Anke Amon, Jugendsozialarbeiterin an der Mittelschule in Bad Brückenau, steht an einem Dienstagnachmittag an der Theke im Partyraum des Jugendkulturzentrums (JuKuZ), sie blickt zu drei Jungs, die es sich auf dem Sofa an der Wand gemütlich gemacht haben und sagt: "Es ist halb vier, ihr könnt gehen." Wer kann schon von sich behaupten, dass er die Schüler erst daran erinnern muss, dass der Unterricht zu Ende ist.

Gut, es ist nicht Unterricht im engeren Sinne, es ist das Nachmittagsangebot im Ganztagszweig der Mittelschule in Bad Brückenau: seit diesem Schuljahr findet das erstmals auch im Jugendkulturzentrum statt.

Seit September gibt es die Arbeitsgemeinschaft "Juz+" - die die Jugendlichen von der Schule ins JuKuZ holen soll. Anders ausgedrückt: aus etwas schulischem soll etwas erwachsen, das in die Freizeit übergeht. So würden sich Anke Amon und Boris Höttinger, der städtische Jugendpfleger, das wünschen. Und der Plan scheint zu funktionieren.

Zwischen zwölf und 13 Schüler, von der siebten bis zu neunten Klasse des Ganztagszweigs an der Mittelschule, sind seit September nun jeden Dienstagnachmittag damit beschäftigt, das JuKuZ wieder auf Vordermann zu bringen; diesesmal war Großputz angesagt.

Die Besen und Schrubber lehnen noch an der Wand, die letzten dreckigen Lappen werden in die Mülltüten gestopft, hier und da wird ein bisschen cool in der Ecke gestanden, gelacht und getratscht.

Pauline Zaps ist 15 Jahre alt, für die Arbeitsgemeinschaft hat sie sich entschieden, weil "ich es interessant finde, dass Brückenau wieder was hat, wo man sich treffen kann". Am besten gefällt ihr bislang, dass alles nicht so streng ist wie in der Schule, und man so die anderen Mitschüler auch mal besser kennenlernt.

Als sie gehört hatte, dass heute Putzen angesagt ist, war ihr erster Gedanke: "Warum ausgerechnet putzen?" Der zweite Gedanke war dann aber: "Gut, probier' ich es eben", und jetzt, nach zwei Stunden, sagt sie: "Es hat Spaß gemacht."


Auffangen, abfedern und anleiten

"Sie sind 15, sind an einer Mittelschule und haben noch nie eine Entscheidung getroffen, sie haben so viele Dinge im Kopf", sagt Jugendpfleger Boris Höttinger. Auffangen, gegebenenfalls abfedern und anleiten, dass sind die Aufgaben von Höttinger und Amon. Am Beispiel des JuKuZ sieht das dann aus wie folgt: Die Jugendlichen sollen lernen, wie ein Verein funktioniert und im besten Fall sich dafür auch engagieren wollen, sie sollen Veranstaltungen organisieren - die Halloweenparty im vergangenen Jahr war so eine. Derzeit planen sie einen "Tag der offenen Tür" - ein Willkommensfest für Flüchtlinge.

Demnächst wollen sie Inventur machen: um mal zu sehen, was brauchen wir, sagt Hötttinger. Damit die Jugendlichen das JuKuZnicht nur als Räumlichkeit begreifen, sondern sich mit der Einrichtung zu identifizieren. Boris Höttinger sagt: "Ich würde mir wünschen, dass sich die Jugendlichen während der zweieinhalb Stunden am Dienstagnachmittag im JuKuZ so wohl fühlen, dass sie auch in ihrer Freizeit kommen würden."

Wer damals im September die Initiative ergriffen hat? "Wir sind beide aufeinander zugegangen", sagt Boris Höttinger. Anke Amon nickt. Die Schule habe den Vorschlag auch sofort unterstützt, sagt sie. Die größte Hürde war am Ende, den Bustransport zu organisieren.

Die Jugendlichen, sagt Amon, lernen sich hier anders kennen. Und sie trauen sich auch mal Fragen zu stellen, die sie sich sonst nicht zu stellen trauten. "Das schafft auch für mich eine ganz andere Vertrauensbasis, die die Arbeit in der Schule erleichtert", sagt Amon.

Das Fazit nach den ersten sechs Monaten: Als erstes wurde eine Whats App-Gruppe gegründet. In der heutigen Zeit immer ein gutes Zeichen. Was zieht, sagt Boris Höttinger, sind die Gemeinschaft und die Musik. Was mindestens genauso zieht, was weder Höttinger noch Amon sagen, ist ihr persönlicher Umgang mit den Jugendlichen: auf Augenhöhe, mit Humor und dem nötigen pädagogischen Ernst.