Einige Menschen, die aus der Ukraine kommen, benötigen medizinische Hilfe. Sei es, dass sie eine Chemotherapie oder eine Dialyse brauchen, sich auf der Flucht verletzt haben oder einfach hier krank geworden sind.

Da stellt sich die Frage, ob und inwiefern das auf die Krankenhäuser einen Einfluss hat, die ja auch mit Omikron zu kämpfen haben. Doch auf Nachfrage stellt sich heraus: In beiden Fällen ist die Lage überschaubar, das größere Problem ist noch immer Corona.

Keine Unterscheidung nach Herkunftsland

Was die Geflüchteten in Behandlung angeht, sagt Stefanie Noe vom Helios St. Elisabethkrankenhaus Bad Kissingen, dass das Haus nicht nach Herkunftsland unterscheide. Daher lasse sich keine Aussage darüber treffen, wie viele ukrainische Menschen derzeit in Behandlung seien.

Veit Oertel vom Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt berichtet: "Einen signifikanten Anstieg unserer Patientenzahlen durch ukrainische Flüchtlinge können wir nicht feststellen."

Macht sich "gar nicht bemerkbar"

"Hier macht es sich gar nicht bemerkbar", sagt auch Ralph Pleier, Leiter der Franz von Prümmer Klinik in Bad Brückenau. Derzeit sei auch nichts angekündigt, was Verlegungen aus städtischen Krankenhäusern in die Peripherie angehe.

Was Pleier im Krankenhaus vom Krieg mitbekam, seien zwei Dinge: Zum einen habe das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege vor vier Wochen in den Kliniken angefragt, ob sie ukrainische oder russische Ärztinnen und Ärzte hätten. Damals habe es die Befürchtung gegeben, dass Russland die Ukraine in kurzer Zeit besiege und viele Verletzte hinterließe. Das sei jedoch nicht so gekommen.

Zum anderen habe sein Haus medizinische Utensilien wie Masken und Desinfektionsmittel für einen Hilfstransport aus Bad Brückenau gespendet.

Rhön-Klinikum hält Erstunterkünfte bereit

Dem Rhön-Klinikum Campus Bad Neustadt sei es als Gesundheitsversorger selbstverständlich, den notleidenden Menschen aus der Ukraine in dieser humanitären Ausnahmesituation zu helfen und Solidarität zu zeigen.

Es komme seiner humanitären Verantwortung nach und habe Erstunterkünfte für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Die Klinik kommt dabei vollumfänglich für die medizinische Versorgung der Flüchtlinge auf.

Versorgung der Geflüchteten durch Arztpraxen abgefedert

Michael Mildner ist in der Region Main-Rhön für die Koordinierung der Krankenhäuser, die Covid-19-Erkrankte aufnehmen, verantwortlich. Er hatte ebenfalls die Frage nach ukrainischen Geflüchteten im Kopf und daher eine Umfrage unter den Kliniken gemacht: Bis auf eine Klinik habe jede bereits mit Ukrainerinnen und Ukrainern zu tun gehabt.

"Was die Anzahl der Einweisungen angeht, ist das im Rahmen der normalen Notaufnahmekapazitäten handelbar." Die Versorgung der Geflüchteten werde auch durch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte abgefedert.

Zahl der Corona-Patienten gleich, Personal wieder zurück

Die Hauptbelastung der Krankenhäuser durch die hohe Corona-Inzidenz ist laut Mildner in der vergangenen Woche zurückgegangen. Grund ist weniger, dass sich an der Anzahl der Covid-19-Erkrankten etwas geändert habe. Im Bereich Main-Rhön blieb die Anzahl auf gleichem Niveau, bei etwa 200 Patientinnen und Patienten.

Grund für eine Entspannung ist eher: "Man sieht ein Comeback von Ärzten und Pflegekräften. Im Gegensatz zu vor einer Woche sind viele wieder aus der Quarantäne oder Isolation zurück", sagt Mildner. Derzeit sei keine Abteilung mehr komplett geschlossen, die Auslastung der Intensivstation liege auf Vor-Corona-Niveau.

Lockerungen "nicht zu Ende gedacht"

Dennoch sieht Mildner ein Problem darin, dass seit Anfang der Woche die Corona-Regelungen zum Großteil gefallen sind. "Das ist aus meiner Sicht nicht zu Ende gedacht. Da müssen wir mal sehen, was auf uns zukommt."

Wegen der Osterferien werde das Infektionsgeschehen erfahrungsgemäß zurückgehen, Ende April zeige sich dann, wie sich die Lockerungen auf die Kliniken auswirkten.

Hohe Erkrankungszahlen im Leopoldina

Die Kliniken in der Region einzeln gefragt, scheint die Lage sich nicht bei allen ganz so entspannt zu haben. Noch immer fehlt das Personal dort.

"Im Fokus stehen derzeit die hohen Erkrankungszahlen im Personalkörper - circa 120 bis 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Bereichen täglich", schildert Veit Oertel vom Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt. Die Zahl der an Covid-19 erkrankten Patientinnen und Patienten habe in den letzten Tagen leicht zugenommen, sei aber gut beherrschbar.

Noch vor zwei Wochen hatte der Koordinator für die Covid-Krankenhäuser im Gebiet Main-Rhön, Michael Mildner, ein Verbot von Operationen für das Elisabeth-Krankenhaus in Bad Kissingen ausgesprochen. Am 1. April war es ausgelaufen. Grund sei vor allem fehlendes Personal gewesen. Die Zahl an Covid-Infizierten habe sich in den vergangenen Wochen nicht verändert.

Rhön-Klinikum hält OP-Programm aufrecht

Das Rhön-Klinikum Bad Neustadt hatte analog zu den hohen Inzidenzwerten in der Region eine große Zahl an Ausfällen im Personal in den vergangenen Wochen. Aktuell befinden sich über 100 Mitarbeitende in häuslicher Quarantäne.

Mitarbeitende hatten sich selbst infiziert oder befanden sich beispielsweise wegen erkrankter Kinder in Quarantäne. Hinzu kommen die nicht coronabedingten Krankheitsausfälle des Personals." Zum jetzigen Zeitpunkt komme die Klinik ihrem Versorgungsauftrag nach - analog zu den freien Bettenkapazitäten prüfe sie stets die aktuelle Situation und passe Maßnahmen an, um ihr normales Operationen-Programm aufrechtzuerhalten.

"Für uns heißt das einmal Luft holen"

In Bad Brückenau hat sich die Lage in der Prümmer-Klinik entspannt, wie Klinikleiter Ralph Pleier berichtet: "Vor 14 Tagen noch saßen wir täglich zusammen und haben beraten, wie wir weiter vorgehen." Jetzt sei ein Großteil des Personals wieder da, keine der Stationen mehr mit einer anderen zusammengelegt.

Doch wirklich entspannt ist er nicht: "Für uns heißt das einmal Luft holen", sagt Pleier und sieht auf die nun gelockerten Coronaregelungen.

Schutzmaßnahmen sollen erhalten bleiben

"Wir wollen, dass die Schutzmaßnahmen erhalten bleiben, weil wir uns damit versprechen, die Zahl der Erkrankten zu dämpfen. Wir brauchen diese Dämpfung, weil wir sonst mit der Arbeit nicht hinterher kommen."

Der Aufwand sei um ein Vielfaches höher, wenn es sich bei den Patientinnen und Patienten um Coronainfizierte handele. Das würde zusätzlich verstärkt, wenn durch die gestiegene Inzidenz wieder mehr Personal in Quarantäne und Isolation sei.