Aber je länger die Matinee mit Mira Wang (Violine), Jan Vogler (Violoncello) und Antti Siirala (Klavier) dauerte, desto irritierter wurde man über den Titel, und immer mehr schlich sich die Vermutung ein, dass es da nicht unbedingt um die Wertschätzung der New Yorker, sondern um eine Wohnadresse ging. Denn es blieben Fragen offen.

Gespannt konnte man schon deshalb sein, weil Jan Vogler bei seinen bisherigen beiden Kissinger-Sommer-Gastspielen als Orchestersolist nicht die glücklichste Figur gemacht hatte. In der Kammermusik konnte das natürlich ganz anders sein, wenn er den Druck selbst dosieren konnte.

Aber bei Ludwig van Beethovens D-dur-Sonate für Violoncello und Klavier op. 120/2, sicher von sich aus schon ein etwas sprödes Werk, hatte es Vogler mit Antti Siirala zu tun. Der Finne ist ein Pianist, der offensichtlich gerne die musikalischen Muskeln spielen lässt, und da war er halt wieder, der Druck.Voglers Antwort war eine ziemliche Ruppigkeit, die auch die eigentlich zu singende Kantilene ziemlich rau werden ließ. Dazu kam, dass der Cellist nicht immer auf die Eins kommt, dass so kein wirklich gemeinsam gestaltetes Gefüge zustande kommt, das sich auch in einem harmonisierten Klang zeigt.

Dieses Nichtverschmelzen der Instrumente zeigte sich auch deutlich im zweiten Satz, der den beiden in seine Einzelteile zerfiel und dabei auch noch etwas an Tempo verlor. Im Schlusssatz war es vor allem die Fuge, die nicht wirklich inszeniert war und die vor allem im Klavier nicht gut durchhörbar war.


Gefühl der Überlänge

Andere Fragen, aber auch eine Antwort gab es bei dem Fantasy Duo für Violine und Klavier des Amerikaners John Harbison. Die Antwort: Mira Wang ist eine Geigerin, die nicht nur technisch phatastisch ist, sondern die auch gestalten kann - auch wenn sich ein Werk einer Gestaltung widersetzt. Man fragte sich schon, wie Harbisons Werk den Titel "Fantasie" bekommen konnte. Es ist eine ziemlich verkopfte Etüde, ein Schreibtischprodukt, das keinerlei Emotionen befördert außer die der Überlänge. Schön, dass zumindest der Komponist nach Abschluss der Arbeit eine gewisse Symmetrie in seinem Werk entdecken konnte. Vor allem für die Geiger ist das Duo sicher eine Herausforderung, aber nicht für das Publikum - bis auf den leise verklingenden Schluss.

Ja. und dann mit allen dreien Peter Tschaikowskys Klaviertrio a-moll, eine Gedenkmusik für den plötzlich verstorbenen Pianisten und Dirigenten Nikolai Rubinstein. Ein dem Anlass angemessenes elegisches Thema leitet den ersten Satz ein, aber da war er halt wieder, der Krach, der jede Nuance nivellierte, der die Cellostimme verschluckte. Mira Wang konnte sich ja noch ganz gut behaupten, weil hohe Töne sich leichter durchsetzen, aber ein differenziertes Musikzieren war das nicht mehr. So kann man vielleicht in einem Saal mit 2000 Plätzen spielen (auch wenn man es nicht sollte), aber nicht im Festsaal von Maria Bildhausen. Dieses Hochschaukeln ergab keinen erkennbaren Sinn und verdeckte die Musik.


Die Absprachen fehlten

Ein bisschen besser wurde das im Variationenteil, weil da auch nicht immer alle Instrumente gleichzeitig spielen. Aber die Gestaltungsangebote, die Mira Wang machte, wurden von den beiden Herren viel zu selten aufgegriffen, und die Variationen verschwammen in der Beliebigkeit. Selbst wenn Siirala mal etwas leiser wurde, feuerte das Cello eine Breitseite ab. Da fehlten offensichtlich Absprachen. Da hätte man vieles plastischer gestalten können und - das muss man bei Jan Vogler leider sagen - auch intonatorisch genauer.