Vor Gericht stand in Bad Kissingen ein 26-jähriger Maschinenbauingenieur, der bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten war und - wie er versicherte - der keineswegs rechtsradikales oder menschenverachtendes Gedankengut verbreiten wollte. Und doch hatte er in einer Whatsapp-Gruppe Bilder und Videos verschickt, die die Menschenwürde angreifen. Deshalb stand er wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen und der Verbreitung tierpornografischer Schriften vor Gericht. Der Staatsanwalt nannte als Beispiel Videos, die einen dunkelhäutigen Mann zeigen, der von einem Turm springt und tot ist, oder auch Analverkehr durch einen Hund mit einem Mann arabischer Herkunft.

"Ich distanziere mich von den Inhalten", versicherte der Angeklagte vor Gericht und "ich wusste nicht, dass das strafrechtlich verfolgt wird". Teilweise habe er die Videos nicht einmal bis zum Ende angeschaut. Das hielt die Richterin nicht für glaubwürdig. Ihr liege der Chatverlauf vor und "da ist ja nur so Zeug drin", sagte sie. Und: "Das Problem ist, dass die Leute sich keine Gedanken machen und einfach Sachen weiterschicken."

Auch der Verteidiger gestand: "Es ist makaber und geschmacklos, da sind wir uns einig". Er merkte aber an, dass es sich seiner Meinung nach nicht um eine Weiterverbreitung handele, da die Videos nur in die Whatsapp-Gruppe geschickt wurden, der 14 Personen angehören, und nicht öffentlich auf Facebook gepostet wurden. Diesen Einwand ließ die Richterin nicht gelten. Jeder könne heutzutage mit einem Klick solche Inhalte weitertragen, sagte sie. Und stellte klar: "Wenn ich sowas kriege, schicke ich es nicht einfach weiter."

Der Verteidiger gab auch zu Bedenken, dass drei Handys von Gruppenmitgliedern eingezogen worden waren und ein anderes, vergleichbares Verfahren daraus eingestellt worden sei. Darüber schüttelte die Richterin nur den Kopf. Sie hielt 80 Tagessätze zu je 50 Euro für angemessen. Und so zog die Verteidigung ihren Einspruch gegen den Strafbefehl nach kurzer Beratung zurück. Der Angeklagte muss damit nicht nur 4000 Euro, sondern auch die Kosten des Verfahrens bezahlen. Und sein Handy - und das tat ihm offenbar ebenfalls sichtlich weh - bleibt eingezogen, machte die Richterin auf Nachfrage deutlich.