Sein Familienname wäre vielleicht schon Verpflichtung genug, sich stärker als andere ins gemeinschaftliche Leben des Marktes Bad Bocklet einzubringen. Doch bei Lorenz Bocklet (78) war es ein anderer Grund: "Von klein auf habe ich gelernt, anderen zu helfen." So hat er sich nicht nur beruflich, sondern auch ehrenamtlich überdurchschnittlich in seiner Gemeinde engagiert. Manche Mitmenschen sehen in ihm sogar einen "stillen Helden".

"Ein Held ist einer, der tut, was er kann. Die anderen tun es nicht", sagte einmal der französische Literaturnobelpreisträger Romain Rolland (1866-1944). Lorenz Bocklet hat für seine Gemeinde und seine Mitmenschen viel getan. Zweimal wurde er sogar zum Lebensretter: Als junger Soldat erlebte er an einer Autobahn-Baustelle einen schweren Unfall, bei dem ein Bauarbeiter ein Bein verlor. "Ich habe ihm den Oberschenkel abgebunden und versorgt, bis der Arzt kam."

"Ich bin kein Held"

Jahrzehnte später, beim Ausflug mit dem VdK im Jahr 2018, stürzte ein Teilnehmer so unglücklich mit dem Kopf auf eine Steintreppe, dass ihm eine Ader platzte. "Wenn ich ihm nicht bis zur Ankunft des Notarztes die Ader abgedrückt hätte, wäre er wohl verblutet." Ist Lorenz Bocklet also tatsächlich ein "stiller Held", von dessen Taten kaum jemand weiß? "Ich bin kein Held", wehrt der 78-Jährige bescheiden ab. "Ich tue doch nur das, was jeder normale Bürger tun sollte."

Doch Lorenz Bocklet hat immer mehr getan, als von ihm verlangt war. "Ich bin eben sozial veranlagt", klingt es aus seinem Mund fast wie eine Entschuldigung. Beispielhaft für seine soziale Ader ist seine Aktivität in der Pfarrgemeinde. Seit seinem achten Lebensjahr war er Ministrant, später Kommunionhelfer, dann Lektor und 40 Jahre lang Vorbeter. "Seit 50 Jahren bin ich ohne Unterbrechung im Pfarrgemeinderat, aber demnächst höre ich auf."

Als Feldgeschworener im Einsatz

Dann bleibt ihm immer noch sein Amt als Feldgeschworener, für das er 2008 verpflichtet wurde, und sein langjähriger Posten als Vorstand des Bad Bockleter Obst- und Gartenbauvereins, dem er schon 1985 als Mitglied angehört. Auch beim Sozialverband VdK ist er seit zehn Jahren Vorstand und unterhält die Senioren zur Faschingszeit alljährlich als Büttenredner. "Es hat mir immer Freude gemacht. Ich bin ein geselliger Typ."

Wohl auch deshalb ist er seit 60 Jahren aktives Mitglied im Bockleter "Liederkranz", dessen Fahnenträger er fast ebenso lange war. Im vergangenen Jahr wurde er vom Fränkischen Sängerbund und Deutschen Chorverband für 70-jähriges Chorsingen ausgezeichnet, denn vor seinem Vereinsbeitritt war Bocklet bereits im Schulchor aktiv. "Schon als Kind habe ich immer beim Melken unserer Kühe gesungen."

Als gelernter Bauschlosser und Rollladenbauer war es für Lorenz Bocklet selbstverständlich, auch seine handwerklichen Fähigkeiten der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Nicht nur, dass er beruflich nach Jahren im Handwerksbetrieb zunächst als Hausmeister der Schule, dann bis 2005 als Mitarbeiter im Bauhof für die Gemeinde tätig war, sondern noch heute erinnert das Metallbild einer Mutter mit drei Kindern im Steinacher Kindergarten ebenso an seine Fähigkeit als Kunstschlosser wie ein Ziergitter an der Rother Kapelle. Auch beim Bau der St.-Laurentiuskirche arbeitete er als Schlosser mit. Noch heute erinnert er sich an die Anbringung der Kirchturmuhr im Januar 1960 bei bitterer Kälte von minus 18 Grad.

Das gesellige Leben fehlt

Der 78-jährige Bocklet hat - angefangen als aktiver Vereinsfußballer und als Atemschutzträger und Brandmeister bei der Feuerwehr - in seinem Leben viel geleistet und erlebt, "worüber ich ein ganzes Buch schreiben könnte". Momentan hätte er wegen des Kontaktverbots dazu Zeit. Ihm fehlt seit vielen Monaten das gesellige Leben in den Vereinen und in der Gemeinde, vor allem der sonntägliche Frühschoppen mit dem Schafkopfspiel, bei dem es "immer temperamentvoll und laut zuging".

Stattdessen macht er jetzt nach dem Gottesdienst einen langen Spaziergang am Kleingartenverein vorbei und schaut als dessen Vorstand nach, "ob alles in Ordnung ist." Oder er arbeitet im Garten. "Ich muss doch immer etwas zu tun haben", sagt Bocklet. Er sehnt sich nach besserer Zeit, um sich wieder in die Gemeinschaft seiner Heimatgemeinde Bad Bocklet aktiv einbringen zu können.