Seit Oktober 2017 gilt eine novellierte Klärschlammverordnung. "Sie regelt den Umgang mit Klärschlamm komplett neu", sagt Uwe Seidl, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamts Bad Kissingen. Immer wichtiger werde die Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlämmen und Verbrennungsaschen. Ab 2029 müssten die Betreiber von Anlagen für mehr als 100 000 Einwohnerwerte den wichtigen Mineralstoff zurückgewinnen. Das betrifft im Zuständigkeitsbereich von Seidls Behörde nur Schweinfurt. Ab 2032 wird die Auflage auf kleinere Anlagen wie Bad Kissingen erweitert. Gleichzeitig schränkt die Verordnung die Ausbringung von Klärschlamm auf Äckern erheblich ein. Seidl verweist zudem darauf, dass Biosiegel wie "Demeter" oder "Bioland" den Landwirten grundsätzlich verbieten, mit Klärschlamm zu düngen. Es gibt also mehrere Gründe, weshalb Kommunen jetzt reagieren müssen.

Interkommunale Lösungen geplant

Die acht Gemeinden der Rhönallianz rund um Bad Brückenau sowie die neun Kommunen der Allianz Fränkisches Saaletal rund um Hammelburg feilen gerade an Lösungen. Beide wollen den Klärschlamm selbst entwässern und verbrennen lassen. Das Wasserwirtschaftsamt hat laut Seidl beide Allianzen beraten. Seit zwei Jahren treibt das Thema Burkhard Oschmann, Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes (AZV) Thulba-Saale, um. Zunächst habe es den Plan gegeben, eine Entwässerung für die eigene Kläranlage in Hammelburg zu bauen. Auf Nachfrage beauftragten alle neun Kommunen der Allianz ein Gutachten für eine gemeinsame Anlage.

Die Machbarkeitsstudie liegt seit Januar vor und schließt zehn Kläranlagen ein. Mittlerweile ist eine Zweckvereinbarung ausgehandelt, die die Kostenverteilung und die Anlieferung der Schlämme regelt. In der kommenden Woche soll die Vereinbarung unterschrieben werden, denn: "Wir wollen noch vor Jahresende den Förderantrag stellen, weil dann die Förderquote um zehn Prozentpunkte sinkt", betont Oschmann. Im Frühjahr 2022 solle der Planungsauftrag folgen, im Herbst die Ausschreibung und im Jahr 2023 der Bau. Oschmann: "Wir hoffen, dass wir ab dem Jahr 2024 den Klärschlamm zentral verwerten können."

Im Altlandkreis Bad Brückenau stellte ein Fachbüro der Lenkungsgruppe der Rhönallianz Mitte September die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur interkommunalen Klärschlammverwertung vor, berichtet der Bad Brückenauer Bürgermeister Jochen Vogel. Eine Zusammenarbeit sei "unter rechtlichen, wirtschaftlichen und umweltpolitischen Aspekten sinnvoll und richtig". Die Bürgermeister der acht Gemeinden stimmten bereits zu. Im laufenden Monat werde das Konzept den acht Stadt- und Gemeinderäten vorgestellt, die endgültig über eine Beteiligung entscheiden.

Nach Auskunft der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Bad Brückenau bringen aktuell noch die Gemeinden Geroda und Riedenberg ihren Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Flächen aus, in Oberleichtersbach und Schondra werde der getrocknete Schlamm verbrannt. Von den vier VG-Gemeinden sind drei auf externe Dienstleister für die Entwässerung angewiesen, lediglich Oberleichtersbach verfügt über eine eigene Anlage. Trotzdem will sich Oberleichtersbach laut Bürgermeister Dieter Muth an der gemeinsamen Lösung beteiligen, um von niedrigeren Preisen für die Anlieferung zu profitieren. Die Gemeinde Riedenberg überlege zudem, ihre eigene Kläranlage ganz aufzugeben.

An der Lösung beteiligen wollen sich auch die Gemeinden Motten, Wildflecken und Zeitlofs. Die Gemeinde Motten zum Beispiel liefere die Schlämme aus ihren beiden Teichkläranlagen in Motten und Speicherz aktuell noch eigenständig zur Verbrennung, berichtet Bürgermeisterin Katja Habersack. "Wir benötigen jeweils die Nachrüstung einer Rechen- und Sandfanganlage", nennt die Bürgermeisterin als Beispiel für zusätzlich anstehende Investitionen.

Bereits einen Schritt weiter ist der Zweckverband zur Abwasserentsorgung "Obere Lauer" (AOL), der im vergangenen Jahr eine Klärschlammpresse für Poppenlauer in Betrieb genommen hat. Die Anlage im Zuständigkeitsbereich der VG Maßbach nimmt auch den Schlamm aus der Kläranlage Münnerstadt auf. "Den homogenisierten Schlamm pressen wir auf einen Feststoffgehalt von zwischen 25 und 30 Prozent", berichtet Geschäftsleiter Frank Mauer. Danach werde er abgeholt und verbrannt. "Die Kapazität der Presse ist aber noch nicht ausgelastet", betont Mauer. Die Stadt Münnerstadt hat sich dem AOL nach eigenen Angaben angeschlossen, weil "die landwirtschaftliche Verwertung auf Grund der Änderung der Düngemittelverordnung nahezu nicht mehr möglich war". Zuvor habe die Stadt alternativ die mobile Schlammentwässerung und den Bau einer eigenen Schlammpresse geprüft, berichtet Simon Glückert von der Stadt.

Die Gemeinde Oerlenbach hat laut Bürgermeister Nico Rogge die Aufgabe der Abwasserentsorgung an den AZV Obere Werntalgemeinden abgegeben. Auch dort gebe es Überlegungen, wie der Klärschlamm in Zukunft behandelt wird. Gleich mehrere Lösungen muss die Gemeinde Burkardroth finden: Mit Ausnahme von Oehrberg, Premich und Gefäll sind die meisten Gemeindeteile mit denen der Gemeinde Bad Bocklet (außer Nickersfelden) an die Kläranlage des AZV Aschach-Saale in Großenbrach angeschlossen. "Die Klärschlammentsorgung erfolgt soweit möglich auch weiterhin wie bisher als Nassschlamm in die Landwirtschaft", berichtet Heiko Schuhmann von der Gemeinde Burkardroth. Deshalb sei bisher noch keine Trocknung erforderlich. Allerdings habe auch der AZV Aschach-Saale bereits eine Studie in Auftrag gegeben, die die Behandlung des Klärschlamms aus Großenbrach, Nüdlingen, Nickersfelden, Oehrberg und Premich untersuche. Für Premich werde zudem geprüft, ob eine neue Kläranlage oder ein Anschluss nach Großenbrach sinnvoller sei.

Bereits zweite Anlage in Betrieb

Jahrzehntelange Erfahrung bei der Entwässerung von Klärschlamm hat der Abwasserbetrieb der Stadt Bad Kissingen. "Wir haben mittlerweile bereits die zweite Anlage", sagt Leiter Alexander Pusch. Darin werden die Bad Kissinger Schlämme und die der Kleinkläranlage Kleinbrach für die Verbrennung vorbereitet. Was die für das Jahr 2032 geforderte Rückgewinnung des Phosphors für die Bad Kissinger Kläranlage angeht, hat Pusch noch keine Lösung gefunden: "Es gibt bisher noch keinen Anbieter, der das leisten kann", stellt er klar, dass es zwar eine Vorgabe der Politik, aber keine technische Lösung dafür gebe.