Fahrradfahrer aufgepasst: Im Landkreis hat sich im Jahr 2016 sowohl die Zahl der Unfälle, als auch die der Verletzten fast verdoppelt. Zudem wurden zwei Radfahrer getötet. "Der Radverkehr nimmt natürlich auch zu, aber so ganz erklären lässt sich diese Steigerung nicht", sagt Stefan Haschke, Leiter der Polizei-Inspektion Bad Kissingen. Umso wichtiger sei die Prävention: Rund 460 Grundschüler werden alleine im Bereich der PI Bad Kissingen jedes Jahr auf den Straßenverkehr vorbereitet.
Die Zunahme der Unfälle von 27 im Jahr 2015 auf 52 im vergangenen Jahr entspricht einer Steigerung um 93 Prozent. 2015 verursachten in 20 Fällen die Radfahrer den Unfall, 2016 war in 42 Fällen der Verursacher auf zwei Rädern unterwegs. Auch die Zahl der Verletzten stieg: von 26 auf 50, also um 92 Prozent.


Steigerung auch bei E-Bikes

Besonders tragisch waren zwei Todesfälle, von denen aber nur einer offiziell in der Statistik als Radfahr-Unfall geführt ist: Am 14. August erfasste um kurz vor 6 Uhr ein Lkw einen 77-jähriger Radfahrer auf der Staatsstraße 2289 zwischen Bad Brückenau und Wildflecken. Der Mann aus Hessen erlag an der Unfallstelle seinen Verletzungen. Als getöteter Fußgänger steht ein 42-Jähriger in der Statistik, der am 11. Februar gegen 6.50 nördlich von Motten von einem Pkw erfasst wurde. Da er gerade sein Fahrrad am rechten Fahrbahnrand schob, handelte es sich aber offenbar auch um einen Radler.
Eine Steigerung, allerdings auf niedrigem Niveau, gab es auch bei E-Bikes: Hier stieg die Zahl der Unfälle von drei auf fünf, in allen Fällen gab es Verletzte, allerdings war nur bei jeweils einem Unfall der E-Bike-Fahrer Verursacher. "Die E-Bikes sind stark im Kommen", hat Haschke in dem Fall eine eindeutige Erklärung. Insgesamt gebe es jedoch bei den Fahrrad-Unfällen keine eindeutigen Schwerpunkte: "Keine Altersgruppe ist besonders auffällig", berichtet Haschke. In zwei Fällen lag "erheblicher Alkoholeinfluss" vor: Die Radler hatten mehr als 1,6 Promille im Blut: "Das ist dann auch auf dem Fahrrad eine Straftat", verweist Haschke auf die Rechtslage.


"Klappertest" und Reifendruck

"Wir hatten zum Glück keine Schulweg-Unfälle", freut sich der Bad Kissinger Verkehrserzieher Stefan Löhser, dass zumindest Schüler sicher auf zwei Rädern unterwegs sind. Dafür arbeiten er und sein Kollege Matthias Kleren bereits ab dem Kindergarten, zum Ende der Grundschule gibt es dann seit Jahrzehnten die Fahrrad-Prüfung. "Das ist unsere Haupt-Präventionsarbeit in diesem Bereich", betont Haschke. Zudem sind die Verkehrswacht und der ADAC-Ortsclub Bad Kissingen aktiv und schaffen zum Beispiel im Ferienprogramm Anreize, sicheres Fahrradfahren zu trainieren und immer einen Helm aufzusetzen. 2015 wurden zum ersten Mal auch Fahrrad-Trainings mit Flüchtlingen angeboten: 116 Teilnehmer waren es im ersten Jahr, im vergangenen Jahr folgten 133, heuer bereiteten die Verkehrserzieher bereits 59 Flüchtlinge auf das Radeln im deutschen Straßenverkehr vor.
Um einem Unfall auf Grund eines technischen Defekts vorzubeugen empfiehlt Heiko Kippes von "Heikos Radschuppen" in Hammelburg den "Klappertest": "Lass das Rad aus fünf bis zehn Zentimetern fallen, dabei fallen lose Teile sofort auf." Auch die Reifen sollten regelmäßig auf Beschädigungen überprüft werden, zudem muss der Luftdruck passen: "Minimumum und Maximum stehen immer auf dem Reifen", rät der Experte. Für das Säubern nach dem Winter empfiehlt Kippes Wasser mit Spülmittel: "Hochdruckreiniger ist Gift." Zudem müssten die Bremsen kontrolliert und alle beweglichen Teile geölt werden: "Fette sind ungeeignet, am besten nimmt man dünnes Öl, im Zweifelsfall Olivenöl." Und natürlich sollten Radler die Beleuchtung bereits vor der Dämmerung testen. Im Zweifelsfall helfe die Fach-Werkstatt weiter.