Vor rund 2000 Jahren starb Jesus am Kreuz und wurde nach jüdischem Brauch in ein Tuch gewickelt, seine Leiche in ein Felsengrab gelegt. Dass sein Leben nach seinem Tod weltweit bekannt wurde, dafür sorgt auch heute noch das Neue Testament. Wer heute stirbt, hinterlässt die Geschichte seines Lebens im Internet. Wer heute stirbt, lebt bei Zalando weiter, erhält weiter E-Mails und ist noch Abonnement. Das sind Themen, um die sich Angehörige in ihrer Trauer mittlerweile auch kümmern müssen. Sie erhalten dabei Unterstützung von Bestattern.


Facebook-Profil lebt weiter

Während das irdische Leben eines Menschen endet, existiert der Verstorbene im Internet weiter. Er erhält weiter E-Mails auf sein Googlemail-Konto, sein Facebook-Profil schaut aus wie zu Lebzeiten, digitale Mitgliedschaften und Abonnements etwa bei Video- und Musikstreamingdiensten, Spieleportalen, Wettanbietern und Datingwebsites laufen weiter und können den Erben Kosten verursachen. "Es ist zunächst einmal wichtig, dass der Erblasser sich darum kümmert, dass die Angehörigen Zugriff auf die Nutzerkonten haben", empfiehlt Thomas Wolfrum, Fachanwalt für Erbrecht in Schweinfurt.

Er rät zu einer Vollmacht, verbunden mit einer Liste aller Nutzerkonten, damit die Angehörigen die Möglichkeit haben, die Dienste zu kündigen. Problem: "Heutzutage hat kaum noch jemand seine gesamten Nutzerkonten im Überblick." Um unerwartete Kosten zu vermeiden, sollten Angehörige sich die Kontoauszüge des Toten aushändigen lassen, prüfen, welche Abbuchungen es gibt und diese gegebenenfalls widerrufen.

Bestatter Rüdiger Fehr aus Bad Kissingen sieht es als wichtige Aufgabe seines Berufs, den Hinterbliebenen bei allen Fragen im Trauerfall zu helfen - wie ein Manager der letzten Dinge. "Im Endeffekt wollen wir die Trauernden durch eine schwere Zeit begleiten", sagt er. Dazu gehört auch, die Angehörigen bei der Nachlassverwaltung im Internet zu unterstützen.


Zwölf Abmeldungen pro Sterbefall

Der digitale Nachlass ist mittlerweile ein üblicher Teil der Formalitäten, der im Trauerfall zu erledigen ist. Seit Jahren nimmt der Anteil von Silver Surfern zu, also von Menschen über 65 Jahren, die aktiv im Internet unterwegs sind. Im Durchschnitt sind pro Sterbefall zwölf Abmeldungen fällig, rund die Hälfte davon betrifft heute bereits den digitalen Nachlass. "Für den einzelnen Angehörigen kann das sehr viel Arbeit werden", sagt Christopher Eiler, Mitgründer des Onlinedienstleisters Columba. Das Unternehmen kooperiert deutschlandweit mit mehr als 1500 Bestattern und hat in deren Auftrag in den letzten vier Jahren bereits in 100 000 Fällen den digitalen Nachlass geregelt.

Bestatter wie Rüdiger Fehr übermitteln auf Wunsch der Angehörigen die notwendigen Dokumente wie etwa Sterbeurkunden an Columba. Von dort aus wird sich dann um alles weitere gekümmert. "Internetfirmen können nicht wissen, dass eine Person gestorben ist. Es muss gewährleistet sein, dass es sich um keinen Scherz handelt", erklärt Christopher Eiler. Die Firma veranlasst, dass Nutzerkonten gelöscht oder auf Angehörige übertragen und dass Profile in sozialen Netzwerken in den Gedenkzustand versetzt werden.


Hunderte Firmen durchforsten

Die Hinterbliebenen stehen immer wieder vor denselben Problemen. "Es handelt sich oft um Vertragsbeziehungen, die sie nicht kennen, oder auf die sie keinen Zugriff haben", erklärt Eiler. Columba durchforstet dann 100 Partnerfirmen und in einem zweiten Schritt 240 weitere Onlineunternehmen, etwa aus dem Bereich E-Commerce wie Amazon und Zalando. Sollte das nicht genügen, bietet das Unternehmen zusätzlich noch Individualrecherchen an. "Im Durchschnitt haben wir sechs bis sieben Positivtreffer", sagt er.

Das Bestattungswesen in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten grundsätzlich gewandelt, der digitale Nachlass ist da nur eines von vielen Themen. Fehr ist mit seinem Bestattungsinstitut landkreisweit für 600 Beerdigungen jährlich verantwortlich. "Darunter sind noch 200 Erdbestattungen", berichtet er. Im selben Maß, in dem die Zahl der Kirchenaustritte steigt, verliert die klassische Beisetzung im Sarg an Bedeutung.

Das bedeutet aber nicht, dass feierliche Beerdigungen nicht mehr gefragt sind. "Der Trend geht zum freireligiösen Sprecher", sagt der Bestattermeister. Generell gebe es eine steigende Anzahl von Menschen, die sich individuelle Bestattungs- und Trauerrituale wünschen.


Bestattungstermine ballen sich

Parallel zur sinkenden Zahl der Erdbestattungen wird seit den 1980er Jahren die Urnenbeisetzung immer populärer. Dafür gibt es viele Gründe, findet Fehr. Zum einen sind die Bestattungskosten gestiegen, so dass sich viele aus finanziellen Überlegungen für die günstigere Urne entscheiden. Es gibt aber auch Menschen, die ihre Angehörigen nicht mit der aufwendigen Grabpflege belasten wollen.

Der Verlust der klassischen Großfamilie trägt ebenfalls zur Beliebtheit von Feuerbestattungen bei. Viele Familienmitglieder leben in Deutschland verstreut und sehen sichnicht oft. "Wir haben oft Schwierigkeiten, einen Termin für eine Beerdigung zu finden", schildert Fehr.

Feuerbestattungen kommen den Hinterbliebenen entgegen, weil sie terminlich flexibler zu handhaben sind. "Es entfällt die hygienische Kühlung des Leichnams", erklärt Fehr. Die Beerdigung kann unkomplizierter um mehrere Tage bis zu einem passenden Termin verschoben werden. Trotzdem bündeln sich Bestattungen vor allem auf Freitagnach- und Samstagvormittage. "Das ist für uns manchmal nur noch schwierig zu leisten", sagt Fehr.