"(K)ein Bild von Jeschua. Die Darstellung des Juden Jesus in der bildenden Kunst" ist der reich bebilderte Vortrag von Hans-Jürgen Beck überschrieben, der im Rahmen der Jüdischen Kulturtage am Dienstag, 2. August, um 19.30 Uhr im Landratsamt Bad Kissingen zu hören und zu sehen ist. Den Text liest Sigismund von Dobschütz.

Lange Zeit bot die christliche Kunst keinen Platz für ein Bild des Juden Jeschua ben Josef. Sowohl Jesus als auch seine ersten Jüngerinnen und Jünger wurden ihres jüdischen Hintergrunds völlig entkleidet. Juden dienten lediglich als Kontrastfolie, vor der sich der Christus des Glaubens umso strahlender abheben konnte. Dies änderte sich erstmals mit dem Gemälde "Ein Christus nach dem Leben" aus dem Jahr 1648 des niederländischen Malers Rembrandt van Rijn (1606 - 1669). Doch diese Darstellung des Juden Jesus blieb bis ins 19. Jahrhundert folgenlos.

Geleugnet und verdrängt

Was heute als banale Selbstverständlichkeit erscheint, war Jahrhunderte lang nicht nur in der Kunst, sondern auch in der christlichen Theologie und Gesellschaft geleugnet oder verdrängt worden: Das Antlitz Jesu wurde von der Antike bis ins 19. Jahrhundert zwar durchaus je nach Zeitgeschmack unterschiedlich ins Bild gesetzt. Es war aber, sieht man vom Rembrandt-Gemälde einmal ab, nie das Antlitz eines Juden, das den Betrachter anschaute. Erst der deutsch-jüdische Maler Max Liebermann (1847-1935) wagte es 1879 mit seinem Gemälde "Der zwölfjährige Jesus im Tempel" als einer der ersten Maler, den Zimmermannssohn als Juden darzustellen.

Für den britisch-jüdischen Maler und Kunstkritiker Emmanuel Levy (1900-1986) wird der gekreuzigte Jude Jesus sogar zum Sinnbild für das Leiden des jüdischen Volkes. Levy stellte in seiner 1942 gemalten "Kreuzigung" Jesus als orthodoxen Juden mit Gebetsschal, Gebetsriemen und Kopfbedeckung dar. Die übliche Inschrift "INRI" ersetzte durch das deutsche Wort "Jude". Es gab für Levy also keinen konkreten Grund mehr für Jesu Ermordung: Er war wie Millionen andere einfach nur Jude. So entdeckten also erst jüdische Künstler den Juden Jesus in der bildenden Kunst wieder neu und gaben ihm in ihren Werken eindrucksvoll Gestalt.

Der Vortrag "(K)ein Bild von Jeschua" von Hans-Jürgen Beck bei den Jüdischen Kulturtagen zeigt diese langsame, sich über Jahrhunderte hinziehende Entwicklung anhand zahlreicher Bilder.

Zur Info:

Jüdische Kulturtage Veranstaltung: "(K)ein Bild von Jeschua. Die Darstellung des Juden Jesus in der bildenden Kunst", Jüdische Kulturtage, Dienstag, 2. August, 19.30 Uhr, Landratsamt Bad Kissingen (Großer Sitzungssaal), Obere Marktstraße 6. Der Eintritt ist frei.ksvd