"Grüner Spinner" hatten sie ihn genannt. Als bei Reiner Morshäuser die ersten Module vom Hausdach blitzten, galt er bei vielen als Exot. Das war im Jahr 2003. Es ist noch keine vier Wochen her, da machte der Singenrainer ein weiteres - inzwischen das dritte - Dach voll. 31 Platten fangen von seiner Garage aus Sonnenenergie ein. Genau das ist es, was er und seine Mitstreiter wollen: so viele Dächer wie möglich im Landkreis mit Photovoltaik-Anlagen bedecken. "Macht die Dächer voll" heißt das Projekt des Bund Naturschutz. Dafür entsendet der Verein sogenannte Solarbotschafter - Reiner Morshäuser ist einer von ihnen.

Es ist grau an diesem Tag im Dezember. Dicke Wolken geben immer wieder ein paar kalte Regentropfen frei. Die Sonnenstrahlen sind weggesperrt. Das meiste verbraucht er gleich, in seiner Speicher-Anlage im Keller kommt gerade nicht viel an, meint Reiner Morshäuser und klappt das weiße Türchen des schnörkellos stylischen Kästchens zu, in dem die Technik schlummert. Für seinen Kumpel Norbert Jenkner ist gerade das ein Argument für noch viel mehr Solarpanels auf den Hausdächern.

"Je größer die Anlage, desto mehr kann man rausholen - auch an trüben Tagen wie heute", sagt Norbert Jenkner. Der 57-Jährige aus Westheim will genauso wie Reiner Morshäuser als Solarbotschafter Menschen dazu bringen, ihre Hausdächer mit Solarzellen zu pflastern. Seine Motivation formuliert er unmissverständlich: "Wir steuern eine Klimakatastrophe an." Die beiden Männer wollen die Initiative ergreifen und sich unabhängig machen. "Wenn man auf die Politik wartet, ist man verlassen", sagt Reiner Morshäuser. Hannelore Rundell, eine Kollegin aus dem Arbeitskreis des Vereins geht einen Schritt weiter und stellt offen die Frage nach der Glaubwürdigkeit: "Sind Klimabekenntnisse überhaupt ernstzunehmen, wenn Potenziale nicht ausgenutzt werden?"