Im Kurgarten ist Katja Reith oft unterwegs, in den Wäldern rund um die Marktgemeinde und auf den Saalewiesen mit den Quellenschutzgebieten. "Hier wächst das meiste", sagt die 41-Jährige. In und um Bad Bocklet findet sie alles, was sie braucht, um sich etwas Gutes zu tun. Löwenzahn zum Entschlacken nach dem Winter, den Giersch mit seinen harntreibenden und antirheumatischen Eigenschaften, Beifuß zum Entspannen und Alantwurzel als Stimmungsaufheller. Es darf aber auch einfach Bärlauch sein, weil er gesund ist und im Kräuterquark gut schmeckt. "Ich beschäfte mich seit 20 Jahren mit Kräutern. Wie kann ich mich selbst versorgen und heilen", erklärt sie.

Seit drei Jahren bietet Reith nebenberuflich Kräuterführungen an, inzwischen auch in Kooperation mit der Bad Bockleter Kurverwaltung. Eigentlich arbeitet sie aber als Ergotherapeutin in einer Klinik. Vor diesem Hintergrund legt sie auch bei ihren Führungen und Kräuterworkshops auf einen medizinischen Ansatz Wert. "Ich gebe Hilfe zur Selbsthilfe. Ich schaue: Was braucht der Mensch und wie kann er sich selbst helfen."

Sammeln, weiterverarbeiten

Zum einen geht es darum, Grundlagen zu vermitteln. "Ich möchte, dass die Leute die Kräuter erkennen, sie von giftigen Doppelgängern unterscheiden und sich trauen, sie anzuwenden", sagt sie. Deshalb führt sie nicht nur über Wiesen , sondern zeigt auch in Workshops, wie aus den gesammelten Pflanzen zum Beispiel Salben und Cremes hergestellt werden.

Die Bad Bockleterin bietet je nach Jahreszeit Führungen zu unterschiedlichen Themen an. Inhaltlich gibt es Führungen zu Frühlings- und Sommerkräutern, im Herbst zu Wurzeln. Es gibt Führungen zu immunstärkenden und schleimlösenden Wildkräutern, die im Sommer gesammelt werden und einen als Salben oder Bonbons durch die nass-kalte Erkältungszeit begleiten. Auch im Angebot hat Reith eine Führung zu Frauenkräutern. Hier werden beispielsweise die gesammelten Pflanzen zu Teemischungen weiterverarbeitet, die Frauenbeschwerden lindern sollen.

Natur erlebt Renaissance

Die Kurverwaltung des Staatsbades kooperiert mit der Kräuterführerin, weil sie den Bereich Gesundheit und Ernährung abdeckt. Und der finde sich an vielen Stellen im heimischen Gesundheitsangebot wieder, angefangen beim Rehazentrum, das adipöse und Diabetespatienten behandelt, über das Hotel Kunzmanns, dass sich im Bereich Ayurveda spezialisiert hat bis hin zu den Kneippkuren, für die die Stahlquelle so geeignet ist. "Die Kräuterführungen passen sehr gut in unser Gesundheitsangebot und werden sehr gut nachgefragt", sagt Kurdirektor Thomas Beck.

Das kleinste der drei Staatsbäder im Landkreis bemüht sich grundsätzlich, die Kombination aus Gesundheit und Natur auszubauen. "Wir sehen da ein großes Entwicklungspotenzial.Der Wald und die Natur erfahren im Gesundheitsbereich gerade eine kleine Renaissance", betont er. Zum Veranstaltungsprogramm des Staatsbades gehören deshalb gärtnerische Führungen durch die Kuranlagen, Gästewanderungen sowie thematisch passende Vorträge. Neu mit dabei sind neben den Kräuterführungen auch Gesundheitswanderungen mit Wolfgang Braun. Dabei wird nicht nur gewandert, sondern an schönen Plätzen machen die Teilnehmer Übungen, die die Koordination, Kraft und Ausdauer verbessern und für Entspannung sorgen.

Dass das Thema im Kommen ist, zeigt auch die Aufmerksamkeit, die neuerdings dem Waldbaden zukommt. Dabei geht es darum, den Wald für therapeutische Zwecke zu nutzen. Das hat in Japan eine lange Tradition und hat sich von dort aus in andere Länder verbreitet. Inzwischen hat der Trend auch Bayern erreicht. Der Bayerische Heilbäderverband kündigte vor kurzem an, Heil- und Kurwälder im Freistaat ausweisen zu wollen. Erster Schritt auf dem Weg dahin ist eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München, die die entsprechenden Kriterien erarbeiten soll.