Ein 22-jähriger ehemaliger Schüler veröffentlichte im Netz Videos, in denen er den Leiter des Jack-Steinberger-Gymnasiums in Rap-Songs beschimpft und mit einem Baseball-Schläger droht. "Eigentlich war das bereits am Sonntag alles erledigt", erinnert er sich an den Vorfall, die Festnahme des Täters und den Polizeischutz. Doch dann kam die Hysterie...

Über Nacht und am Montagmorgen wurden Gerüchte über Bombendrohungen und einen möglichen Amok-Lauf verbreitet. "Am Morgen ist unsere Telefonanlage zusammengebrochen", erinnert sich Kubitza und spricht von einem gefährlichen "Dunkelraum", der nur schwer zu kontrollieren sei. Sogar Gefahren für die Demokratie befürchtet er langfristig.

Aber nicht nur solche Extremfälle machen Kubitza Sorgen: Lehrer im Unterricht filmen, Videos von Mitschülern in der Umkleide, Beleidigungen bis hin zu Mobbing-Fällen nennt er als Beispiele für die Gefahren. Aber auch die übliche Nutzung sei problematisch: "Smartphones sind Zeitfresser und Unterbrecher", verweist Kubitza darauf, dass Jugendliche im Schnitt rund hundert Mal am Tag auf ihr Handy schauen.

Selbst viele Eltern hätten noch nicht erkannt, was Smartphones heute alles können, sagt auch Beratungslehrer Andreas Stehler vom Hammelburger Gymnasium. "Das Smartphone ist die eierlegende Wollmilchsau." Mittlerweile hätten 90 Prozent der Zwölfjährigen einen solchen Computer in die Hosentasche. Das Surfen im Internet vergleicht Strehler mit dem Gang durch eine Großstadt. Umso erschreckender sei es, dass mehr als die Hälfte der Eltern das unkontrolliert zulasse.


Aus der Beratungspraxis

"Wir haben immer mehr Schüler, die das Gefühl haben, nicht mehr genügend Zeit zu haben", berichtet Strehler aus seiner Beratungspraxis. Das führt er darauf zurück, dass Jugendliche oft mehrere Stunden am Tag online sind. Es könne oft gar kein "Arbeitsflow", also nachhaltiges und sauberes Arbeiten am Stück, entstehen. "Ich beobachte im Unterricht oft, dass der Tiefgang nicht mehr da ist." Und gerade weil die technische Entwicklung so beschleunige, seien viele Eltern überfordert.

Auch rechtlich gebe es sehr viele unklare Fragen: Beim "Sexting" etwa würden pornographische Inhalte ausgetauscht. Aber auch harmlose Fotos können Einschnitte in Persönlichkeitsrechte bedeuten. "Wir brauchen eine gute Rechtsschutzversicherung, wenn wir unseren Kindern ein Smartphone in die Hand drücken." Auch Strehler plädiert für klare Kontrollen, Filter und den Austausch mit den Kindern. Und: "Eltern sind natürlich immer ein Vorbild."

"Jugendliche brauchen Grenzen", sagt auch Diplom-Psychologe Michael Hinn, und: "Ohne Konzentration funktioniert Leben nicht." Auch Hinn ist gegen grundsätzliche Verbote von Mediennutzung, aber Heranwachsende müssten lernen, ihre Aufmerksamkeit über längere Zeit auf einen Punkt zu lenken, direkte soziale Kontakte zu entwickeln und Raum für "kreative Langeweile" zu haben.

Die Lotsin am Bad Kissinger Gymnasium, Christina Keller, hat eine Umfrage in den drei 5. Klassen dort gemacht. Ergebnis: Rund 60 Prozent der Schüler gaben an, ein Smartphone mit freiem Internet-Zugang zu haben. Rund die Hälfte der Schüler mit Internet-Zugang gab an, dass es feste Regeln zum Umgang damit gibt. Mutter Patrizia Klauda ist sich klar, dass der Umgang in ihrer Familie nicht repräsentativ ist: "Meine Tochter in der 6. Klasse nimmt ihr Smartphone gar nicht mit in die Schule, weil es dort ja sowieso verboten ist." Daheim dürfe sie eine halbe Stunde lang ins Internet und auch Whatsapp nutzen, aber: "Ich kontrolliere, was in der Gruppe alles geschrieben wird", sagt Patrizia Klauda. Da sei viel "Sinnfreies" dabei. Ansonsten liege das Handy im Wohnzimmer. Die Gefahr, dass ihre Tochter deshalb zu wenige Kontakte hat, sieht sie nicht.

"Bei uns haben alle Kinder bestimmte Zeiten am Computer", berichtet Marco Vedder, Vater von vier Kindern. Die Zeitvorgaben samt Kindersicherung seien fest installiert. "Dadurch ist der Druck, das Handy zu nutzen, sehr begrenzt", sagt Vedder. Überhaupt habe der Älteste in der 10. Klasse erst vor zwei Jahren ein Smartphone bekommen.


"Auf Vertrauensbasis"

Patricia Thom hat Töchter in der 5. und 9. Klasse. Die Jüngere hat nur ein altes Tastenhandy zum Telefonieren, die ältere bekam in der 8. Klasse ein Smartphone. Unangemeldete Kontrollen lehnt sie ab: "Wir machen das auf Vertrauensbasis." Allerdings zeige ihr ihre Tochter auch viele Einträge aus sozialen Netzwerken unaufgefordert. Klare Regeln gibt es trotzdem, etwa dass spätestens ab 22 Uhr das Handy nur noch im Flugmodus (etwa zum Musik-Hören) genutzt wird. Auch das WLAN werde nachts abgeschaltet, zudem gebe es feste Zeiten, wie das gemeinsame Essen, die handyfrei bleiben.

"Damit dürften wir aber alle nicht repräsentativ sein", ist Christina Keller, Patrizia Klauda, Marco Vedder und Patricia Thom bewusst. Deshalb gebe es von vielen anderen Eltern auch schon mal überraschte Nachfragen, weshalb die Kinder nicht ständig online seien.