Nach 160 Wochen, 1120 Tagen oder 26.800 Stunden war es endlich wieder so weit, dass die Blaskapelle Ebenhausen 1952 e.V. einen Konzertabend in der Turnhalle Ebenhausen veranstalten konnte. Das letzte Jahreskonzert fand 2019 statt, und die Freude über den Abend war den Musikerinnen und Musikern wie auch den Zuhörern deutlich anzumerken. Die Blaskapelle Ebenhausen feiert in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen und hatte ihr Programm mit dem Motto "Wie die Zeit vergeht ..." dementsprechend ausgerichtet.

"Notenkiller" eröffnen Konzert

Es ist inzwischen schon eine gute Tradition, dass der Konzertabend durch das Nachwuchsorchester "Notenkiller" eröffnet und die Begrüßung von einem Mitglied desselben übernommen wird. Keck und unbefangen begrüßte Nachwuchsmusikerin Leni Dees nicht nur das gesamte Publikum, sondern auch zahlreiche Ehrengäste, darunter den Landrat des Landkreises Bad Kissingen Thomas Bold und den Bürgermeister der Großgemeinde Oerlenbach Nico Rogge.

Die insgesamt 18 "Notenkiller" unter der musikalischen Leitung von Richard Dees zeigten ihr Können mit den drei Stücken "Eröffnungsmusik" von Frank Watz, "The Seminar Hym" von Jacob de Haan und "Checkpoint" von Fritz Neuböck, in dem Begrüßungsrednerin Leni Dees mit einem Trompetensolo glänzte. Sicherlich war das Lampenfieber groß, denn durch die pandemiebedingte Pause war es für etliche der jungen Musikerinnen und Musiker das erste Mal, dass sie unter Konzertbedingungen vor großem Publikum auftreten konnten.

Ehrungen über Ehrungen

Bevor die Hauptkapelle übernahm, ging ein wahrer Ehrungsregen auf die Ebenhäuser Turnhalle nieder, denn am Ende waren es sage und schreibe 53 Personen, die entweder von Vereinsseite durch den Vorsitzenden Matthias Dees oder von Verbandsseite durch den Vertreter des Nordbayerischen Musikbundes Dominik Sitter geehrt wurden. Aber schließlich gab es ja auch schon zwei Jahre lang gar keine Ehrungen und etliche Personen wurden sogar mehrfach ausgezeichnet.

Matthias Dees zeichnete 18 Vereinsmitglieder für 25 Jahre Mitgliedschaft bei der Blaskapelle aus. Hervorzuheben sind Carola Schneider, Thomas Plescher und Markus Hartung, die bereits seit 40 Jahren Vereinsmitglied sind, sowie Joachim Bauer, Richard Dees, Josef Reichert und Wilhelm Wahler, die sogar schon 50 Jahre dabei sind. Den Höhepunkt bildeten die Ehrungen der vier Gründungsmitglieder Kurt Distler, Helmut Kuhn, Albert Schmid und Hermann Stürmer, die seit 70 Jahren bei der Blaskapelle sind und sie im Jahr 1952 zusammen mit sieben anderen Musikern gegründet hatten. Sie erhielten außer Ehrennadel und Urkunde als besonderes Geschenk ein "All-Inclusive-Ticket" für das große Festwochenende im Juli. Dafür bekommen sie nicht nur kostenlosen Eintritt ins Festzelt, sondern auch Essen und Trinken umsonst. Das 83-jährige Gründungsmitglied Kurt Distler bedankte sich für die Ehrung mit den Worten "Musik und Sport sind die schönsten Zeitvertreibe, die es gibt" und freute sich darüber, was aus den kleinen Anfängen inzwischen geworden ist.

Ehrungen des Nordbayerischen Musikbundes

Für den Nordbayerischen Musikbund zeichnete der stellvertretende Kreisvorsitzende Dominik Sitter 24 Mitglieder der Ebenhäuser Blaskapelle entweder für ihre Tätigkeit im Vorstand oder für langjähriges aktives Musizieren aus. Elf Musikerinnen und Musiker sind schon zehn Jahre, zwei seit 20 Jahren, vier seit 25 Jahren dabei. Seit bereits 30 Jahren musizieren aktiv Simone Augsten und Matthias Dees, seit 40 Jahren Thomas Plescher und seit unglaublichen 50 Jahren Joachim Bauer und Richard Dees.

Nach dieser wahren Ehrungsflut konnte sich das Publikum endlich voll und ganz auf den von der Hauptkapelle vorgetragenen musikalischen Teil des Abends konzentrieren. Moderiert wurde dieser Programmteil ebenso charmant wie informativ von der ehemaligen Klarinettenspielerin Ina Mundbrod. Unterhaltsam untermalt wurden die Musikvorträge von einer von Falk Strobel zusammengestellten Fotopräsentation im Bühnenhintergrund. Die 39 Musikerinnen und Musiker sowie ihr Dirigent und musikalischer Leiter Jürgen Kunkel nahmen das Publikum mit auf eine Reise durch die Zeit, denn alle ausgewählten Stücke drehten sich in irgendeiner Weise um Zeit oder den Geburtstag der Kapelle.

Ständchen zum eigenen Geburtstag

Den Startschuss bildete ein Geburtstagsmarsch von Ernst Mosch, den sich die Musikerinnen und Musiker selbst als Ständchen zum Geburtstag spielten. Weiter ging es "In 80 Tagen um die Welt" nach der Musik von Otto M. Schwarz, unterlegt von Bildern des gleichnamigen Abenteuerfilmes von Michael Anderson aus dem Jahr 1956. Hier konnte die Kapelle ihr breites Können zeigen und die Zuhörer fühlten sich förmlich in den Dschungel oder in die Zeit der Indianerkriege versetzt. Gediegener war dagegen das nächste Musikstück "Elisabeth Serenade" des britischen Komponisten Ronald Binge, das zur Krönung von Queen Elisabeth II. im Jahr 1952 - auch hier die Anspielung auf die Gründung der Kapelle vor 70 Jahren - wiederveröffentlicht wurde. Nach "Zeitenwende" von Kurt Gäble entführte die Blaskapelle mit einem "TV-Kultabend" arrangiert von Manfred Schneider in die Fernsehlandschaft der letzten Jahrzehnte. Dabei war die Tagesschau, die Eurovisionsmelodie und das Aktuelle Sportstudio, weiter Showformate wie "Wetten Dass" und Serien wie Lindenstraße, Schwarzwaldklinik oder Derrick. Hier lösten die Melodien zumindest bei den älteren Semestern große Wiederhörensfreude aus.

Traditionelle Blasmusik und 1980er Jahre

Nach Grußworten von Landrat Thomas Bold und Bürgermeister Nico Rogge sowie einer Pause ging erst einmal mit traditioneller Blasmusik die Sonne auf mit dem gleichnamigen Stück von Rudi Fischer. Als kleines Zeichen für Frieden, für Solidarität und Zusammenhalt wurde das bekannte Musikstück "Von guten Mächten" aus der Feder von Siegfried Fietz mit dem Text von NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer kurzfristig ins Programm aufgenommen und gespielt. In dem folgenden Titel "Grandfather's Clock" von Peter Schad konnten zwei Solisten der Ebenhäuser Blaskapelle brillieren: Laura Brand an der Piccolo-Flöte und Dirigent Jürgen Kunkel am Bariton. Dieser übergab kurz den Taktstock an den früheren Dirigenten der Kapelle Martin Mühleck und stellte mit diesem Stück der Ebenhäuser Ortsbevölkerung sein musikalisches Können vor. Danach kam mit "Zeitlos" von Martin Scharnagl ein kurzer Ausflug in den Bereich Polka. Scharnagl ist ein in Blasmusikkreisen sehr bekannter junger Tiroler Komponist, der mit seiner Gruppe "Viera Blech" beim Jubiläumsfest der Blaskapelle im Juli auftreten wird. Zum Schluss wurde das Publikum nochmals in die jüngere Vergangenheit mitgenommen, nämlich mit einer Tour durch die Hits der 1980er Jahre. Diese endete mit einem Satz aus dem "Rosaroten Panter", der auch für die Kapelle gilt: "Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage!" Die Zuhörer bedankten sich mit stehenden Ovationen und wurden mit zwei Zugaben belohnt.