Beim Stichwort "Leader" werden Bürgermeister und Kreisräte hellhörig: 1,8 Millionen Euro an Fördermitteln kamen in den zurückliegenden fünf Jahren aus Brüssel, nun steht die Bewerbung für die nächste Förderperiode an. Dabei gibt es einen Haken: Die Anträge müssen rechtlich auf neue Füße gestellt werden. Deshalb soll im Landkreis Bad Kissingen der Verein "Lokale Aktionsgruppe Leader" gegründet werden.
"Wenn wir die Struktur nicht schaffen, müssen wir uns gar nicht bewerben", begründete Landrat Thomas Bold (CSU) im Kreistag die Vorgaben.

Bisherige Regelung unzulässig

"Der Landkreis ist die sinnvollste Gebietskulisse, weil es die schlagkräftigste Einheit ist", sagt Regionalmanagerin Cordula Kuhlmann. Noch warte sie auf die Vorgaben für das Auswahl-Verfahren aus dem Bayerischen Landwirtschaftsministerium, denn: Das Geld kommt zwar von der EU, aber in Deutschland legt jedes Bundesland die Förder-Voraussetzungen unterschiedlich aus.

Bisher war die Lokale Aktionsgruppe als so genannte "Arbeitsgemeinschaft nach dem Gesetz über Kommunale Zusammenarbeit" organisiert. Das sei in der neuen Förderperiode nicht mehr zugelassen, sagt Jürgen Metz, Leiter der Kreisentwicklung im Landratsamt Bad Kissingen. Deshalb muss der neue Verein aus der Taufe gehoben werden: "Wir haben schon mehr als 50 Anmeldungen", berichtet Metz. Die Gründungsversammlung findet am 26. Mai um 16.30 Uhr im Sparkassenpavillon Bad Kissingen statt.

Bürgermeister, Kurdirektoren, aber auch Vertreter aus den Bereichen Tourismus und Wirtschaft wollen bei Leader einen Fuß in der Tür haben und hoffen auf neue Projekte in ihrem Bereich. Immerhin wurden bei den 32 Projekten der laufenden Förder-Periode im Schnitt jeweils rund 170 000 Euro investiert (siehe auch Info-Kasten rechts). Hinzu kommen engagierte Bürger aus der Region.

Mehr Regionen zeigen Interesse

Aktuell gebe es 58 Leaderregionen in Bayern, berichtet Jürgen Metz. Laut Cordula Kuhlmann steigt die Nachfrage für die Neuauflage "Leader 5.0" von 2014 bis 2020: "65 Regionen wollen sich bewerben", berichtete Kuhlmann bei der Beratung im Kreistag. Unter den Neuen gebe es auch mehrere in Unterfranken, unter anderem im Spessart, also direkt an den Landkreis Bad Kissingen angrenzend. Einstimmig beschloss der Kreistag, dem neuen Verein als Gründungsmitglied beizutreten. Der Beschluss beinhaltet auch, "die notwendigen personellen Ressourcen laut Vorgaben der EU und des Freistaates Bayern bereitzustellen".

Was das genau heißt, konnte Landrat Thomas Bold auf Nachfrage im Kreistag noch nicht sagen, schließlich fehlten die Vorgaben aus München noch. Er gehe aber davon aus, dass der Landkreis eine Vollzeit-Stelle für die Geschäftsführung des Vereins bereitstellen muss. Zum Teil werde im Regionalmanagement umgeschichtet, aber vermutlich werde auch jemand neu eingestellt. "Wir können das im Rahmen des Stellenplanes abbilden", beruhigte Bold die Kreisräte jedoch. Am Montag soll nicht nur ein Vorstand für den neuen Verein gewählt werden, sondern auch ein Lenkungsausschuss, der über alle Leader-Projektförderanträge mitentscheidet.

Abkürzung Die Wortkonstruktion Leader steht für die französische Abkürzung "Liaisons entre les Actions de Développement de l‘Economie Rurale" - zu Deutsch: Verbindung von Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft.

Ziel Mit dem Regionalmanagement sollen neue Ideen und Aktionen zur Stärkung der regionalen Identität und Wertschöpfung
unterstützt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Region nachhaltig zu verbessern.

Zeitraum Die aktuelle Leader-Förderperiode startete 2008, bis Ende 2013 konnten Anträge gestellt werden, alle Projekte müssen bis Ende 2015 abgerechnet sein. Das nachfolgende Programm "Leader 5.0" startet vermutlich Ende 2014 und soll bis 2020 dauern.

Projekte In den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld wurden in der laufenden Förderperiode 32 Projekte umgesetzt. 5,4 Millionen Euro wurden investiert, 1,8 Millionen Euro flossen an Leader-Fördermitteln, weitere 1,17 Millionen Euro aus anderen Töpfen wie Städtebauförderung, Arbeitsagentur oder vom Bezirk.

Beispiele Die Projekte reichen vom Geschichts- und Skulpturenweg Münnerstadt über Marketingkonzepte und das Innenentwicklungsmanagement bis zu Bauprojekten: Gefördert wurden etwa das Naturerlebnisbad Aura, das Haus "Terra Triassica" in Euerdorf oder Info-Pavillons am "Hochrhöner". Voran gebracht wurde auch die Vermarktung der Burgen im Saaletal, die Ausbildung von Gästeführern und der Schnitz-Standort Rhön.

Info Ausführliche Dokumentationen zur laufenden Leader-Förderperiode gibt es im Internet unter www.mydatacation.de/www.lag-badkissingen.de