Die auf dieses Jahr verschobenen Jubiläumsfestspiele auf Burg Botenlauben fallen auch heuer der Corona-Pandemie zum Opfer. Am übernächsten Wochenende lädt der Herold nicht "Hinan zur Burg", die Burg bleibt ohne Fahnenschmuck, die Lyra des Otto von Botenlauben wird nicht gestimmt, und es gibt keinen Minnesängerwettstreit um die Gunst der Gräfin Beatrix.

Aus dem bescheidenen Burgfest der 750-Jahr-Feier von Reiterswiesen im Jahr 1984 sind im Laufe der vergangenen Jahre die Botenlauben Festspiele geworden, lebendige, erlebbare Kissinger Geschichte am Originalschauplatz. Der Heimatverein Botenlauben hat mit viel Einsatz für die Burg und deren Geschichte, kreativen Ideen und professioneller Unterstützung schon 30 Mal die Geschichte des bedeutendsten Paares der Kissinger Geschichte in Erinnerung gerufen und eines der stimmigsten Mittelalterveranstaltungen Frankens veranstaltet. Unter dem Motto "800 Jahre - Die Botenlauber zurück vom Hl. Land", sollte erstmals drei Tage gefeiert werden.

Nur ein Mal, nach den Anschlägen am 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten, sind die Festspiele abgesagt worden. Lange haben die Verantwortlichen des Heimatvereins gezögert und überlegt, ob die Veranstaltung stattfinden kann. Eine abgespeckte Version, mit einer Historienszene um den Verkauf der Beatrix'schen Güter in der Königsburg von Akkon - "vor König Johann" - wie es in der Urkunde heißt, war angedacht. Das Burgfest ist mehr als Historienspiel und Theater, es lebt auch von Vielfalt und Begegnung im besonderen Ambiente. Hier dem Kalligraphen über die Schulter schauen, ein paar Schritte weiter zu den heilkundigen Frauen oder zum Zelt des Münzmeisters, am Feuer bei ritterlichem Waidwerk und Falknern sitzen oder zusehen wie der Schmied den Hammer schwingt: Diese kleinen Szenen neben den großen Programmpunkten wie Minnesängerwettstreit, Freilichttheater, Ritterkämpfen und Gauklerspiel sind unter Corona-Auflagen auf dem Burggelände nicht zu erfüllen. Mit dem Wetterrisiko lebt der Verein schon immer, die nicht abgeschlossene Renovierung des "Kissinger" Turms und die gesperrte Burgstraße kommen in diesem Jahr noch erschwerend dazu, deshalb hat sich der Botenlaubenverein für eine Absage entschieden. Nun hoffen alle auf einen neuen Anlauf im Herbst 2022.