung der Wanderwege", sagt Spitzl.

Bei der Kissinger Hütte auf dem Feuerberg findet sich ein Wegweiser aus Holz. An drei von vier Seiten des Pfostens: Eine Orgie aus Pfeilen, Wegsymbolen, Zahlen und Zeichen. Kilometerangaben, oder Ziele finden sich darauf nicht. Laut Spitzl wird dort auf auf Wanderwege des Rhönklubs und des Naturparks hingewiesen. "Hierbei handelt es sich um Zwischenwegweiser, die auf der Wanderstrecke markiert sind. An Wegkreuzungen oder Wegänderungen stehen dann Hauptwegweiser, die Fernziel und Nahzielangaben mit Kilometer-Strecke beinhalten", erklärt der Mann vom Naturpark. Bei den Kilometerangaben handelt es sich - nicht wie das Gerücht besagt - um die Entfernung zweier Ziele in Luftlinie.

Für den Touristen bergen die Zwischenwegweiser die Gefahr, sich zu verlaufen. Denn manches Wegsymbol weckt Irritationen. Die Spitzen der Keil- oder Tröpfchen-Symbole zeigen nicht in die Wanderrichtung. Laut Spitzl beruhen diese Markierungen auf alten Traditionen des Rhönklubs. "Es ist wichtig, sich im Vorfeld oder zu Beginn einer Wanderung zu erkundigen, wo die Wegstrecke verläuft beziehungsweise welchen Weg man wählen möchte. Hier stehen für Beratungen gerne die Info-Einrichtungen zur Verfügung."

Neue Touristen stehen in der Rhön vor Hürden

Spitzl meint das nicht grundlos: "Es kommen Leute, die vorher ganz bequem ihren Urlaub etwa in Mallorca gemacht haben. Jetzt wandern sie in der Rhön. Bei uns kommen Fragen an wie: Wie weit sind drei Kilometer zu laufen? Eine Beschilderung so zu machen, dass sie alle verstehen, ist sehr sportlich."

Denn das Wanderwegenetz der Rhön ist groß. "Es sind etwa 8000 Kilometer", weiß Spitzl. Über manche Trasse laufen beispielsweise Teilstrecken anderer Wege. Sie sind also mehrfach belegt. "Einerseits will man alles darstellen - was aber manchen Wanderer überfordern kann. Wir versuchen diesen Wirrwarr zu entknäueln, so dass der Tourist die Wege zuordnen kann." Dafür stehen an den Weg-Kreuzungen dann Schilder mit Kilometrierung zu Fern- und Nahzielen.

Schilderwirrwarr in der Rhön: Österreich als Vorbild?

Im Österreichischen Alpenraum gibt es ein solches Schilderwirrwarr nicht. Dort finden sich auf gelben Schildern alle Ziele eines Weges. Bunte Tropfen oder Pfeile gibt es nicht. Für Spitzl stellt ein Systemwechsel eine "spannende Diskussion" dar. "Die Frage ist, ob es sinnvoll ist zu wechseln. Denn es wäre ein unheimlicher Aufwand bei dem weitläufigen Wanderwegenetz der Rhön dahinter. Da herrscht Diskussionsbedarf."

Fraglich ist auch, wie zeitgemäß eine Beschilderung in Zeiten von Routenplanern und Freizeit-Apps wie etwa komoot noch ist. "Wir sind derzeit dabei, mit den Portalen zusammenzuarbeiten." Aber auch bei der individuellen Routenplanung am Handy müssten Touristen wachsam sein: "Trotz Karte und Outdoor-App kann man sich noch verlaufen."

Für Fragen zu Wanderrouten gibt es beispielsweise die Rhön GmbH in Oberbach. Auf ihrer Homepage finden sich verschiedene Wandertouren. Dort lässt sich ein Blick auf die Strecke werfen und es gibt GPX-Koordinaten für die Navigation. Diese können die Wanderer herunterladen. Außerdem ist auf der Homepage eine Dauer angegeben.

Geh- oder Wanderzeit?

Nicht klar für den User ist, ob es sich hier um die Geh- oder Wanderzeit handelt. Letztere ist die Summe aus Gehzeit, Pausen und Erklärungen eines Führers. "Die Zeitangaben der Extratouren auf unserer Webseite sind reine Gehzeiten", teilt die Rhön GmbH auf Nachfrage der Redaktion mit.