Eine mögliche Landesgartenschau in Bad Kissingen: Chance oder Risiko? Eine echte Bereicherung für die Stadt, seine Bewohner und Gäste oder ein kostspieliges Wunschprojekt, von dessen Geld besser andere Dinge finanziert werden sollten? Diese Fragen diskutierte der Stadtrat in seiner Sitzung am Mittwochabend lang und kontrovers.

Martin Richter-Liebald, Geschäftsführer der Bayerische Landesgartenschau GmbH, betonte in der Sitzung, dass es bei einer Landesgartenschau um mehr geht, als einzelne Areale einer Stadt für ein paar Wochen schick mit Blumen herzurichten. "Es handelt sich um ein städtebauliches Projekt", sagte er. Ziel von Landesgartenschauen sei es, nachhaltige Werte zu schaffen, also zum Beispiel Plätze auf Dauer zu verbessern oder Entwicklungen anzustoßen. Ausrichtungsorte würden profitieren, weil sie mehr Grün, Vielfalt und Lebensqualität in den Ort bekommen und weil Schandflecken beseitigt werden. Landesgartenschauen lösen weitere Investitionen aus und stärken so einen Standort wirtschaftlich sowie touristisch. "Jetzt kann man sagen: Hier ist es doch schön, was braucht Bad Kissingen eine Gartenschau? Aber es gibt auch hier natürlich Potenziale", meinte der Landschaftsarchitekt.

Kostenanteil von vier Millionen Euro

Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) hält eine Landesgartenschau für eine historische Chance für Bad Kissingen. "Ich glaube, dass wir über günstige Rahmenbedingungen verfügen", sagte er. Bei den Investitionen (siehe Infobox) sieht er die Möglichkeit, dass die Stadt den eigenen Kostenanteil von vier auf eine Million bis zwei Millionen Euro senken kann. Dem steht ein vielfaches an Fördergeldern gegenüber und zwar für Aufgaben, die die Stadt ohnehin irgendwann erledigen müsse. Vogel: "Wir können es uns gar nicht leisten, keine Landesgartenschau zu avisieren. Wenn ich als Unternehmer mit einem Investment von zwei Millionen Euro zehn Millionen Euro Folgeinvestitionen auslöse, dann bin ich dabei."

Aus finanzieller Sicht als riskanter bewertet die Verwaltung den Durchführungshaushalt. Hier ist die Stadt als Träger vor allem auf gute Besucherzahlen und entsprechende Eintrittsgelder angewiesen. Der Aufwand für die Schau müsse gering gehalten und die Einnahmen maximiert werden. Vogel zeigt sich optimistisch: 1,6 Millionen Übernachtungen jährlich seien ein Pfund, außerdem finanziere die Stadt mit der Staatsbad GmbH ohnehin Strukturen, die bei der Organisation genutzt werden können.

Als Gelände für eine mögliche Landesgartenschau hat die Verwaltung eine Achse auserkoren vom Klaushof über die Saline im Norden bis zum Areal rund um den Schlachthof und den Sportpark im Süden. "Es gibt gewisse Ecken in Bad Kissingen, die funktionieren nicht mehr", sagte Vogel. Gut gepflegte Bereiche im Stadtgebiet stehen Brachen gegenüber. Insbesondere das Areal Schlachthof, Lindesmühle, Sportpark, ehemalige Stadtgärtnerei und Ballinghain fällt stark hinter den Kurvierteln und der Altstadt ab. Eine Landesgartenschau solle diese Probleme beseitigen.

Diskussion um Finanzierbarkeit

Martina Greubel und Florian Keßler (beide DBK) sowie die Grünen als Fraktion äußerten Bedenken wegen der Finanzierbarkeit. "Es ist eine tolle Idee, aber ein ,nice to have'. Wir müssen unsere Pflichtaufgaben erledigen", sagte Greubel. Marode Straßen, anstehende Großprojekte wie die Neue Altstadt, der Neubau der Henneberg-Grundschule und die Sanierung des Freibades lassen aus ihrer Sicht keinen finanziellen Spielraum.

Richard Fix (Grüne) erklärte, dass seine Fraktion die Idee grundsätzlich befürwortet. Die Landesgartenschau sei zudem eine Chance, brach liegende Flächen zu entsiegeln. Aber es müsse geklärt sein, dass das Projekt die Stadt finanziell und personell nicht überlastet. "Wenn diese Bedenken zerstreut werden, stimmen wir zu", sagte er.

Breiter Rückhalt für Landesgartenschau-Bewerbung

Die Fraktionen von CSU, SPD und Freie Wähler stellten sich hinter die Bewerbung. "Wir wollen die Landesgartenschau. Das ist endlich ein Projekt, wo wir unser Bad Kissingen selber gestalten können", sagte CSU-Fraktionssprecher Steffen Hörtler. SPD-Fraktionssprecher Bernd Czelustek: "Wir werden nicht unsere Stärken, sondern unsere Schwächen stärken. Da können wir Gewinn herausziehen." Andreas Kaiser (FW): "Wir unterstützen die Bewerbung vorbehaltlos."

Am Ende stimmten Greubel und Keßler dagegen, das restliche Gremium sprach sich dafür aus: Bad Kissingen will sich als Ausrichtungsort einer Landesgartenschau ab 2028 bewerben.

So läuft die Bewerbung ab und das kostet eine mögliche Landesgartenschau

Phase 1 Das Rathaus muss bis 30. Juni eine Interessensbekundung vorlegen. Wird diese positiv beurteilt, startet die zweite Bewerbungsphase.

Phase 2 Bis April 2022 ist Zeit, die Bewerbung inhaltlich unter Einbeziehung eines Landschaftsarchitekten auszuarbeiten und einzureichen. Die Bevölkerung muss an der Planung beteiligt werden. Die Bayerische Landesgartenschau GmbH entscheidet über die Bewerbung.

Ausführung Erhält Bad Kissingen den Zuschlag für eine LGS im Zeitraum 2028 bis 2032, braucht es sieben bis acht Jahre Vorbereitung. Etwa vier Jahre für die Planung, die restliche Zeit für die reale Umsetzung (z.B. Bauarbeiten). Veranstaltet wird die LGS über einen Zeitraum von zwölf bis 24 Wochen zwischen April und Oktober.

Kosten Bis Ende von Bewerbungsphase Zwei rechnet die Stadt mit 90 000 Euro Planungskosten. Die Bewerbung kann jederzeit abgebrochen werden. Für Planung und bauliche Vorbereitung ist ein Investitionshaushalt von zehn Millionen Euro angesetzt, der Eigenanteil der Stadt liegt bei vier Millionen Euro, abzüglich weiterer möglicher Förderungen. Zudem gibt es einen Durchführungshaushalt, über den die eigentliche Veranstaltung läuft. Einnahmen aus Eintritt, Pacht Werbung, Spenden und Sponsoren stehen den Ausgaben (z.B. Personal, Infrastruktur, Marketing) gegenüber.