Vor 425 Jahren war gegenüber Schloss Aschach ein "herrschaftliches Brauhaus" errichtet worden, das vor genau hundert Jahren aufgegeben werden musste. Dieser 500-jährigen Tradition folgend, meldete Christoph Bauer (34) im vergangenen Herbst seine kleine "Brauerei Aschach" (Neusetz 37) als Gewerbe an. Nach hundertjähriger Pause gibt es nun wieder nach traditioneller Art gebrautes Bier aus Aschach.

Christoph Bauer hat familiär zwar keine Verbindung zum historischen Brauhaus, das 1594 unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn gegründet und erst 1920 von den letzten Betreibern, den Brüdern Karl und Ludwig Stolle, nach dem Ersten Weltkrieg aufgegeben wurde. Doch irgendwie fühlte sich der gelernte Industriemechaniker und heute als Prozessoptimierer arbeitende 34-Jährige diesem heimatlichen Erbe verpflichtet. "Die Jugend weiß gar nicht mehr, dass es ein Brauhaus in Aschach gegeben hat." Heute kennt man nur den großen Parkplatz am Schloss, wo bis 1969 noch die Ruine des historischen Brauhauses stand.

Zum Bierbrauer wurde Bauer allerdings nur durch Zufall: Vor sieben Jahren schenkten er und seine Schwestern dem Vater einen Braukurs zum Geburtstag. Da dieser nicht allein gehen wollte, begleiteten ihn Sohn und die drei Schwager. Zum nächsten Geburtstag schenkten sie dem Vater die zum Bierbrauen nötige Erstausstattung, machten sich in geselliger Runde ans Brauen des ersten Bieres und tranken es an Heiligabend erst einmal selbst.

Es vergingen vier Jahre, bis sich Christoph Bauer entschloss, daraus einen Nebenberuf zu machen. "Bier ist eines der kompliziertesten Getränke und wird leider als Massenware unter Wert verkauft", bedauert der begeisterte Biertrinker. Im November 2018 begann er mit der Planung, im Januar 2019 kaufte er die Ausstattung, im Herbst hatte er alle Genehmigungen von Gewerbeamt, Gesundheitsamt und Zoll beisammen und feierte zum Jahresende 2019 bei zwei Veranstaltungen mit eigenem Bier seinen Einstand als Brauer.

"Der Samstag ist Brautag, der Sonntag gehört der Familie", steht seitdem für den Ehemann und Vater zweier Kinder fest. Für zwei Braugänge braucht er den ganzen Samstag, dann muss die Sudmenge zunächst eine Woche in die offene, dann eine Woche in die geschlossene Gärung und vier weitere Wochen in die Reifung, bis das fertige Bier - der Tradition verpflichtet - in Bügelflaschen abgefüllt und verkauft werden kann.

Da Bauer selbst süffiges Bier bevorzugt - "nicht zu herb, aber auch nicht zu süß" - ist auch sein malzbetontes, dunkles "Bochbräu" ein kräftiges Bier mit nussigem Charakter. Der bernsteinfarbene "Kellertrunk", seine zweite Biersorte, wird nach Märzenart gebraut und geschmacklich ausbalanciert zwischen malziger Süße und aromatischem Hopfen. Dieser Tage geht das "Füscher Urweizen" als neueste Sorte in die Produktion - im Geschmack fruchtig und mit stärkerem Bananen-Aroma.

Seine drei Biersorten können preislich zwar nicht mit den Supermärkten mithalten, weiß der Aschacher Bierbrauer. Aber bei ihm ist alles Handarbeit, seine Zutaten sind regional-frisch und seine Biere haben "mehr Geschmack als handelsübliche Biere". Längst ist die "Aschacher Brauerei" durch Mundpropaganda über die Landkreisgrenzen bekannt und hat ihre Kapazitätsgrenze von 200 Litern pro Woche erreicht. Bauers Privatbrauerei scheint einzigartig im Landkreis zu sein. "Jedenfalls weiß ich von keiner anderen." Unaufhaltsam steigt die Nachfrage nach seinen Bieren. Deshalb investiert Christoph Bauer seine Überschüsse in die Vergrößerung der Anlage. Bis Ende 2021 will er seine Produktionsmenge auf 500 Liter pro Woche aufstocken. "Das ist für mich aber die Obergrenze. Alles muss authentisch bleiben."

Die Brauerei Aschach ist zu finden unter folgender Adresse: Neusetz 37, 97708 Aschach, Tel. (mobil): 0175/55 22 821 und per Mail zu erreichen unter Brauerei.Aschach@t-online.de