Heinz Steidle ist ein mobiler Senior: Der 78-Jährige fährt fast täglich Auto, unter anderem um seine Frau Lieselotte zum Arzt oder zu Behandlungen zu fahren. "Meine Frau leidet an Bandscheibenbeschwerden", erzählt der ehemalige Geschäftsleiter am Amtsgericht Bad Kissingen. Umso mehr ärgern ihn die Schlaglöcher und Verdrückungen entlang des Stadtrings: Für seine Frau sei "das Befahren dieser Strecken jedes Mal mit Schmerzen verbunden". Neben Schäden an den Fahrzeugen denkt Steidle aber auch an andere: "Die Lärmbelästigung der Anwohner ist gerade am Westring unzumutbar." Deswegen hat er ans Staatliche Bauamt geschrieben. Doch das verweist - zumindest zum Teil - auf die Stadt. Ein Hin und Her.

"Der Bauzustand der Bundes- und Staatsstraßen im Bereich der Stadt Bad Kissingen ist seit Jahren katastrophal schlecht", schrieb Steidle nach Schweinfurt. Speziell kritisiert er den Zustand des Westrings vom Ortsschild bis zur Garitzer Kreuzung, die eingesunkenen Deckel auf dem Ostring, die Straßendecke an den Einmündungen Erhard- und Kapellenstraße sowie die Radwege entlang des Ost- und des Nordrings. Nach Steidles Meinung könne das Bauamt nicht einfach auf anstehende Baumaßnahmen etwa an der Garitzer Kreuzung oder den Kanalbau in der Erhardstraße verweisen: "Das kann die Nichtbehebung dieser gravierenden Schäden, die auch die Verkehrssicherheit beeinträchtigen, nicht rechtfertigen."

Vereinbarung mit der Stadt

Die Antwort kam schriftlich: "Zwar handelt es sich bei den von Ihnen angesprochenen Straßen um Straßen, die in der Baulast des Bundes beziehungsweise des Staates liegen, für Unterhalt und Instandsetzung ist gemäß einer Vereinbarung jedoch die Stadt Bad Kissingen zuständig", schrieb der für den Landkreis Bad Kissingen zuständige Baudirektor Rüdiger Köhler. Das Bauamt sei lediglich für "umfangreiche Maßnahmen, die tiefer in die Straßenkonstruktion eingreifen", verantwortlich. Zum Beispiel für den Umbau der Garitzer Kreuzung zum Kreisverkehr und die Erneuerung des Westrings.

"Unser Ziel ist, dass wir ab Frühjahr 2020 dort bauen", kündigt Köhler auf Nachfrage der Redaktion an. Trotzdem müssten Schlaglöcher, die die Verkehrssicherheit gefährden, beseitigt werden. "Das macht die Straßenmeisterei eigenständig." Bei der Garitzer Kreuzung dagegen handelte die Behörde bereits: Trotz der geplanten Erneuerung wurden im Herbst die tiefen Spurrillen abgefräst und kleinere Streckenabschnitte sogar erneuert. "Auch zwischen Arnshausen und Oerlenbach haben wir einige Schäden beseitigt", berichtet Köhler.

Wöchentliche Kontrollen

Rathaus-Sprecher Thomas Hack schränkt auf Nachfrage ein, dass die Stadt den Unterhalt nur vom Ende der Südbrücke bis zur Nordbrücke übernommen habe. Der Westring bis zum Ortsausgang Richtung Albertshausen sei also ausgenommen. "Grundsätzliche Aufgabe ist es, die Verkehrssicherheit herzustellen, also keine grundlegenden Straßenaufbauarbeiten, aber Schlaglöcher, Spurrillen, Winterdienst, Straßenreinigung", fasst Hack zusammen, und: "Kanaldeckel sind sowieso Sache der Kommune."

"Die Verkehrssicherheit wird wöchentlich kontrolliert und bestandserfasst", beschreibt Hack den Ablauf. Alleine für die Bundes- und Staatsstraßen stehen 45 000 Euro für baulichen Unterhalt im städtischen Haushalt, für heuer seien zum Beispiel kleinflächige Deckenfräsarbeiten auf der Münnerstädter Straße vorgesehen. Der Aufwand für Reinigung und Winterdienst lasse sich nicht einzeln beziffern.

Das Staatliche Bauamt überweist der Stadt für ihre Hilfe beim Unterhalt laut Hack rund 80 000 Euro. "Das ist weniger als das, was wir aufwenden", ist sich Hack sicher. Deshalb gebe es aktuell Verhandlungen, um die Vereinbarungen zusammenzufassen und zu aktualisieren.

Auch Oberbürgermeister Kay Blankenburg hat sich bei Heinz Steidle gemeldet: "Ich weiß, dass es gerade was Investitionen in Straßen und Wege angeht, aufgrund der beschränkten Mittel immer Defizite geben wird", betont der OB. Allerdings verweist er auf "seit Jahren und noch verstärkt in der Zukunft erhebliche Anstrengungen, das Straßennetz in Bad Kissingen auf einem sicheren und adäquaten Level zu halten."