Nach 15 Jahren wird Martin Mühleck in der Blaskapelle Ebenhausen den Taktstock ablegen. "Die Arbeit mit den Musikern hat mir riesigen Spaß gemacht. Aber die beruflichen Belastungen sind derart gestiegen, dass ich einfach kürzer treten muss", begründet er seinen Schritt. Letztmals wird er die Kapelle offiziell beim Waldfest des TSV Ebenhausen am 11. und 12. August leiten.

"Die Musik wurde mir mütterlicherseits in die Wiege gelegt", erzählt er. "Mit neun Jahren lernte ich beim damaligen Dirigenten und Ausbilder Hermann Stürmer Trompete. Das war 1973." Nach wenigen Monaten spielte er bereits in der Kapelle bei kirchlichen Anlässen mit. "Das hat mich fasziniert und ich schaffte bald den Sprung, um bei allen Auftritten der Kapelle dabei sein zu dürfen." Hermann Stürmer, der bis 1984 den Taktstock führte, förderte seine musikalische Weiterentwicklung.

Schulungen am Wochenende

Als 1998 der damalige Dirigent Klaus Bauer aufhörte, reizte Mühleck diese neue Aufgabe, die er mit damals 30 Musikanten übernahm, ohne eine spezielle Dirigentenausbildung absolviert zu haben. "Ich war mehr oder weniger Autodidakt. Auf Wochenendschulungen holte ich mir die eine und andere Anregung. Eine Dirigentenprüfung über den Nordbayerischen Musikbund mit extrem hohen Anforderungen wie die D3-Prüfung wäre mir sicher schwergefallen", bekennt er.

"Die Aufgabe erledigte er total ehrenamtlich. Ein Händedruck war alles", sagte für die Blaskapelle Vorsitzender Joachim Bauer. "Martin hat die Kapelle weiter nach vorne gebracht. Immer wieder integrierte er Nachwuchskräfte. Mit uns allen kam er sehr gut zurecht, war immer besonnen, ist nie aus der Haut gefahren."

Aktuell zählt das Orchester 46 Musiker. Mit ihnen gelang es Mühleck, immer wieder neue Stücke einzustudieren. Im Mittelpunkt standen seit Jahren Konzertabende, die die ganze Bandbreite der musikalischen Leistungsfähigkeit belegten. Von traditionellen Stücken bis zu modernen Rhythmen reicht inzwischen das Repertoire. Wie sehr die Bewohner das Können schätzen, belegt das alljährliche Frühlingskonzert, das heuer am 6. April ab 19.30 Uhr in der Turnhalle stattfindet. "Dafür proben wir seit Wochen. Am Samstag, 9. März, üben wir einen ganzen Tag lang", erklärt Mühleck. "Im Schnitt sind 70 Prozent der Musiker dabei. Die Zahl wäre noch höher, wenn nicht Beruf und vor allem Studium ein regelmäßiges Mitmachen eingrenzen." Zusätzlich band sich Mühleck einige Jahre in die Ausbildung wie auf Flöte oder Saxophon mit ein, ehe der Verein Musiklehrer engagierte. "Diese Lösung war der richtige Schritt und erleichtert den Übertritt in die Kapelle mit der Vorstufe Notenkiller sehr." Auch zwei seiner drei Kinder gehören schon zur Blaskapelle.

Er selbst nimmt nicht immer den Dirigentenstab in die Hand, sondern greift gern zum Bariton. "Der ist wie eine Trompete mit den gleichen Griffen, nur mit größerem Mundstück", erklärt er. Und in der Kapelle will er auch künftig mitspielen und - wenn Not am Mann ist - als Leiter einspringen. "Offiziell ist im Sommer Schluss", sagt er mit etwas Wehmut. Neben Trompete und Bariton spielt er zu Hause Orgel, erlernt sechs Jahre lang in Schweinfurt. Dort ist er auch beruflich tätig als Entwicklungsingenieur bei der Firma Bosch-Rexroth. Im Ort engagiert er sich zusätzlich als Vorsitzender der Trachten- und Trachtentanzgruppe, als erfolgreicher Sportkegler und in Musicals, die die Fago-Band zeigt.

Versammlung am 10. März

Wer sein Amt bei der Blaskapelle Ebenhausen übernimmt, ist noch offen. "Jemand aus den eigenen Reihen oder jemand von auswärts, wir werden sehen", erläutert Noch-Vorsitzender Joachim Bauer. Bei der Jahresversammlung am Sonntag, 10. März, ab 18 Uhr im Gasthaus "Zum Hirschen" stehen Neuwahlen an. Dann werde er nicht mehr kandidieren. Aber er ist zuversichtlich: "Wir haben im Vorfeld beraten. Ich denke, die künftige Mannschaft steht." Jetzt wartet der Konzertabend, der unter dem Thema "Best of Martin" stehen wird. Die Musiker frischen derzeit viele Stücke aus den vergangenen Jahren auf.