Nach und nach zeigt sich die Pracht des Luitpoldbades: Der komplett renovierte Westflügel ist bereits gerüstfrei, Spaziergänger können hausende neue Baluster, hunderte neue Fenster, die restaurierten Naturstein-Gesimse und den neuen Anstrich bewundern. "Im Moment sind wir genau im Zeitplan", freut sich Planer Ralf Alsheimer vom Büro "Grellmann, Kriebel, Teichmann" über den Stand des 37-Millionen-Euro-Projektes. Im Moment laufe alles auf einen pünktlichen Einzug von Vermessungsamt, Staatsbad GmbH und Finanzkammer im Juli hinaus, aber: "Zum Ende hin wird's oft spannend", lässt er sich eine kleine Hintertür offen.


Heizung und Estrich verlegt

Das Luitpoldbad ist 135 Meter lang und 70 Meter breit, da ist Ordnung wichtig. "Wir beginnen mit den Arbeiten meistens im Westflügel und gehen dann gegen den Uhrzeigersinn vor", berichtet Alsheimer. Das gilt für außen und innen. "Fußbodenheizungen und Estriche sind alle drin", sagt Alsheimer über den Innenausbau. Nun beginne der Ausbau der Raumschalen: Im Westflügel sind die Räume bereits fertig verputzt, bis Februar werden sich die Maler und Verputzer dann in den Südflügel vorarbeiten, danach folgen ab März die Fußböden, darunter die Aufarbeitung und Ergänzung der historischen Terrazzobeläge im Südflügel.
Wie in allen Bereichen werden auch beim Innenausbau viele Spezialisten für Bau-Denkmäler benötigt. "Die Firmen sind sehr selten und deshalb sehr gefragt", berichtet Erwin Full vom Staatlichen Bauamt. Meistens werden sie in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege ausgewählt. "Ich habe schon an der Semper-Oper und im Schweriner Schloss mitgearbeitet", berichtet etwa Peter Hanke von der Firma "Fuchs und Girke", während er ein Stuckprofil zieht.


Handarbeit wie zur Bauzeit

Seit vier Monaten ist er auf Montage in Bad Kissingen. Wie schon zur Bauzeit des Luitpoldbades zieht er hunderte Meter Stuckprofile direkt vor Ort. "Das sieht einfacher aus, als es ist", lobt Alsheimer. "Das Problem ist, dass das Material schnell hart wird, man muss also zügig arbeiten", sagt Hanke selbst. Als weiteres Spezialgebiet hat er den Nachbau von Gewölben, die mit Bewehrung verstärkt sind. Vermutlich noch bis Februar wird Hanke zusammen mit fünf Stuckateur-Kollegen und drei Malern in Bad Kissingen arbeiten.
Mit dem Abbau der Gerüste beginnen sofort die Erdarbeiten im Außenbereich: Im hinteren Teil des Innenhofes geht es schon bald ans Pflastern und die Pflanzung der beiden Amberbäume. Im Innenhof und entlang der Westseite laufen Kanalarbeiten: Wegen Schäden an den alten Kanälen wird die Entwässerung komplett erneuert - und strikt getrennt: Das Regenwasser von den Edelstahldächern darf direkt in die Saale fließen. Das Wasser von den Kupferdächern sowie die Schmutzwässer werden neu an den Sammler in der Bismarckstraße angeschlossen. "Deshalb gibt es auch Einschränkungen bei der bisherigen Baustellen-Zufahrt", sagt Full.
Außen wie innen ist in vielen Bereichen bereits zu sehen, wie die Mitarbeiter von Finanzkasse, Staatsbad GmbH und Vermessungsamt später arbeiten werden: Gewölbe sind verspachtelt, die Heizung läuft, erste Büros sind gestrichen. Die Vorfreude auf ein schmuckes Behördenzentrum steigt.

Im Jahr 1864 starb Maximilian II. König von Bayern, bereits drei Jahre später würdigte die Stadt Bad Kissingen das Wirken des Wittelsbachers mit einer Marmor-Statue. Die stand dort, wo heute der Regentenbau steht, später wurde sie vor das Luitpoldbad versetzt. "Wahrscheinlich gab es bei früheren Versetzungen bereits Schäden, das frei stehende Bein zum Beispiel scheint schon mal abgebrochen zu sein und wurde einfach wieder angeklebt", berichtet Planer Ralf Alsheimer. Deshalb bleibt Max II. vorerst auf seinem Sockel.


Schäden nur schwer zu erkennen

"Der Steinrestaurator kann bei einem Abbau für nichts garantieren und weigert sich daher, Hand anzulegen", berichtet Abteilungsleiter Erwin Full vom Staatlichen Bauamt Schweinfurt. Ursprünglich hätte die 150 Jahre alte Statue bereits in dieser Woche am Kran hängen sollen. "Eigentlich scheint der Max gut dazu stehen, die Schäden haben sich erst aus der Nähe gezeigt." Neben dem angeklebten Bein ziehe sich ein Riss über den gesamten Rücken der Statue. Die Experten befürchten, dass die Statue in zwei Teile brechen könnte. Hinzu kommt, dass die aus einem Marmorblock gefertigte Figur fest mit dem Kalkstein-Sockel verklebt ist.


Auf Suche nach Prüfverfahren

Nun wird nach Lösungen gesucht. Vermutlich muss die Statue deshalb komplett eingerüstet werden: Zum einen werde ein stabiles Podest benötigt, um Statue und Sockel voneinander zu trennen, zum anderen will der Restaurator ins Innere des Steins schauen: Gehen die Risse tiefer, wie ist der Zustand des Marmors? "Marmor ist wie zucker und kann leicht zerbröseln", berichtet Alsheimer. Derzeit werde ein "zerstörungsfreien Prüfverfahren" mittels Ultraschall gesucht, ergänzt Erwin Full.
Die geplante Restaurierung der Statue soll verbunden werden mit einer Umgestaltung des gesamten Bereichs: Max II. steht im Moment mitten in einem alten Brunnenbecken. "Wir wollen den Brunnen wieder reaktivieren", berichtet Full. Mit dem Landesamt für Denkmalpflege sei bereits über die Gestaltung gesprochen worden. "Der Brunnen bleibt auf der Höhe, bei Hochwasser wird er halt überflutet", nennt Full ein Ergebnis. Die Planung übernimmt das Engenthaler Landschaftsplanungsbüro "Dietz und Partner".


Figur rückt in Richtung Norden

Die Figur von Max II. soll weiter in Richtung Norden auf den aktuell freien Platz rücken. "Außerdem wollen wir ihn um 180 Grad drehen, damit er in Richtung Luitpoldbad schaut." Verworfen wurden dagegen die Überlegungen, ihn in den Kurpark vor den Maxbrunnen zu versetzen. "Max II. ist ja auch nicht der Namensgeber des Maxbrunnens", verweist Full darauf, dass das Maxwasser nach König Max I. Joseph von Bayern benannt ist, der den "Sauerbrunnen" 1815 neu fassen ließ.
Eine große Änderung wird sein, dass die rund 35 Stellplätze an der Kopfseite des Luitpoldbades aufgegeben werden. "Der Bereich vor dem Casino wird komplett neu gestaltet", fasst Full die Idee zusammen. Ersatz für die wegfallenden Stellplätze wird aktuell bereits gebaut: Entlang der kompletten 135 Meter langen Westseite entsteht ein Parkplatz mit zweireihigen Parkbuchten. Genutzt werden die Stellplätze tagsüber von den Mitarbeitern des Behördenzentrums und am Abend von Besuchern von Spielbank und Restaurant. Derzeit werde noch geklärt, wie der Parkplatz in Zukunft bewirtschaftet wird, also ob die Schranke an der Einfahrt bleibt. Der Parkplatz rückt in Richtung Luitpoldpark, damit Platz für einen fünf Meter breiten Grünstreifen vor der neu gestalteten Fassade des Luitpoldbades bleibt. Dafür wird der dreieckige Brunnen aufgegeben, der achteckige Brunnen dagegen wird erneuert.
In die Planungen wurden auch Stadtarchiv und Bauabteilung der Stadt einbezogen. Über das endgültige Konzept berät der Stadtrat in seiner Sitzung am 23. November. In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses wurde das Thema kurz angesprochen. Der Stadtrat müsse der Planung für die Außenanlagen zustimmen, berichtete Bauamtsleiter Jan Voll. Die Bauarbeiten würden derzeit vorbereitet, für die Stellplätze werde es während der Baumaßnahme eine provisorische Regelung geben.